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„Meine Lübeck-Vision ist international“

Lübeck „Meine Lübeck-Vision ist international“

Der Geiger Daniel Hope feierte in den vergangenen zwei Jahren große Erfolge mit seinen „Familienstücken“. Nun stellt er an drei Tagen wieder hochkarätige Freunde vor.

Lübeck. Daniel Hope, Ihr Lübecker Musikfest „Familienstücke“ findet zum dritten Mal innerhalb des SHMF statt, es umfasst elf Veranstaltungen an drei Tagen mit zahlreichen Grenzüberschreitungen.

 

LN-Bild

„ Meine Frau und mein kleiner Sohn akzeptieren die erweiterte Lübecker Familie. Daniel Hope

Quelle: Foto: Harald Hoffmann

Diesmal gibt es auch einen Ausflug zum Jazz. Was verbindet Sie mit der improvisierten Musik?

Daniel Hope: Da gibt es eine personelle Verbindung – nämlich zum Jazz-Pianisten Marcus Roberts, der mit seinem Trio aus den USA anreist. Marcus Roberts ist wie ich künstlerischer Leiter des Savannah Music Festivals im US-Bundesstaat Georgia. Für mich ist er einer der besten Jazzpianisten der Welt. Daneben ist er ein hochintelligenter Lehrer.

Kommt er extra für die Familienstücke nach Deutschland?

Ja, natürlich. Es war mein Traum, ihn irgendwie nach Europa und dann auch nach Lübeck zu locken. Und ich bin stolz, dass ich auch den dritten künstlerischen Leiter, Mike Marshall, hierher lotsen konnte. Er ist in Europa noch nicht sehr bekannt, aber man wird staunen: Marshall ist ein Mandolinen-Virtuose, er hat in den USA den modernen Bluegrass-Stil geprägt. Marshall, Roberts und ich bilden die künstlerischen Säulen des Savannah Music Festivals.

Ein teures Trio. Was sagt SHMF–Intendant Christian Kuhnt zu solchen Eskapaden?

Christian Kuhnt und ich kennen uns schon so lange, er kann mir da voll vertrauen. Er hat mich beauftragt, eine Art Vision für Lübeck auf die Beine zu stellen. Und ihm ist natürlich bewusst, dass ich international denke. Auf der anderen Seite weiß er auch, dass ich rechnen und mit dem Etat umgehen kann. Ich muss mit dem leben, was vorher für die Familienstücke vereinbart ist.

Es gibt während des SHMF und auch rund um das Festival Jazzkonzerte. Was unterscheidet den Auftritt von Marcus Roberts von dem, was zum Beispiel bei Jazz Baltica zu hören ist?

Man kann Marcus in einer Art Battle erleben – bei einem völlig unkriegerischen Wettkampf von zwei Klaviertrios. Er wird in der Rotunde der Musik- und Kongresshalle mit Stücken von Thelonious Monk, Charlie Parker, Duke Ellington und auch seinen eigenen Kompositionen die Fahne des Jazz hochhalten. Ich werde mit einem klassischen Trio dagegenhalten, mit Eric Kim am Cello und Simon Crawford-Phillips am Flügel.

Das Marcus Roberts Trio wird am selben Tag, beziehungsweise in der Nacht, im Volkstheater Geisler zu hören sein. Mit welchem Konzept?

Er ist ein wahnsinnig toller Virtuose, man fällt fast um, wenn man ihn hört – das wird man beim zweiten Konzert erleben. Er ist aber auch bodenständig, in der Club-Atmosphäre des Geisler-Theaters kann ihm das Publikum nahe kommen. Dass er blind ist, spielt dabei keine Rolle. Für uns ist das erstaunlich, dass er die Tastatur mit den Händen beherrscht, ohne sie zu sehen. Übrigens zeigt sich an den beiden Orten auch die Vielfalt von Lübeck. Ich will sogar behaupten: Elf Konzerte in drei Tagen an unterschiedlichen, aber immer erstaunlichen Plätzen, die für viele erreichbar sind – das kann man nur hier in der Stadt machen.

Bei einem Festival, bei dem der Mandolinenspieler Avi Avital Porträtkünstler ist, bringen Sie mit Mike Marshall und seiner Lebensgefährtin Caterina Lichtenberg noch eine ganz andere Mandolinen-Farbe ins Spiel. Das könnte man als frech bezeichnen.

Ja, wir feiern dieses Instrument in diesem Sommer. Übrigens: Avi Avital verehrt Mike Marshall sehr, sie haben auch schon gemeinsam gespielt. Caterina Lichtenberg, die eine klassische Mandolinistin ist, kommt aus Duisburg dazu. Zu dritt werden wir „Von Bach to Bluegrass“ wandern.

Sie sind ja nicht nur mit zahlreichen Musikern der verschiedensten Sparten befreundet, auch Filmschauspieler folgen gerne Ihrem Ruf nach Lübeck. Diesmal Sebastian Koch. Was werden Sie beide unter der Überschrift „Paradise“ im St. Annen-Museum anstellen?

Auch da konnte ich mir einen Langzeittraum erfüllen. Ich wollte immer einmal gemeinsam mit ihm auftreten, das ist bisher jedes Mal gescheitert, weil Sebastian Koch ja inzwischen ein Hollywood-Star geworden ist. Er hat sich Texte ausgesucht, die Paradiese beschreiben – es geht nicht nur um das himmlische Paradies, sondern auch um ganz irdische. Meine Aufgabe ist es, die passende Paradies-Musik zu liefern.

Sie vergrößern den Kreis Ihrer Wahlverwandtschaften in jedem Sommer beim Lübeck-Musikfest „Familienstücke“. Was sagt da Ihre tatsächliche Familie dazu?

Meine Frau und mein Sohn sind jedes Jahr dabei. Als wir im vergangenen nach Lübeck gekommen sind, hat auch mein Sohn einen Festivalpass bekommen – er war damals erst zwei Jahre alt. Dieser Pass hängt als Trophäe immer noch bei uns zuhause am Kühlschrank. Er war auf vielen Proben dabei, im Kinderkonzert sowieso. Er weiß inzwischen, welche Bedeutung Lübeck für mich hat. Ich habe hier einige Jahre verbracht, an der Musikhochschule studiert. Meine Frau und der Kleine akzeptieren die erweiterte Familie.

Die Familienstücke

Karten gibt es noch für folgende Veranstaltungen:

Fr., 28. Juli: „The Art of Piano Trio“ mit dem Marcus Roberts Trio und einem klassischen Trio mit Daniel Hope, MuK-Rotunde, 19 Uhr.

Sa 29. Juli: „Mandolin Magic“ mit Mike Marshall und Caterina Lichtenberg, Oberschule zum Dom, 11 Uhr; „From Bach to Bluegrass“ mit Mike Marshall, Caterina Lichtenberg und Daniel Hope, St. Katharinen, 21 Uhr

So., 30. Juli: Familienkonzert „Mr. Hope, wann darf ich klatschen?“, Schuppen 6, 11 Uhr; „Kammermusik unter Freunden I“, Gemeinnützige, 14 Uhr; Saitensprung und Orgelpfeife, St.

Aegidien, 17 Uhr; „Kammermusik unter Freunden II“, Ev.-ref. Kirche, 19 Uhr.

Restkarten unter Tel. (0431) 237070.

Interview: Michael Berger

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