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Kultur im Norden Mehr Platz für die Religion
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18:32 28.05.2018
Berlin

Mehr Religion, mehr Multimedia, eine elegante Besucherführung – so ließe sich das Aufgabenprofil von Museumsdirektor Peter Schäfer umreißen. Er arbeitet mit einem Team von Fachleuten und Designern zusammen und sagt, es einem „ganz schwindelig“ werden bei dem mit 22 Millionen Euro vom Bund geförderten Projekt.

Spektakulärer Bau

Das Museum nahe dem früheren Checkpoint Charlie in Berlin-Kreuzberg wurde 2001 eröffnet. Der von dem Architekten Daniel Libeskind entworfene Zickzack-Bau ist spektakulär. Er wird ergänzt durch einen Altbau aus der Barockzeit und die W. Michael Blumenthal Akademie, die zusammen das Ensemble Jüdisches Museum Berlin bilden.

Der Judaistik-Professor, der vor vier Jahren von der US-Universität Princeton nach Berlin wechselte, wird das Museum bis weit in das 21. Jahrhundert prägen. Die erste Dauerausstellung war nach 15 Jahren Ende 2017 geschlossen worden. Damals sei man bei den Präsentationsmöglichkeiten „Spitze“ gewesen, doch die Bedürfnisse haben sich gewandelt: Rundgänge, Barrierefreiheit, neue Technik – „da geht viel mehr.“

Schäfer, einer der weltweit führenden Experten für das frühe Judentum, will der Religion mehr Platz einräumen. Gleich zu Beginn werde das Wort stehen in Gestalt der Tora, die die heiligen Schriften der Juden versammelt: „Das ist der Paukenschlag.“ Nach der Tempelzerstörung 70 n. Chr. durch die Römer sei die Tora Kern des Judentums geworden.

Die Ausstellungsmacher müssen sich dabei mit dem Gebäude arrangieren. Schäfer: „Wir können und wollen den Libeskind-Bau nicht verändern.“ Die Achse des Exils, der Holocaust-Turm und der Garten des Exils, die der polnisch-amerikanische Architekt konzipiert hat, bleiben bestehen. Dann führt die Treppe nach oben – die Achse der Kontinuität. „Natürlich ist die Shoa ein entscheidender Punkt, aber die Zeit nach 1945 soll einen viel größeren Akzent bekommen“, sagt Schäfer.

Mit List lässt sich der verwinkelte Betonbau bespielen – etwa die steile Treppe in die Obergeschosse. Die sei nicht besonders besucherfreundlich, sagt Schäfer. „Wenn Sie aber oben ankommen, sind Sie außer Atem. Es gibt zwar einem Aufzug, aber den findet niemand.“ Künftig sollen die Besucher hier optisch geführt werden. Technisch aufwendig werden im Treppenhaus lateinische und hebräische Buchstaben signalisieren: Denen sollst du folgen. Oben formieren sie sich dann zu Namen wichtiger Orte des mitteleuropäischen Judentums. Überhaupt soll Bewegung eine besondere Rolle spielen. Ein statisches Judentum hat es Schäfer zufolge nie gegeben. „Das Judentum war immer auch Teil der umgebenden Weltkultur und hat dadurch viele Einflüsse aufgenommen und andere abgestoßen.“

Auch bemüht sich Schäfer um neue Dauerleihgaben. Zugesagt wurde bereits ein spektakuläres Stück: eine Anfang der 90er Jahre im verschütteten Bunker von Hermann Görings Landsitz „Carinhall“ entdeckte Skulptur. Die Staue „Amitié au cœur“ des Bildhauers Etienne-Maurice Falconet hatten die Nazis von der Familie Rothschild geraubt.

Und das Museum will in Zukunft stärker auf die Aktualität reagieren. Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch wird im Eingang eigens eine Vitrine einrichten. Da wird von diesem Donnerstag an eine inzwischen berühmte Kippa ausgestellt. Getragen hatte die Kopfbedeckung ein junger Israeli, der Mitte April in Berlin von einem Syrer angegriffen worden war. Der Fall hatte eine Debatte über Antisemitismus von Flüchtlingen ausgelöst. Zu solchen aktuellen Fragen will das Museum in Zukunft mit eigenen Ausstellungsstücken öfter Position beziehen.

Esteban Engel

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