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Mit „Kings of Floyd“ auf Zeitreise

Lübeck Mit „Kings of Floyd“ auf Zeitreise

Wir wissen, dass der Norddeutsche eher wortkarg ist und noch sparsamer mit Gefühlsäußerungen. Aber die „Kings of Floyd“ lockten die Besucher aus der Reserve: Nach zweieinhalb Stunden Konzert feierten 500 Besucher die Coverband und die Musik von Pink Floyd mit Standing Ovations.

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Von einem perfekten psychedelischen Lichtzauber begleitet, entführte „Kings of Floyd“ das Publikum zurück in die 1970er Jahre.

Quelle: Foto: Maxwitat

Lübeck. Bärbel Hoppe hielt es nicht bis zum Schluss auf ihrem Platz: Kaum stimmte die Band „Shine On You Crazy Diamond“ an, sprang die 54-Jährige auf, suchte sich im Gang einen Platz und tanzte in sich versunken. Immerhin gesellten sich vier weitere Tanzbegeisterte im Lauf des Konzerts zu ihr. Die Erzieherin war mit ihrem Mann Peter (57) samt einer Gruppe von Freunden aus Flensburg angereist. „Die Band kommt echt gut ans Original ran“, urteilten die Fans und Kenner, die auch schon bei einem Auftritt der „Australian Pink Floyd Show“ waren.

Die Musik von Pink Floyd war bei den meisten Konzertbesuchern unübersehbar Teil ihrer Jugend. Die britische Band, 1968 gegründet, schuf den unverwechselbaren Sound aus Rock und psychedelischen Klängen, kombiniert mit rebellischen und philosophischen Texten. Pink Floyd spielte sich in die Herzen und Köpfe der damaligen Jugendlichen – das aufbegehrende „We don’t need no education“ aus dem Album „The Wall“ (1979) wurde zum Kultsong. Der Hit „Wish you were here“, titelgebender Song des Albums von 1975, hat auch nach über vier Jahrzehnten nichts von seiner gefühlvollen Sehnsucht eingebüßt – die Coverband interpretierte diese Hits und weitere Stücke aus „The Wall“ und „ Dark Side of the Moon“ (1973) so perfekt, dass man sich der Illusion hingeben konnte, die „Echten“

stünden auf der Bühne. „Kings of Floyd“ wurde von 2011 von Maurus Fischer gegründet. Er ist Gitarrist der Band und im richtigen Leben HNO-Arzt in Mönchengladbach. Seine Frau Lucy Wende sorgt als Sängerin für den Background-Sound und mit ihrer gewaltigen, modulationsfähigen Stimme bei ihrem Solo für Gänsehaut. Die 65-jährige Niederländerin verrät: „Die Band ist Maurus’ Baby.“

Außer dem heute 58-Jährigen Bandleader sind alle übrigen Profi-Musiker aus dem In- und Ausland. „Kings of Floyd“ touren mit ihrer Technik-Crew mit einem Siebeneinhalb-Tonner, einem Sprinter mit Anhänger und einem weiteren Sprinter kreuz und quer durch die Republik, stemmen rund 100 Auftritte im Jahr. Die hochkarätigen Musiker ernten nicht nur in Lübeck Begeisterungsstürme. Sie kommen selbst in den neuen Bundesländern an, in denen Pink Floyd nicht ganz so bekannt war – in Halle gab es Standing Ovations.

Mark Gillespie, der fantastische Leadsänger und Gitarrist, kommt aus Manchester. Mit einer selbstironischen Sprechgesang-Einlage („Spielte in der Fußgänger-Suun in Flensbörg“) erntete er Lacher.

Der deutsche Musiker Jürgen Magdziak am Keyboard spielte unter anderem bei Klaus Doldinger. Hans Maahn, Vollblutmusiker am Bass, war einst Leader der „Gianna Nannini Band“. Der Niederländer Berni Bovens thront wie ein Fels in der Brandung hinter seinem Schlagzeug, das er virtuos bedient. Saxophonist Bernd Winterschladen bringt den Jazz ins Spiel. Die musikalische Reise zurück in die 1970er Jahre wurde von einer perfekten psychedelischen Licht-, Laser- und Videoshow begleitet. Dorothea Kurz-Kohnert

LN

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