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Migration – großes Thema der Dokumentationsfilme

Dokumentarfilme bei den Nordischen Filmtagen Migration – großes Thema der Dokumentationsfilme

Die Kamera wackelt. Zwei dunkelhäutige Männer krabbeln aus ihrem Schlafplatz unter riesigen Kakteen hervor und klettern auf einen Berg. Sie blicken auf die spanische Enklave Melilla, abgeschirmt durch einen riesigen Sicherheitszaun...

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Leben auf dem Berg Gurugu in „Les Sauteurs“.

Quelle: Final Cut for Real

Auf dem Berg Gurugu in Marokko hausen Tausende Menschen unter schlimmsten Bedingungen, Abou Bakar Sidibé ist einer von ihnen. Er ist vor 15 Monaten von Mali nach Marokko geflohen, um dort den Zaun zu überwinden. Die Filmemacher Moritz Siebert und Estephan Wagner wollten diese Zerreißprobe zwischen Hoffen und Verzweiflung dokumentieren und gaben dafür Sidibé eine Kamera. Schnell wurde er selbst auch zum Regisseur und Hauptdarsteller, und so ist man mittendrin im Leben dieser jungen Männer – angefangen vom Schlafen, Waschen, der täglichen Langeweile bis zu Fluchtversuchen über den Zaun und Brandschatzungen der marokkanischen Polizei. „Bei der Konzeption ihres Films über Flüchtlinge war entscheidend, dass der Film vorbehaltlos die Perspektive der Protagonisten einnimmt und nicht über sie berichtet“, erklärt Festivalchefin Linde Fröhlich. Selten war ein Dokumentarfilm so persönlich wie „Les sauteurs“, selten bekommen die Nachrichten über Flüchtlinge so konkrete Gesichter. In Lübeck berichten die drei Filmemacher über die Entstehungsgeschichte ihrer außergewöhnlichen Zusammenarbeit.

Den gleichen Ansatz verfolgt George Kurian in seinem Film „Die Überfahrt“. Der indische Dokumentarfilmer begegnete in Ägypten einer Gruppe Syrer auf der Flucht nach Europa. Die Schmuggler erlaubten nicht, dass der Journalist mit aufs Boot kam, und so filmten die Flüchtlinge ihre Überfahrt in einem alten, überfüllten Boot nach Italien selbst. „Alle Menschen in diesem Film hatten eine erfolgreiche Karriere in Syrien. Sie mussten flüchten, weil sie nicht schweigen konnten über die Missbräuche, die in ihrem Land geschahen.

Nabil folgte seinem Gewissen und desertierte aus der Armee, weil er wusste, dass er sonst unschuldige Menschen hätte töten müssen“, sagt George Kurian. „Ich konnte einfach ein Flugzeug nehmen und über das Mittelmeer fliegen, nur weil es mir legal erlaubt war. Im Gegensatz zur Gruppe, die da irgendwo auf dem Mittelmeer in Gefahr war. Konfrontiert zu sein mit der Überflüssigkeit dieses Leids, der Angst und der Verzweiflung dieser Menschen – das war für mich am härtesten.“ Nach der Ankunft begleitete Kurian die Gruppe verdeckt in mehrere Auffanglager und dokumentierte, was emotional und psychisch in den Menschen vorgeht, wenn sie Asyl beantragen. „Sie verlieren alle Sicherheiten, die sie früher hatten, einschließlich ihrer Identität und ihres Selbstwertgefühls.“

Das Thema Migration wird in den Dokumentarfilmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Der Film „Alles gut“ begleitet Flüchtlingskinder und ihre Betreuer ein Jahr lang. Welche Schrecken sich hinter dem Begriff „sicheres Herkunftsland“ verbergen, zeigt „Deportations Class“.

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