Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
„Mir geht’s ganz gut“

Lübeck „Mir geht’s ganz gut“

Liedermacher Klaus Hoffmann präsentiert ein neues Album und kommt im Dezember nach Lübeck.

Voriger Artikel
Junge Festival-Blogger sind hautnah dabei
Nächster Artikel
Crisis Cuisine: Küche am Krähenteich

65 und ein bisschen leise: Klaus Hoffmann erinnert sich in seinem neuen Album an „leise Zeichen“ aus Kindheit und Jugend.

Quelle: Malene

Lübeck. „Leise Zeichen“ heißt Ihr neues Album. Wer gibt da wem Zeichen, und was für welche?

Klaus Hoffmann: Ja, das ist ein komischer Titel. Es geht darum, was wir im Laufe des Lebens alles so nebenher mitbekommen, aber nicht darüber nachdenken. Symbole, Begegnungen, die uns passieren und uns prägen, auch wenn es uns gar nicht bewusst ist. Das können Gerüche aus der Kindheit sein, Farben, Töne, die plötzlich wieder auftauchen. Oder gemeinsame Zeichen mit den Kinderfreunden.

Was war ein Geruch aus Ihrer Kindheit, der sie begleitet?

Hoffmann: Alles, was mit Essen zu tun hatte. Ich hatte immer Hunger. Wir sind von Westberlin zur Oma gefahren nach Kaulsdorf im Osten, und da wurde gegessen. Wichtige Gerüche waren auch Bohnerwachs, Linoleum. Und das Parfüm meiner Mutter.

Was für eins?

Hoffmann: Das war eine blaue Flasche, irgendwas mit Veilchen. Unten im Haus gab es eine kleine Parfümerie, und da bin ich immer hingegangen, weil man Rabattmarken bekam. Weitere Gerüche:

Eierlikörreste in Gläsern nach Geburtstagen.

Sie singen auch von den wilden Sechzigerjahren. Was waren das für Gerüche?

Hoffmann: Alkohol. Gekifft wurde überall. Der Dampf auf den Straßen im Sommer in Berlin.

Sie singen über Sylt, dass es immer regnet. Was verbindet Sie mit Sylt?

Hoffmann: Da habe ich meine Jungfernschaft verloren.

Das Mädchen in den Dünen, von dem Sie singen?

Hoffmann: Ja, es war in den Dünen. Aber völlig, völlig unromantisch.

Was haben Sie sonst so auf Sylt gemacht?

Hoffmann: Ich bin mit der Gitarre los mit einem anderen Typ, der sang viel besser als ich. Da sind wir bei den Reichen schnorren gegangen. Ich mag den Norden, dort ist alles viel klarer.

Hamburg war meine Aufbruchsstadt. Am Thalia-Theater habe ich ja sehr viel gespielt.

Sie haben Ihre Karriere als Schauspieler gestartet, mit großen Erfolgen. Warum haben Sie sich dann doch für das Singen entschieden?

Hoffmann: Die Lieder haben mir die Möglichkeit geboten, Dinge zu erzählen, die mir wichtig waren. Die Knef hat mir das so ein bisschen vorgemacht. Ich hab sie sehr gemocht.

Die Knef Sie auch?

Hoffmann: Ja. Kurz vor ihrem Tod war sie bei uns zu Hause, da habe ich ihr ihre Lieder auf der Gitarre vorgespielt, das fand sie aber nicht so gut. Sänger sind schon komisch.

Sie beziehen in Ihrem Album in vielen Liedern Haltung, ganz konkret zur Flüchtlingsthematik.

Hoffmann: Mir ging es um das Fremde. Wenn du so am Ende bist, was passiert da? Dieser Begriff Menschlichkeit ist ja so ausgefranst, den mag man in den Liedern schon gar nicht mehr benutzen.

Ich kannte die Situation in mir selber, ich war ja viel gereist, war einer, der auf der Flucht war, vor Berlin, vor meinem Elternhaus, wollte raus, reich werden, eine Frau finden. Dieses Unstete ist mir vertraut.

Das Lied „Hoffnung“ handelt von einem Jungen, der in Afrika als sogenanntes Hexenkind sich selbst überlassen war und dann von einer Dänin gerettet wurde. Woher nehmen Sie Hoffnung in diesen Zeiten?

Hoffmann: Schon allein dieses Schicksal ist Hoffnung und Mahnung. Ich selbst beziehe Hoffnung aus mir selbst. Aus meiner Erziehung, aus meinen Niederlagen, aus meinen Reisen, meinen Lieben, meinen Verlusten. Ich glaube, dass der Lebensweg eine Summe von Verlusten ist.

Das klingt ziemlich deprimierend.

Hoffmann: Nein, keine Sorge, mir geht’s ganz gut. Eine gewisse Gelassenheit ist das einzige Gute beim Älterwerden.

Interview: Petra Haase

Konzert in Lübeck

In diesem Jahr feierte Klaus Hoffmann seinen 65. Geburtstag und sein 40. Bühnenjubiläum. Die erste Gitarre bekam er mit 15, in den 60er-Jahren hatte er die ersten Auftritte in Berliner Clubs. Er wurde Schauspielschüler am Max-Reinhardt-Seminar und hatte seinen Durchbruch mit der TV-Adaption von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“, dafür erhielt er die Goldene Kamera und den Bambi. Hoffmann spielte an der Freien Volksbühne und am Hamburger Thalia-Theater. Seit den 1980er Jahren konzentriert er sich auf seine Lieder, hat bis heute an die 50 Platten produziert und schreibt auch Romane.

Am 14. Dezember kann man den Sänger in Lübeck in der Musik- und Kongresshalle live erleben (Tickets unter Telefon 0451 7904 400).

„Leise Zeichen“

16 Lieder und Chansons hat Klaus Hoffmann für seine neue CD „Leise Lieder“ geschrieben und komponiert, darunter viele Teil Erinnerungen an Lebensstationen, auch Gedanken zur allgemeinen Gemütslage der Nation. Es ist ein Erinnern („70er Jahre, lange Haare, Wickelrock und Tupperware“) und ein Aufbruch („Für mich allein wird dieser Tag der beste sein“) im bekannten Hoffmann-Stil, mal leichtfüßig zum Mitsummen und Füßewippen, andere Lieder sind nachdenklicher, ein Changieren zwischen Liedermachertradition, französischem Chanson und Pop.

Musikalisch begleitet wurde Klaus Hoffmann bei der Aufnahme von seiner Liveband, als Gäste spielten die Münchner Philharmoniker und Till Brönner am Flügelhorn (Label stille-music).

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden