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Kultur im Norden Michel Schroeder erhält Jazz Award
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19:19 08.09.2018
Michel Schroeder hat mit sieben Jahren begonnen, Trompete zu spielen. Mit seinem Quintett spielte er gestern beim Travejazz-Festival. Quelle: FOTO: HELLWAGE
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Lübeck

Björn Engholm, altgedienter Jazz-Enthusiast und Moderator der Preisverleihung, kam aus dem Loben gar nicht mehr heraus. Dem Travejazz-Festival sei es zu verdanken, dass der Jazz zurück auf dem Weg in die Mitte der Hansestadt sei. Und Preisträger Michael, genannt Michel, Schroeder lobte er für seine innovativen Experimente, Jazz mit Harfe und Trompete etwa. Dann wurden im ehrwürdigen Schuppen 6 an der Untertrave die Preise verliehen. Zunächst eine Urkunde, dann eine signierte Originallithografie von Armin Mueller-Stahl und zuletzt das für den Studenten Schroeder wohl wichtigste, die Dotation von 1500 Euro. Auf der Freilichtbühne vor dem Schuppen bewies Michel Schroeder dann mit seinem Quintett, dass er den Preis zurecht erhalten hat: Swingende Klänge, wunderbare Soli und einfühlsames Zusammenspiel prägten den Auftritt des Ensembles.

Dass er einmal Trompeter werden würde, stand für Michel Schroeder schon früh fest, obwohl die Eltern – Vater Kardiologe, Mutter Buchhändlerin – keine Profimusiker sind. „Mein Vater hat früher als Amateur Trompete in einer Bigband gespielt und mich als kleinen Jungen ein paar Mal zu Konzerten mitgenommen. Trompete und Jazz fand ich schon damals cool.“ Mit sieben Jahren begann er an der Lübecker Musikschule mit dem Unterricht, drei Jahre später lernte er auch Klavier. „Ich hatte eigentlich schon immer den Wunsch, Musik zu studieren, und dazu muss man natürlich Klavier spielen können.“ Inzwischen ist er auch ein Profi auf dem Flügelhorn. Klingt nach einem sehr zielstrebigen, ehrgeizigen Jungen. Das kann er nicht abstreiten. „Ich würde mich schon als ehrgeizig beschreiben.“

Liest man seinen musikalischen Werdegang, reihen sich Wettbewerbe, Preise, Erfolge aneinander: Platzierungen bei „Jugend musiziert“ auf Landesebene, Aufnahme ins Landesjugendorchester Schleswig-Holstein, Bundeswettbewerb „Jazz it up“, Teilnahme beim Elbjazz Festival Hamburg, Gründung der „Big Frash Band“, 1. Platz beim Bundeswettbewerb „Jazz it up“ mit selbstgegründeter Bigband und Gewinn des Skoda Jazz Solistenpreises. Dass er seinen Traum vom Musikstudium nach dem Abi 2014 an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg erfüllen konnte, war fast folgerichtig. Im Oktober beginnt er den Masterstudiengang „Jazzkomposition“ in Hamburg.

Schon während des Studiums begann Michel Schroeder, für verschiedene Ensembles und Besetzungen zu komponieren. „Er ist bereits durch sehr individuell geprägte Kompositionen aufgefallen, insbesondere für sein hervorragend besetztes Quintett. Ebenso hat er einige geniale Arrangements mit der Bigband der Musikhochschule eingespielt“, lobt die Jury den Gewinner des Jazzpreises. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht sagt Peter Ortmann vom Lübecker Jazzpool, der den Preis in diesem Jahr zum dritten Mal vergibt. Michel Schroeder wurde als Talent früh entdeckt und habe das breite Spektrum der musikalischen Bildung und des Spielens in der Hansestadt wahrgenommen.

Was fasziniert einen jungen Mann am Jazz? „Es ist der improvisatorische Aspekt. Es gibt zum großen Teil keine ausnotierte Musik, das meiste entsteht im Moment.“ Ihm gefällt die persönliche, fast intime Atmosphäre, die beim Zusammenspiel entstehe, die Spontaneität beim Musizieren.

Wie das gelingt, davon konnten sich die Besucher am Sonnabend beim Preisträgerkonzert mit dem Michel Schroeder Quintett überzeugen, für das er die Songs schreibt, komponiert und arrangiert. Die fünf gefragten jungen Musiker (neben Michel Schroeder Lasse Golz/Tenorsax, Béla Meinberg/ Klavier, Tom Richter/Bass und Leon Saleh/Schlagzeug) begeisterten die Zuhörer.

Für Michel Schroeder bedeutet der Preis eine große Ehre und Wertschätzung. Und wie geht es weiter nach dem Studium? „Ich finde es eine schöne Vorstellung, wenn ich als freischaffender Musiker in eigenen und anderen Projekten mitwirken und als professioneller Arrangeur arbeiten kann. Ein Traum von ihm: Einmal den New Yorker Kult-Jazzklub „The Village Vanguard“ besuchen. Und wer weiß – vielleicht dort mal selbst zu spielen.

P. Haase und J. Feldhoff

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