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Kultur im Norden Mit „Linie 1“ rund um die Welt
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20:38 12.06.2017
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Berlin

. Zuletzt machte seine „Linie 1“ Station in Athen. Nächster Halt für Volker Ludwigs Musical wird Peking sein. Und am Berliner Grips-Theater steht das Stück über Abenteuer in einer U-Bahn-Linie natürlich auch immer auf dem Programm. „Wir spielen die Urfassung von 1986 mit Mauer und D-Mark“, sagt Grips-Gründer Ludwig, der heute seinen 80. Geburtstag feiert. Die „Linie 1“ sei quasi die Lebensversicherung der berühmten, aber finanziell immer knapp wirtschaftenden Kinder- und Jugendbühne.

Der am 13. Juni 1937 in Ludwigshafen am Rhein als Eckart Hachfeld geborene Ludwig hat die Bühnenkunst für Kinder und Jugendliche in Deutschland revolutioniert. Er war Pionier des modernen Kindertheaters, er verscheuchte die zuckrigen Märchen und holte die Realität auf die Bühne. Als „antiautoritäres Theater“ hatte das Grips Vorbildfunktion für ganze Schüler- und Lehrergenerationen. Hier bekamen Kinder Stücke gezeigt, die sich mit ihrem Alltag und ihren Sorgen beschäftigten.

Das ist bis heute so geblieben. Eine Grips-Produktion müsse immer den Nerv der Zeit treffen, sagt Ludwig. „Wir haben ein sehr mutiges Stück über die Terrormiliz Islamischer Staat im Programm. Es gibt Stücke über Cybermobbing, Obdachlosigkeit und die unterschiedlichen Möglichkeiten des Zusammenlebens“, so der Theatermacher. Und bis heute wird in Grips-Stücken oft gesungen.

Die musikalische Revue „Linie 1“ über eine junge Ausreißerin auf der Suche nach der großen Liebe soll Ludwig zeitweise zum meistgespielten Autor in Deutschland nach Shakespeare, Brecht und Molière gemacht haben. In Kalkutta, New York, Jerusalem, Dublin, Maputo und Hongkong wurde das Stück nachgespielt. „Den größten Erfolg hatte das Stück in Südkorea. In Seoul wurde die Adaption 4000 Mal gezeigt“, so Ludwig. „Auch in Namibia und im Jemen fuhr die ,Linie 1‘.“ Dort gab es statt einer U-Bahn ein Sammeltaxi.

Zu seinem 80. Geburtstag hat sich Ludwig entschlossen, die Leitung des Grips-Theaters in jüngere Hände zu legen. „Mit Philipp Harpain habe ich einen Nachfolger gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin“, erklärt Ludwig. Aber Ruhestand ist natürlich nichts für den Viel-Schreiber und Theatermanager, in dessen Grips noch heute der 68er-Gedanke von der Selbst- und Mitbestimmung gelebt wird.

„Naja, ich bin da, wenn man mich braucht. Aber nur, wenn man mich ruft. Ich komme nicht mehr von alleine“, sagt Ludwig. Er werde natürlich weiter schreiben. „Ich war ja immer nur der Schreiber, der das Theater gegründet hat, damit seine Stücke so auf die Bühne kommen, wie er es sich erträumt hat“, sagt er lachend.

Für die Kinder der Generation Smartphone hat das Theater einen besonderen Reiz. „Kinder fasziniert es, dass das dort auf der Bühne tatsächlich lebendige Menschen sind. ,Ey, die sind ja echt!‘, heißt es dann. Das funktioniert nach wie vor“, erzählt Ludwig. Aber längst spielt die Bühne nicht mehr nur für die Jüngsten, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene.

Seinen Geburtstag wird Ludwig am 17. Juni mit der Premiere einer Neubearbeitung seines 1980 uraufgeführten Erwachsenen-Stücks „Eine linke Geschichte“ feiern. Es handelt sich um einen ironischen Rückblick auf die West-Berliner Studentenbewegung, aus der sich auch das Grips-Theater entwickelt hat.

Elke Vogel

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