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Missglückte Experimente mit Händel

Wotersen Missglückte Experimente mit Händel

Ragna Schirmer und ihre Band spielten in der Reithalle von Schloss Wotersen.

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Ragna Schirmer an der Hammondorgel mit dem nicht immer sicher spielenden Posaunisten Geoffroy de Masure.

Quelle: Axel Nickolaus

Wotersen. Im Zuge immer größerer Popularisierung wurde mit dem Überschreiten der Grenzen zwischen Klassik und Populärmusik eine Marktlücke ge- und erschlossen. Und so wird nun auch das SHMF seit einigen Sommern in dieses publikumswirksame Angebot einbezogen. Hier mag vielleicht eine Diskussion über Sinn und Zweck von klassischer Musik heute angeregt werden. Wobei auch zu fragen wäre, ob das Angebot sich nach dem Informationsstand eines breiten Publikums zu richten hat oder ob nicht vielleicht Geschmack, Kenntnis und Urteilsvermögen nach objektiveren Kriterien zu entwickeln wären.

Beim Auftritt der Pianistin Ragna Schirmer und ihrer Band mit dem Programm „Händel on Hammond“ in der Reithalle Wotersen erhob sich dann doch am Ende die Frage, ob mit modisch-unseligem „Crossover“

dem Barockkomponisten Händel auch nur irgendein Dienst erwiesen worden war. Dabei gerieten die beiden Solo-Auftritte von Ragna Schirmer noch zum seriöseren Teil des Abends, wenn auch die etwas schlampige Beherztheit und auf Virtuosität getrimmte Oberflächlichkeit beide Werke zu beliebig geraten ließen. Doch warum überhaupt sollen diese Cembalo-Werke auf dem modernen Steinway exekutiert werden? Da erschien die Kombination der Hammond-Orgel mit vier Streichern und einem Jazz-Bläsersatz mit Schlagzeug, Bass und Keyboard in nicht durchweg überzeugenden Arrangements von Stefan Malzew reizvoll. Und rückte den Abend in die Nähe eines „Play Händel“-Konzerts, das mit Sehnsucht an Jacques Loussier denken ließ.

Und je mehr sich die wackeren Jazzmusiker Gerard Presencer (Trompete, Flügelhorn), Peter Weniger (Saxofon), Geoffroy de Masure (Posaune), Winfried Holzenkamp (Bass), Matthias Daneck (Drums, Percussion) und Wolfgang Köhler (Piano, Keyboards) vom strengen Korsett der Händel-Vorlagen entfernten, umso befreiter gerieten ihre Improvisationen. Kaum zu hören waren die Streicher (Emma Yoon, Maria Meures, Inara Waiß, Violinen, Rachel Meredith, Violoncello). Das zahlreiche Publikum reagierte dennoch enthusiastisch. Dieter Kroll

LN

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