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Mit Büchern statt Waffen für die Werte Europas

Gelsenkirchen Mit Büchern statt Waffen für die Werte Europas

. Das experimentelle Theater- und Musikfestival Ruhrtriennale wird dieses Jahr politisch.

Gelsenkirchen. . Das experimentelle Theater- und Musikfestival Ruhrtriennale wird dieses Jahr politisch. „Wir können das Nachdenken über unsere Gesellschaft nicht nur den Politikern überlassen“, sagte Intendant Johan Simons (69) in einem Interview. „Die ganze Welt wird politischer. Man kann jetzt kein Festival machen, ohne dass man Politik einbezieht.“ Angesichts von islamistischen Terror-Anschlägen, Brexit und Flüchtlingsbewegungen will Simons mit seinem Programm auch die europäischen Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf den Prüfstand stellen.

 

LN-Bild

Intendant Johan Simons (69).

Simons, einer der profiliertesten Theatermacher Europas, der von 2015 bis 2017 die Ruhrtriennale leitet: „Wenn wir uns einig sind, dass Freiheit wichtig ist, dann muss Europa überdenken, was Freiheit heute bedeutet. Wir müssen nicht die Ökonomie, sondern die europäischen Werte in den Mittelpunkt stellen. Wie weit verteidige ich meine Freiheit? Hoffentlich wird diese Frage nie konkret. Solange wir imstande sind, diese drei Begriffe zu leben, so lange ich noch das Gefühl habe, dass ich in Europa sagen kann, was ich möchte, und solange Staat und Religion getrennt sind, bleibe ich ein Europäer.

Unsere Werte werde ich eher mit Büchern als mit Waffen verteidigen.“

Die Ruhrtriennale wird am 12. August in der Jahrhunderthalle Bochum mit Willibald Glucks Oper „Alceste“ eröffnet. Simons führt selbst Regie wie auch bei der Uraufführung der Musiktheaterkreation „Die Fremden“ am 2. September. Das Stück basiert auf dem Roman „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud. Das Buch ist die Antwort auf Albert Camus' Existenzialisten-Roman „Der Fremde“.

Neu und spektakulär ist die Spielstätte: die gigantische Kohlenmischhalle der im Dezember 2015 stillgelegten Zeche Auguste Victoria in Marl. Simons zur Auswahl des Schauplatzes: „Für mich ist das Ruhrgebiet auch immer verbunden mit der industriellen Revolution, mit sehr harter Arbeit und zwei Weltkriegen. Hierhin sind auch viele Nationalitäten gekommen und haben friedlich miteinander gelebt.“ Bis zum 24. September bringt die Ruhrtriennale mehr als 30 Produktionen an zahlreichen Orten des Ruhrgebiets heraus – darunter sind 20 Uraufführungen.

Die sechswöchige Ruhrtriennale wurde im Jahr 2002 gegründet. Ehemalige Kohlezechen, Halden und Stahlwerke im Ruhrgebiet werden Aufführungsorte für Musik, Kunst, Theater und Tanz. Alle drei Jahre wechselt die künstlerische Leitung. Intendanten waren Gerard Mortier, Jürgen Flimm, Willy Decker und Heiner Goebbels.

LN

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