Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Max Rabe singt von Beziehungen und Topfpflanzen

Lübeck Max Rabe singt von Beziehungen und Topfpflanzen

Max Raabe und sein exzellentes Palastorchester ließen die Musik der Goldenen Zwanziger aufleben.

Voriger Artikel
Mit der Transsib von Moskau nach Peking
Nächster Artikel
Kinderbuchpreis „Luchs“ geht an Reinhard Kleist

„A-ha-ha, U-hu-hu“: Max Raabe bringt alberne Texte voller Ernst zu Gehör.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Lübeck. Der schwarze Anzug sitzt tadellos, die Haare sind zurückgegelt, an Haltung und Intonation ist nichts auszusetzen, nur das leicht ergraute Haar lässt erkennen, dass die Zeit auch an diesem scheinbar aus der Zeit gefallenen Mann nicht spurlos vorübergeht. Max Raabe und sein Palastorchester brachten am Sonnabend in der ausverkauften Lübecker MuK vor allem Lieder der 1920er und 1930er Jahre zu Gehör. „Es geht um das ewige Durcheinander der zwischenmenschlichen Beziehungen und um Topfpflanzen“, kündigt der 53-Jährige das Programm „Eine Nacht in Berlin“ an.

Mit „Kleine Lügen" eröffnet er die musikalische Revue, um im Anschluss zu versichern: „Von uns erfahren Sie heute Abend nur Wahrheiten. Jedenfalls im Kern." Die Besucher juchzen das erste Mal, viele können die Songs mitsummen. Es sind die guten alten Gassenhauer der Goldenen Zwanziger wie die „Bar zum Krokodil am Nil“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ oder „Mein Gorilla hat ‘ne Villa im Zoo“. Lange Vokale, rollendes R, ernste Miene, Routine. Nur durch sein Spiel mit Augenbraue und Mundwinkel bricht sich Ironie Bahn. „ Ich kann die Dinge irgendwie gar nicht ohne Ironie betrachten“, sagte der Entertainer einmal. Dieses Augenzwinkern scheint auch bei seinen eigenen Songs durch, die an diesem Abend auch zu hören sind wie „Küssen kann man nicht alleine“ oder das Eröffnungslied „Kleine Lügen“.

Ob Swing, Tango, Paso Doble — die älteren Herren und die junge Dame des Palast Orchesters legen dem Frontmann einen dezenten Klangteppich aus. Bei ihren Instrumentalstücken laufen sie dann zu großer Form auf und rocken mit offensichtlicher Spielfreude das MuK-Foyer. Bei Titeln wie „Dort tanzt Lu-Lu! A-ha-ha! U-hu-hu!“ oder „Ich steh mit Ruth gut, weil meine Ruth tut, das was mir gut tut“ ist die Albernheitsskala nach oben offen. „Die Leute sollen vergessen dürfen, was sie außerhalb des Konzertsaals bewegt. Sie haben sich das Recht erkauft, für zwei Stunden die Realität außen vor zu lassen“, ist Raabes Anspruch, und dem wird er in Lübeck gerecht.

„Wir wären sehr dankbar, wenn Sie uns die Möglichkeit einräumen würden, Ihnen noch ein Stück vortragen zu dürfen“, sagt Raabe nach großem Abschlussjubel und holt als Zugabe die unvermeidliche Topfpflanze, den „kleinen grünen Kaktus“, auf die Bühne, bevor die gänzlich begeisterten Besucher mit einem Schlaflied in die frostige Nacht entlassen werden.

Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel