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Merkel und Putin im Fadenkreuz

Lübeck Merkel und Putin im Fadenkreuz

Christian von Ditfurth legt seinen zweiten Thriller mit dem Ermittler Eugen de Bodt vor.

Lübeck. Christian von Ditfurth hat schon einige interessante Ermittler in seinen Kriminalromanen auftreten lassen. Den Hamburger Historiker Josef Maria Stachelmann zum Beispiel, der oft in Lübeck ermittelte und die kniffligsten Fälle löste. Allerdings ging Stachelmann in den letzten Thrillern langsam die Energie aus, Ditfurth hat gut daran getan, seinem Helden einen längeren Erholungsurlaub zu gönnen. Eugen de Bodt heißt der neue Star in Ditfurths Krimis, jetzt ist der Roman mit seinem zweiten Fall erschienen: „Zwei Sekunden“.

 

LN-Bild

Christian von Ditfurth lebte lange bei Ahrensbök.

Quelle: Rainer Hofmann

Und wie schon in „Heldenfabrik“, dem ersten Roman mit de Bodt, geht es wild zur Sache. Auf Angela Merkel und Wladimir Putin wird in Berlin ein Anschlag verübt, nur die Tatsache, dass ihr Fahrzeug die Bombe zwei Sekunden zu früh passiert, rettet die Politiker. Nach der Tat mischen alle mit, die auch nur im entferntesten mit Polizei oder Geheimdienst zu tun haben. Natürlich auch der stets ungewöhnlich agierende Hauptkommissar Eugen de Bodt vom Landeskriminalamt Berlin, der stets seine Vorgesetzten düpiert, für seine engsten Mitarbeiter aber der Held schlechthin ist.

Nach dem missglückten Anschlag zieht sich plötzlich eine Blutspur durch Berlin. Immer mehr Menschen, die den Anschlag überlebten, werden ermordet. Diese Morde gehen aber nicht nur auf das Konto der Terroristen, mittlerweile hat sich auch der russische Geheimdienst eingeklinkt. Und der verfügt über eine bildschöne und völlig skrupellose Killerin, die ihrem gruseligen Ruf alle Ehre macht und gerne einen Tauchsieder benutzt, um an Informationen zu kommen; auch die Pistole sitzt ausgesprochen locker bei ihr.

Gegen Ende dieser prallen Story gerät auch Eugen de Bodt in Lebensgefahr. Die Terroristen haben ihn gekidnapped, in einem großen Showdown lösen sich dann in Feuer und Blut alle Rätsel. Man weiß

endlich, wem der Bombenanschlag wirklich galt, wer dahinter steckte und vor allem um was es wirklich ging. Nur Eugen de Bodt weiß immer noch nicht, wie es mit ihm weitergehen soll – mit seiner Assistentin Salinger oder doch lieber allein. Das lässt Raum für Spekulationen, zumal da auch noch eine attraktive Sekretärin aus dem Bundeskanzleramt aufgetaucht ist.

Christian von Ditfurth hat in „Zwei Sekunden“ einige Fehler aus „Heldenfabrik“ nicht mehr gemacht. Die Handlung ist nicht mehr ganz so wirr, die Lösung des Falles kommt nicht mehr urplötzlich um die Ecke. Und vor allem sind die Charaktere und die Motivationen der Beteiligten weitaus schärfer gezeichnet als im ersten Buch dieser Reihe. Eugen de Bodt war bekannt als das schwarze Schaf seiner Familie, jetzt weiß man besser, warum er es sich mit seinen Angehörigen verscherzt hat. Und erst recht mit seiner Frau Elvira und den beiden Töchtern, für die er absolut nichts empfindet.

Er ist eine interessante Figur, dieser schräge Hauptkommissar, über den die Kanzlerin persönlich die schützende Hand hält und der deshalb seine ständigen Insubordinationen in aller Ruhe betreiben kann. Ein desillusionierter trockener Alkoholiker, dessen Intelligenz unter der Sauferei nicht gelitten hat. Kein James Bond, aber ein Einzelkämpfer aus der ersten Reihe. Eine schräge Figur eben, die ganz wunderbar in die schräge Stadt Berlin passt. Christian von Ditfurth ist auf einem guten Weg mit diesem Hauptstadt-Hauptkommissar. Der Mann hat etwas Besonderes an sich, und das nicht nur, weil er stets den dritten Aufguss von grünem Tee trinkt. Eugen de Bodt kann ruhig noch länger beim Landeskriminalamt bleiben.

„Zwei Sekunden“ von Christian von Ditfurth, Carl’s Books, 458 Seiten, 14,99 Euro.

Vielseitiger Schriftsteller

Christian von Ditfurth wurde 1953 in Würzburg geboren. Er ist studierter Historiker und lebt als freier Autor und Lektor in Berlin. Vor seinem Umzug in die Hauptstadt lebte er lange in der Nähe von Ahrensbök. Von 1973 bis 1983 war er Mitglied der DKP und wurde zeitweise an der Außenstelle des Franz-Mehring-Instituts in Berlin-Biesdorf in der DDR geschult. Im Januar 1998 trat er der SPD bei, der er nur zwei Jahre angehörte. Als Journalist publizierte Ditfurth unter anderem Artikel im „Spiegel“. Nach der Veröffentlichung einer Reihe von Sachbüchern tritt er seit 1999 auch als Autor von Kriminal- und Alternativweltromanen in Erscheinung.

Jürgen Feldhoff

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