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Kultur im Norden Mankell: Nähe, Alter und Tod
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19:13 30.08.2016

Zwei grüne Gummistiefel, beide passen auf den linken Fuß. Das ist alles, was dem 70-jährigen Fredrik Welin bleibt, nachdem sein Haus auf einer Insel in den Schären in einer ungemütlichen Nacht kurz vor dem Winter abgebrannt ist. „Hat dieser Mann eine Zukunft? Hat er einen Grund weiterzuleben?“, fragt der Schriftsteller Henning Mankell. In seinem letzten Roman, der jetzt in Deutschland erschienen ist, schreibt der Schwede nachdenklich und in knapper Sprache über das Leben mit der Einsamkeit, die Suche nach Nähe, das Alter und den Tod.

Henning Mankell starb 2015.

„Die schwedischen Gummistiefel“ ist als Nachfolger des Bestsellers „Die italienischen Schuhe“ angelegt. Man muss den Vorgänger nicht kennen, um dem Sog der Geschichte zu erliegen. Der Protagonist ist aber derselbe: der frühere Arzt Welin, dem einst ein Kunstfehler unterlief und der seitdem zurückgezogen in den Schären lebt. Doch in der Abgeschiedenheit der Inselwelt sehnt sich der alte Mann nach Nähe.

Gleichzeitig bringt der Schicksalsschlag ihn den Menschen näher, die ihn umgeben. Seiner Tochter Louise, die er erst kennengelernt hat, als sie längst erwachsen war, und über die er kaum etwas weiß.

Dem fast gleichaltrigen Jansson, der die Post bringt und ein bisschen zu gutmütig für diese Welt zu sein scheint. Und der Journalistin Lisa, in die sich der alte Mann genauso spontan wie heftig verliebt – wohl einfach, weil ihm Liebe in seinem Leben fehlt.

Auf fast 500 Seiten hat der Autor der Krimireihe um Kommissar Wallander wohl auch einigen seiner eigenen Ängste und Grübeleien nachgespürt. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Angst vor dem Tod – das sind Themen, die auch den Alltag des Schriftstellers bestimmten, nachdem kurz nach Neujahr 2014 ein bösartiger Tumor bei ihm entdeckt worden war. In seinem Buch „Treibsand“, das im vergangenen Herbst auf Deutsch erschienen ist, erzählte er von seinem Umgang mit der Krankheit. Am 5. Oktober 2015 starb Henning Mankell.

Julia Wäschenbach

„Die schwedischen Gummistiefel“ von Henning Mankell, aus dem Schwedischen von Verena Reichel, Paul Zsolnay Verlag, 480 Seiten, 26 Euro.

LN

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