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Kultur im Norden Meister der Entlarvung – Johannes Grützke ist tot
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19:12 17.05.2017
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Berlin

Verzerrte Gesichter, riesige Ohren, Grimassen – mit seinen Gemälden hat Johannes Grützke (Foto) die Deutschen bis ins Groteske verfremdet und ihnen zugleich den Spiegel vorgehalten. „Malen ist Denken“, lautete sein Prinzip. Jetzt ist der aus Berlin stammende Maler, Zeichner und Bühnenbildner, der sich in Selbstporträts mit mächtiger Nase auch selber nicht verschonte, gestern mit 79 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin gestorben, wie die Leipziger Galerie Schwind mitteilte.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde Grützke mit seinem monumentalen „Zug der Volksvertreter“ in der Frankfurter Paulskirche bekannt. Er wollte die Verhältnisse aufdecken, die Besonderheiten von Menschen darstellen, freilich mit viel Witz. Wie Teig dehnen sie sich über die Gemälde, Gestalten im barocken Exzess, wohl auch als Parabel auf die Verlockungen von Konsum und Wohlstand. Dabei bezog er sich immer wieder auch auf klassische Motive. Seine ausufernden Tableaus greifen auch die Formstrenge historischer Malerschulen auf. Unverkennbar ist der Einfluss Oskar Kokoschkas, dessen Schüler er 1962 war, aber auch die Nähe etwa zu Egon Schiele, Lucian Freud oder Francis Bacon.

„Schule der neuen Prächtigkeit“ nannte sich die Künstlergruppe, die er 1973 unter anderem mit seinem Kollegen Matthias Koeppel ins Leben rief. Er lehrte auch an Hochschulen in Nürnberg und Hamburg und arbeitete am dortigen Schauspielhaus mit Peter Zadek zusammen.

LN

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