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Kultur im Norden Minimalismus mit Thom Yorke in der Elbphilharmonie
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14:37 11.04.2019
Thom Yorke von Radiohead (hier bei einem Konzert in Paris). Quelle: imago
Hamburg

Zwei Flügel, ein paar elektrische Gitarren – schon die Bühne übte sich in Schlichtheit. Ähnlich wie die Musik an diesem Abend, der mit „Minimalist Dream House“ überschrieben war. An den Flügeln: Katia und Marielle Labèque. An den Gitarren: Bryce Dessner von der US-Rockband The National und David Chalmin. Und als besonderer Gast: Thom Yorke von Radiohead.

„Minimalist Dream House“ heißt auch ein Album der Schwestern von 2013, angelehnt an eine Konzertreihe Anfang der 60er Jahre im Loft von Yoko Ono. Es war eine Wanderung durch die Moderne, von Philipp Glass bis Brian Eno, von John Cage bis zum No-Wave von Suicide. Es zeigte die Offenheit der klassischen Musikerinnen aus dem französischen Baskenland und ihre Neugier darauf, was sich jenseits der breiten Pfade wohl finden ließe. Von dem Album gab es nichts im Großen Saal der Elbphilharmonie, von der Gesinnung aber mit Stücken von Max Richter, David Lang oder Caroline Shaw sehr wohl.

Zweitklassiger Stockhausen

Minimal Music nannte sich, was in den Sechzigerjahren von Komponisten wie Philipp Glass, La Monte Young oder Terry Riley auf den Weg gebracht wurde. Es war ein Kontrapunkt gegen die Neue Musik, die in jener Zeit Erfolge feierte. Nicht dass sie sie abgelehnt hätten, im Gegenteil. Aber sie wollten etwas Neues schaffen, etwas Eigenes. „Warum sollte man ein zweitklassiger Stockhausen werden, wenn man ein erstklassiger Steve Reich werden konnte“, hat Reich das einmal beschrieben.

Das Ergebnis war eine Rückkehr zur Einfachheit, zu reduzierten, wieder und wieder gespielten Tonreihen, wie sie Erik Satie schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts komponiert hatte. Es war eine Entdeckung des Beharrens. Aber es ging nicht um reine Wiederholung, sagte Steve Reich. Das allein sei ja langweilig. „Man muss etwas nehmen und es variieren.“

Konzert als Andacht

So schichteten sich in der Elbphilharmonie die Reihen übereinander. Aus einfachsten Motiven entwickelten sich klangvolle Gebilde, ein Fließen und Perlen, präzise Kaskaden, die zu ihrem eigenen Echo wurden, aber auch wieder nicht und dann oft ebenso präzise plötzlich abbrachen. Dazwischen gab es ruhige Passagen, die das Konzert zu einer Andacht machten. Und, nach der Pause, gab es Thom Yorke.

Der Kopf von Radiohead und eine der großen Glaubwürdigkeiten der gegenwärtigen Rockmusik hat für die Labèque-Schwestern das Pianostück „Don’t Fear The Light“ geschrieben, seine erste klassische Komposition. Außerdem brachte er zwei neue Songs mit, „Gawpers“ sowie „Suspirium“ aus seiner Musik für den neu verfilmten Horrorklassiker „Suspiria“. Eine gespensterhafte Sitzung in rotem Licht wurde daraus, eine Blutmondscheinsonate, und der Meister fuhr mit der Rechten durch die Luft, als würde er ein geheimes Orchester dirigieren. Dann war ein großartiges Konzert nach recht kurzer Zeit plötzlich vorbei.

Peter Intelmann

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