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Mit den Filmtagen in andere Welten

Lübeck Mit den Filmtagen in andere Welten

Forscher und Emigranten unterwegs, 360-Grad-Kino und eine Open-Air-Vorstellung im November: ein erster Ausblick auf die Nordischen Filmtage Lübeck 2016.

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Lübeck. Die positive Schwermut und der besondere Humor, der Filmen aus Skandinavien und dem baltischen Raum zu eigen ist, haben es Kultursenatorin Kathrin Weiher angetan. Im vergangenen Jahr hat sie zum ersten Mal die Nordischen Filmtage Lübeck besucht – und nur drei Filme sehen können, wie sie bedauernd erklärte: „Aber dieses Mal werde ich Urlaub nehmen“ – so wie viele, für die die ersten Tage im November nicht zu den trüben, sondern zu den schönsten Tagen des Jahres gehören. Weiher spricht von „Filmjunkies“ und betont: „Dieses Jahr werde ich selbst einer.“

LN-Bild

Forscher und Emigranten unterwegs, 360-Grad-Kino und eine Open-Air-Vorstellung im November: ein erster Ausblick auf die Nordischen Filmtage Lübeck 2016.

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Es werde wieder Filme geben, „die unter die Haut gehen“, kündigte Linde Fröhlich, künstlerische Leiterin des Festivals, an. Das genaue Programm steht allerdings noch nicht fest. 302 Filme hat Fröhlich bereits gesichtet, „100 muss ich noch gucken“. Mit der konkreten Gestaltung ihrer Kinotage müssen Besucher also noch ein paar Wochen warten. Denn erst im Oktober wird das komplette Filmprogramm vorgestellt. Gestern meldete sich das Leitungsteam aber schon mal zurück, um bei einer Pressekonferenz zu verkünden, was es sich für das diesjährige Festival ausgedacht hat, und um erste Filme vorzustellen.

Festival-Manager Christian Modersbach kündigte eine Premiere der besonderen Art an. Auf der Liegewiese am Krähenteich wird ein aufblasbares Kino aufgestellt, ein sogenanntes Fulldome. Mit Hilfe von vier Projektoren wird dort 360-Grad-Kino gezeigt. Zu sehen sein werden auf der halbrunden Decke Filme, die eigens für diese Art von Kino produziert worden sind, „über Rentiere, die nordischen Länder, die Ostsee und Motten“, wie Modersbach erklärte. 50 bis 60 Zuschauer haben pro Vorstellung Platz. Verantwortlicher Kurator ist Ralph Heinsohn, der Filme für Fulldome produziert. Das für Lübeck und Umgebung neue Kinoerlebnis sei nahe dran an Virtual Reality, sagt der Manager.

Bei der Finanzierung des Spektakels helfen die Stadtwerke Lübeck. Neben Stadt und Land sowie der EU geben auch in diesem Jahr wieder weitere Sponsoren und Unterstützer Geld. Auch aus dem Kartenverkauf fließt ein großer Batzen in den Etat, der in diesem Jahr 700000 Euro beträgt. Der Norddeutsche Rundfunk und die Lübecker Nachrichten sind wieder Medienpartner des Festivals.

Inhaltlich wird immer mal wieder etwas Neues geboten. So werden nun erstmals Fernsehserien zu sehen sein. Gezeigt werden jeweils die ersten Folgen von hierzulande noch unbekannten Produktionen. Zwei Serien stehen bereits fest. „Splitting Up Together“ kommt aus Dänemark, der Titel bedeutet gemeinsame Trennung. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das alles hat: zwei Kinder, ein schönes Haus, gute Jobs, nette Freunde. Nur sexuell läuft nichts mehr. Die zweite Serie kommt aus Norwegen. „Nobel“ dreht sich um einen Soldaten, der von einem Afghanistan-Einsatz zurückkehrt.

In fremde Welten führt in diesem Jahr die Retrospektive. 2015 war „Nordlandreisen“ das Thema, in diesem Jahr ist es umgekehrt: Es geht um Menschen aus dem Norden, die sich in die Welt begeben – als Forscher, als Emigranten oder aus romantischen Gründen, wie Jörg Schöning, Leiter der Retrospektive, sagte. Auch 2016 gibt es wieder einen Stummfilm, der von Studenten der Musikhochschule musikalisch untermalt wird: „Mit Sven Hedin durch Asiens Wüsten“ (Deutschland/ Schweden 1929).

Bei der Vorführung des Films „Windjammer“ über eine Atlantikreise mit dem Segelschulschiff Christian Radich (Regie: Louis de Rochemont, 1957/58) traut sich das Festival etwas: Er wird open air gezeigt, und zwar im Hof des Hanse-Museums. Ein trotz des Wetter-Risikos grandioser Ort, wie Schöning findet, weil man auf den Lübecker Hafen sehen kann, wenn auf der Leinwand die Häfen der Welt an einem vorbeiziehen.

Zu den Filmen, die unter die Haut gehen, dürfte auch eine Dokumentation aus Dänemark gehören. „Les Sauteurs – Those Who Jump“ heißt sie. Der Film ist in der spanischen Enklave Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste angesiedelt. Flüchtlinge leben hier, die immer wieder versuchen, den gut gesicherten Zaun zu überwinden, um nach Europa zu gelangen. Die Regisseure Moritz Siebert und Estephan Wagner haben den Malier Abou Bakar Sidibé filmen lassen. Alle drei werden im November nach Lübeck kommen, um „Les Sauteurs“ bei den Nordischen Filmtagen vorzustellen.

Sieben Spielstätten, acht Preise und eine Krisenküche

Die 58. Nordischen Filmtage finden vom 2. bis 6. November statt. Neben dem Cinestar Filmpalast Stadthalle, dem Kolosseum und dem Kommunalen Kino sind auch das Cinestar Filmhaus, die Kirche St. Katharinen, das Europäische Hansemuseum sowie ein Fulldome Kino auf der Liegewiese am Krähenteich Spielstätten für die Filmvorführungen.

8 Preise werden für die Filmdarbietungen verliehen. Mit 12500 Euro ist der NDR-Filmpreis am höchsten dotiert. Die älteste Auszeichnung ist der Publikumspreis der Lübecker Nachrichten. Er wird seit 1979 gestiftet und ist mit 5000 Euro dotiert. Per Stimmzettel können die Zuschauer ihren Favoriten wählen. Wer sich beteiligt, kann eine Reise zu der Tallinn Music Week in Estland gewinnen. Weitere Ehrungen sind der Baltische Filmpreis, der kirchliche Filmpreis Interfilm, der Dokumentarfilmpreis, der Preis der Kinderjury, der Kinder- und Jugendfilmpreis sowie der Cinestar-Preis.

In der „Crisis Cuisine“ kochen wieder Menschen aus Krisenregionen Gerichte aus ihren Heimatländern.

Liliane Jolitz

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