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Mit Haydn in den Musik-Sommer

Lübeck Mit Haydn in den Musik-Sommer

Viel Applaus für das Eröffnungskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Zum Auftakt erklang Joseph Haydns Sinfonie G-Dur „Oxford“. Und die Musiker boten "Haydn pur": Mit modernen Instrumenten, aber historischer Aufführungspraxis.

Christian Kuhnt (l.) und Ministerpräsident Torsten Albig mit dem Jubiläumsplakat des Festivals.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn (2)

Lübeck. Die Rotunde der Musik- und Kongresshalle bleibt die Rotunde, auch wenn man alles dafür tut, sie akustisch und optisch zu optimieren. Wer das Eröffnungskonzert des Festivals aus den vorderen Reihen des Parketts oder von der Galerie aus verfolgte, konnte mit den akustischen Gegebenheiten durchaus zufrieden sein. Hinten im Parkett aber wurde der Klang dünner und dünner, hier wurde dann deutlich, dass die Rotunde kein Konzertsaal ist. Schade für die, die hinten saßen: Ihnen entgingen viele der Feinheiten, die das NDR Elbphilharmonieorchester und sein Chefdirigent Thomas Hengelbrock zu bieten hatten.

LN-Bild

Viel Applaus für das Eröffnungskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

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„Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat in einer sich wandelnden Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, auch Menschen für die Reize klassischer Musik empfänglich zu machen, für die diese Welt bislang verschlossen war.“

SHMF-Intendant Christian Kuhnt

Zum Auftakt erklang Joseph Haydns Sinfonie G-Dur „Oxford“. Schon nach wenigen Takten wurde deutlich, wie sehr sich das NDR-Orchester mit den Ansichten seines Chefdirigenten über historisch informierte Aufführungspraxis identifiziert. Zwar spielten fast alle Musiker auf modernen Instrumenten, der Klang des Orchesters aber war schlank und transparent. Haydn ohne die sonst darübergelegte Schicht romantischer Klangkultur war zu erleben, sozusagen Haydn pur.

Und entgegen aller Vorurteile über den verstaubten „Papa Haydn“ wurde von Hengelbrock und seinem Orchester aufgezeigt, mit welcher Meisterschaft, mit wie viel Raffinesse und Humor Haydn diese Sinfonie aufgebaut hat. Immer wieder schichtet der Komponist Klangwolken auf, die sich dann aber nicht in einem Gewitter entladen, sondern sich von einem Takt zum anderen in ein laues Lüftchen verwandeln. Mit seinem glücklichen Händchen für Tempi zeigte Hengelbrock diese musikalischen Scherze mit bewundernswerter Deutlichkeit auf. Selten hat man außerdem Naturhörner so präzise geblasen gehört wie in diesem Konzert – auch eine herausragende Leistung.

Die dramatische Szene „Berenice, che fai“ ist schon fast eine Miniatur-Oper. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt geht es in diesen noch nicht einmal 15 Minuten zu. Mit der Mezzosopranistin Marianne Crebassa sang eine aufstrebende junge Künstlerin, die über sensationelles Stimmmaterial verfügt. In der tiefen und der Mittellage sitzt ihre Stimme perfekt, nur in den hohen Passagen klang sie etwas gepresst – ganz fertig gebildet ist die Stimme der jungen Französin noch nicht. Dieses Manko aber machte sie mit Ausdruckskraft und Bühnenpräsenz mehr als nur wett, ihr Auftritt wurde vom Publikum bejubelt.

Nach der Pause dann Béla Bartóks „Konzert für Orchester“. In diesem modernen Klassiker aus dem Jahr 1943 klingt vieles an, was die Musik des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Strawinskys „Sacre du printemps“ hat hier ebenso Spuren hinterlassen wie Schönberg und Berg. Bartóks eigene musikalische Handschrift ist dennoch unverkennbar. Der virtuose Umgang mit Volksmusik-Motiven aus seiner ungarischen Heimat etwa. Hengelbrock arbeitete die Themenkomplexe vorbildlich heraus, der Orchesterapparat agierte dabei mit höchster Präzision. Von leise flehenden Passagen, in denen der Komponist über den Verlust seiner Heimat zu trauern scheint, bis zu einer derben Parodie auf eine Melodie von Franz Lehár, die Bartók von wildgewordenen Posaunen in den Boden treten lässt, all diese Facetten ließ Hengelbrock lustvoll ausmusizieren.

Es stellt sich die Frage, wie Haydn und Bartók zusammenpassen. Überraschend gut, stellte man am Ende fest. Beide Komponisten haben ihre Werke mit zahlreichen Anspielungen und Verweisen versehen – die wunderbare Wiedergabe durch das NDR-Orchester ließ das Publikum in Begeisterungsstürme ausbrechen. Da störte auch die Rotunde nicht mehr.

Zum Festival-Auftakt hatte es natürlich auch Reden gegeben. Ministerpräsident Torsten Albig fand aktuelle Bezüge: „Gerade in schwierigen Zeiten für die internationale Gemeinschaft, in Zeiten, die mehr Einigkeit und Stabilität erfordern, setzt das Schleswig-Holstein Musik Festival ein klares Zeichen“, sagte er. Musik kenne keine Grenzen und habe nur eine Sprache.

 Jürgen Feldhoff

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