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Martin Luther und die Liebe

Martin Luther und die Liebe

Zum 500. Jubiläum der Reformation widmet sich auch Kunst am Kai mit Mitteln des Musiktheaters diesem Thema.

Lübeck. Ist es eine junge Oper, wie es im Programmheft steht, oder ist es doch ein Musical, dieses Stück Musiktheater namens „Luther in Love“, das gestern im Schuppen C seine Premiere feierte? Schwierig zu sagen, denn das neueste Werk von Gabriele Pott (Komposition und musikalische Leitung) und Birgit Kronshage (Libretto und Regie) entzieht sich solch eindeutigen Zuordnungen.

Musikalisch ist Gabriele Pott wieder ein munterer Stilmix gelungen, den das Orchester aus Studierenden der Musikhochschule und Mitgliedern der Lübecker Philharmoniker mit viel Engagement und viel Empathie spielte. Alte Choralmelodien wurden zitiert, Puccinis „Tosca“ klang mit mächtigen Akkordfolgen an, dazwischen Musical-Melodien wie von Andrew Lloyd Webber und Schlager-Elemente. Gabriele Pott hat diese Versatzstücke geschickt zusammengeführt und zu einem kurzweiligen Gesamtpaket geschnürt. Diese Musik hat grundsätzlich Tempo und Schwung, variiert jedoch die Stimmungen sehr vielfältig.

Die Handlung dreht sich um Martin Luther, der um eine eindeutige Haltung ringt, sich von Teufeln und Dämonen umgeben fühlt und schließlich vor dem Kaiser beim Reichstag zu Worms zu seinen Überzeugungen steht. Er erinnert sich an frühere Kämpfe, die er durchgestanden hat, und an seinen Entschluss, Mönch zu werden.

Parallel dazu wird die Geschichte Katharina von Boras erzählt, die als Nonne mit ihren Ordensschwestern von Luthers Schriften begeistert ist und schließlich mit den anderen Nonnen aus dem Kloster flieht. Nachdem sie sich kräftig gestritten haben, entdecken Luther und Katharina ihre Liebe füreinander.

Das Libretto ist ebenso kurzweilig wie die Musik, Birgit Kronshage lässt in ihrer Inszenierung die Szenen ineinander übergehen, es gibt keinen Moment des Stillstands. Dazu trägt auch die ausgeklügelte Choreografie von Martina Wüst bei, die selbst die allgegenwärtige Figur des Todes tanzt – bis Luther den alten Widersacher schließlich vor die Tür setzt.

Mit Ausnahme der Hauptrollen spielen nur Kinder und Jugendliche die Partien des Werkes – auch das macht den Reiz von „Luther in Love“ aus. Die jungen Darsteller agieren präzise und singen text- und melodiesicher, es ist eine Freude, dem Bühnen-Nachwuchs zuzusehen und zuzuhören. Was Regisseurin und Choreografin aber vor allem gelingt, ist die Ausnutzung des nur mit spärlichen Requisiten versehenen großen Bühnenraumes im nicht ganz ausverkauften alten Hafenschuppen (Ausstattung: Alex Mans). Der gesamte Raum wird bespielt und mit Leben erfüllt, es gibt keine statischen oder gar langweiligen Momente in dieser Inszenierung. Das macht sie auch für ein junges Publikum geeignet, und ein solches wünscht man den Machern von Kunst am Kai um Gabriele Pott.

In der Rolle des Luther brillierte Daniel Philipp Witte mit kräftig fundiertem Tenor. Lisa Ziehm war eine ebenso stimmstarke Katharina von Bora, auch ihre darstellerischen Fähigkeiten beeindruckten.

Lukas Anton als päpstlicher Legat und Luthers Vater wirkte angemessen dämonisch, Rebecca Aline Frese als Ave von Schönfeld sang mit sicherer Stimmführung. Das Publikum war begeistert von diesem neuen Blick auf den mit sich selbst ringendem Martin Luther, dem Mann mit Idealen und Prinzipien, dem man die Kunst des Lebens und Liebens erst beibringen muss. Ein gelungenes Werk, dem man viele Zuschauer wünscht – ob man es nun junge Oper oder Musical nennt, ist nebensächlich.

Nächste Vorstellungen: heute und am 8., 9. und 10. September um 17 Uhr, Eintritt 15/12,50, ermäßigt für Schüler und Studenten 10/ 7,50 Euro.

Jürgen Feldhoff

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