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„Merkel ist Merkel, mit allen Risiken ...“

Berlin „Merkel ist Merkel, mit allen Risiken ...“

„Das Merkel-Lexikon“ – Ein praktisches Nachschlagewerk über die Kanzlerin von A bis Z.

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Nicht von A bis Z, aber von 1991 bis heute: Angela Merkels Wandlung von der Ministerin für Frauen und Jugend über die Umweltministerin zur Kanzlerin.

Quelle: dpa

Berlin. Was Sie schon immer über Angela Merkel wissen wollten: Trinkt sie Alkohol, ist sie bibelfest, wird sie auch mal wütend? Welches Koordinatensystem hat ihre Außenpolitik, wie war das eigentlich genau mit der Enthaltung Deutschlands im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über einen Militäreinsatz in Libyen, was ist die Basis für ihre Flüchtlingspolitik?

Journalist und Autor

Andreas Rinke, geboren 1961, ist promovierter Historiker. Von 1986 bis 1999 war er Redakteur der „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, danach ging er zum „Handelsblatt“ nach Berlin.

2005 interviewte er erstmals Angela Merkel vor ihrem Amtsantritt als Kanzlerin. Seit 2010 ist Rinke Korrespondent der internationalen Nachrichtenagentur Reuters und deren „Kanzler-Watcher“.

Wie hoch (niedrig) ist ihr Gehalt, arbeitet sie lieber mit Frauen oder Männern, wovon träumt sie?

Antworten darauf sowie auf rund 300 weitere Aspekte aus dem Leben der Angela Merkel gibt es jetzt in einem Buch: „Das Merkel- Lexikon – Die Kanzlerin von A-Z“. Geschrieben hat es der Journalist Andreas Rinke. 447 Seiten mit mehr als 1200 Quellennachweisen sind es geworden. „Abschottung“ lautet der erste Lexikon-Eintrag, in dem man erfährt, dass Merkel die Isolation Deutschlands „für unsinnig hält“. Offenheit sei vielmehr die Grundlage „für Wohlstand und Frieden“. Dazu passt das zweite Stichwort: „AfD“. Merkel empfinde die neue plitische Partei als „mehrfache Zumutung“: zu nationalistisch, zu unsolidarisch, zu polarisierend. Zum „Alkohol“ soviel: erster Rausch mit 18 bei der Abiturfeier, später sei ihr „Trinkfestigkeit“ attestiert worden.

Nur wenige Kategorien werden über mehrere Seiten ausgebreitet, so wie Merkels Flüchtlingspolitik. Ganz überwiegend sind es aber kurze Abschnitte, in denen ihre Politik, ihr Denken, ihre Art beschrieben wird. Darauf legt der Autor Wert: „Es soll ausdrücklich der Leserin und dem Leser vorbehalten bleiben, wie sie die skizzierten Positionen und Haltungen Merkels bewerten. Dazu brauchen sie eine Faktenbasis, die in der meinungsstarken deutschen Medienlandschaft manchmal etwas verloren zu gehen scheint. Darum geht es in diesem Buch“, schreibt Rinke in der Einleitung. Seit 16 Jahren verfolgt der promovierte Historiker das politische Geschehen in Berlin, seit 2010 als Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters.

Er legt dar, was Merkel unter europäischer Austeritäts-Politik versteht, warum sie sich an keinem Bundesland so abarbeitet wie an Bayern, was ihre Lieblingsbücher und -pflanzen sind und wie sie den CDU-Vorsitz erklommen hat. Rinke schildert auch, warum sie 1995 als Umweltministerin im Kabinett Kohl in Tränen ausbrach, er schreibt über Angela Merkels Konfektions - und Schuhgröße und über ihre Größe im Umgang mit Mitarbeitern. Und natürlich über ihre Beziehungen zu mächtigen Männern der Welt – neben den US-Präsidenten etwa die französischen Staatschefs oder Kremlchef Wladimir Putin.

Vieles von dem ist bekannt. Neu aber ist die Gliederung, die klare Übersicht, die inhaltliche Tiefe trotz häppchenweiser Erläuterungen. Es finden sich zahlreiche Merkel-Zitate, auch aus früheren Zeiten („Ich hoffe auf den Tag, an dem ich lese, dass den Rechtsextremisten der Nachwuchs ausgeht“). Auch solche Zitate, die längst vergessen oder in der Flut der Berichte über Merkel untergegangen sind. Wie dieses aus dem Jahr 2000, als sie als neue CDU-Vorsitzende sagte: „In Bayern gibt es so einen Spruch ,Mir san mir‘. Ich sage: Merkel ist Merkel, mit allen Risiken und Nebenwirkungen“.

Rinke ist ein ernsthaftes, interessantes und auch praktisches Nachschlagewerk gelungen – auch für Schüler, Journalisten, Politiker. Akribisch recherchiert und durch Quellennachweise belegt. Bei den allermeisten Terminen der Kanzlerin war der Journalist Rinke ohnehin selbst dabei. Er kennt Merkel gut. Nur in zwei Fällen ist ihm nichts eingefallen: bei X und Y. Ungelöst eben.

„Das Merkel-Lexikon – Die Kanzlerin von A-Z“ von Andreas Rinke, Verlag zu Klampen 447 Seiten, 24,80 Euro

Kristina Dunz und Michael Berger

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