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Mit Daniel Hope durch Lübecks Altstadt

NACHGEFRAGT Mit Daniel Hope durch Lübecks Altstadt

Elf Konzerte an drei Tagen: Der Geigen-Star und seine Musiker-Freunde servierten „Familiestücke“.

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Kunst aus dem DDR-Palast

Auf Augenhöhe mit dem jungen Publikum: Daniel Hope beim Familienkonzert in Schuppen sechs.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Sonnabend, 19 Uhr, St. Annen-Museum: Der Titel „Paradise“ klingt so, als könnte man sich ein wenig ausruhen. Dass Daniel Hope zum „Paradies“-Part seiner Familienstücke Harfenistin Jane Berthe mitgebracht hatte, nährte eine solche Erwartung. Stücke von Debussy, Schulhoff oder Hanns Eisler standen auf dem Programm – wohl abgestimmt mit den Texten, die der Schauspieler Sebastian Koch vortrug. Diese jedoch hatten nichts Heimeliges. Vom Koran und der Bibel über Annette von Droste Hülshoff, Goethe, Aischylos, Nietzsche spannte er den Bogen bis hin zu Elfriede Jelinnek oder Stefan Zweig. Sebastian Koch ist ein Wort-Magier, dem das Publikum gebannt folgt, auch wenn der Weg nicht ins Paradies führt, sondern zu Vertreibung oder Vereinsamung. Oder wenn von einem zum Tode Verurteilten erzählt wird wie in Zweigs „Heroischer Augenblick“. Zwar wird Dostojewski begnadigt, aber: „Leiden wird Lust, und Glück wird zur Qual für den, der im Tode das Leben erlebt“. Eine Sternstunde beim Lübeck-Musikfest.

 

LN-Bild

Schauspieler Sebastian Koch (55) lebt in Berlin.

Quelle:

Sonnabend, 21 Uhr, Katharinenkirche: Das letzte Konzert an diesem Tag war der Mandoline gewidmet. Von Bach zu Bluegrass, einer in den 1940er Jahren entstandenen Unterart der Country-Musik, spannte sich der Bogen mit zwei großartigen Vertretern beider Richtungen: der klassisch versierten Caterina Lichtenberg und Mike Marshall, ein Meister des Bluegrass und Jazz. Sie spielten solo und gemeinsam – ein Traumpaar an Mandoline und Mandolincello und auch im wahren Leben ein Paar. Aber natürlich durfte der Tag nicht ohne Daniel Hope enden: Er tauchte am Ende auf, die drei Musiker spielten gemeinsam.

Sonntag, 11 Uhr, Schuppen 6: Ein Konzert-Knigge für Kinder? Beim Familienkonzert „Mister Hope, wann darf ich klatschen?“

im alten Hafenschuppen 6 ging es nur ganz am Rande um Benimmregeln. Vielmehr bereiteten Geigen-Virtuose Hope (in Turnschuhen) und Pianist Sebastian Knauer dem Publikum eine höchst vergnügliche Morgenstunde. Erst einmal mussten die Kinder im Saal ordentlich Krach machen. Mit der Geschichte von dem Stier Ferdinand, der viel lieber unter einer Eiche auf einer Wiese liegt und den Duft der Blumen schnuppert anstatt zu kämpfen, wurde dann deutlich, was Musik auszudrücken vermag. Außerdem gab es Anekdoten, zum Beispiel die von dem Flügel, der nicht festgeschraubt war, sich beim Konzert in Richtung Celli bewegte und den Pianisten Knauer dazu bewegte, im Stehen weiterzuspielen. Zwischendrin spielten Hope und Knauer Werke unter anderem von Edvard Grieg, Beethoven („Für Elise“) und George Gershwin. Am Ende durften die Kinder mit auf die Bühne, klatschen – und sich mit Hope und Knauer verneigen.

Sonntag, 14 Uhr, Gemeinnützige: Heiß und schwül war es inzwischen, eine lange Menschenreihe wartete in der Königsstraße auf Einlass. Im Saal war die Luft nicht besser, der Schweiß

tropfte auf die teuren Instrumente, als Daniel Hope und Sebastian Knauer César Francks Sonate für Violine und Klavier zu einem Erlebnis werden ließen. Anschließend spielte Hope mit Top-Musikern aus den USA Ernest Chaussons Konzert D-Dur für Klavier, Violine und Streichquartett so virtuos und innig verbunden, dass der Applaus nicht enden wollte – doch das nächste Konzert wartete.

Sonntag, 17 Uhr, Aegidienkirche. Viele Besucher waren mit Daniel Hope und dem SHMF-Team zur Kirche gewandert. Mit der attraktiven Katerina Chroboková, von Hope charmant angekündigt, erlebten sie eine Neudefinition von Orgelmusik. Ganz harmlos fing die Tschechin an mit Bach, spielte zusammen mit Hope „Fratres“ von Avo Pärt – und verzauberte dann mit eigenen Kompositionen und Gesang, mal engelsgleich, mal diabolisch, das Publikum. Einige verschreckte sie allerdings auch, die vor allem wegen Hope gekommen waren.

Sonntag, 19 Uhr, evangelisch-reformierte Kirche: Die Karawane zog weiter zum letzten der elf Konzerte des Wochenendes und erlebte noch mal ein kleines Wunder: Mit Franz Schuberts Streichquintett C-Dur („Eines der wichtigsten und schönsten Stücke der Kammermusik“) setzte Hope zusammen mit Musikerkollegen aus den USA und Deutschland zum Abschluss des Konzert-Marathons noch einmal ein Glanzlicht. Beseelt entließ die Fangemeinde den Meister. liz,ph

„Und jetzt ein kaltes Bier“

Sonntagabend, das letzte von elf Konzerten ist vorbei – mit welchem Gefühl denken Sie an die vergangenen drei Tage?

Also, es war ein Geschenk und eine große Ehre, mit meinen Freunden hier zusammen zu sein, und dass die ganze Welt nach Lübeck gekommen ist. Es hat mich besonders gefreut, meine Freunde aus Amerika hier zu haben, zum Beispiel Marcus Roberts und Mike Marshall, das hat noch mal eine besondere Brücke gebaut. Eine Freude war auch Sebastian Koch. So viele Leute, mit denen ich schon lange einmal zusammen arbeiten wollte.

Gibt es nächstes Jahr wieder ein Familientreffen?

Ich hoffe doch! An mir soll es nicht liegen.

Wie viele Hemden haben Sie verbraucht an den vergangenen drei Tagen?

Oh, ich glaube, neun bestimmt.

Sie sind von Spielort zu Spielort geeilt und spielen mit vollem Körpereinsatz. Wie viele Kilo haben Sie abgenommen?

Ich glaube, einige. Und das tut auch gut.

Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?

Auf ein kaltes Bier! Wir fahren jetzt nach Timmendorfer Strand, um den Sonnenuntergang zu sehen. Morgen geht es mit meiner Familie zurück nach Berlin. Interview: ph

LN

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