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Lübeck Mit der Harley in den Weltuntergang

Stephen King legt einen Band mit 20 Storys vor — Vom Krimi bis zur Horrorgeschichte.

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Stephen King lebt in Maine und in Florida.

Lübeck. Von der Band Procol Harum gibt es einen Song mit dem schönen Titel „The Devil Came From Kansas“. Mag ja stimmen. In den neuen Kurzgeschichten von Stephen King kommt der Teufel aus allen möglichen Bundesstaaten der USA, und wenn er nicht irgendwo herkommt, dann macht er zumindest Station. In Rhode Island, in Maine (natürlich), in Connecticut oder in New York City. Er ist viel unterwegs, dieser Beelzebub in all seinen Verkleidungen („Devil in Disguise“ hat Elvis einmal gesungen). Der Teufel ist äußerst vielgestaltig in dem Erzählungsband „Basar der bösen Träume“.

Stephen Kings erneuter Ausflug in die uramerikanische literarische Form der Kurzgeschichte zeigt, was für ein großartiger Schriftsteller er ist. Er kommt in den meisten Storys ohne Monster, Mumien und Mutationen aus, an diesen Ingredienzien machen die King-Verächter seine Werke nur allzu gern fest und verbannen ihn so aus dem Gebiet der hohen Literatur. Was für ein Unsinn.

Denn gerade in der kleinen erzählerischen Form zeigt King seine ganze Meisterschaft. Auf wenigen Seiten erzählt er atemberaubende Geschichten von Menschen, die so wirklich existieren könnten, deren Psychen exakt und glaubwürdig beschrieben sind. Stephen King ist natürlich geschult an Autoren wie Ernest Hemingway, Herman Wouk, Donald Antrim und selbstverständlich Edgar Allan Poe. King aber ist auch ein Verehrer der Lyrik von Robert Browning. So finden sich im „Basar der bösen Träume“ auch zwei dramatische Monologe im Stile Robert Brownings (der ja einstmals einen gewissen Roland zu einem dunklen Turm gehen ließ — da klingelt es bei allen King-Kennern).

Vielfalt macht den Reiz dieser Sammlung von 20 Geschichten aus. Alle Storys moderiert Stephen King an, erzählt von Anregungen, vom Schreiben an sich, wendet sich immer wieder an die treuen Leser seiner Literatur. Schon das hat das gewisse Etwas, man fühlt sich irgendwie heimelig in diesem Buch. Dabei beginnt es mit einem echten Horrortrip in die Provinz von Maine. Dort stoppt an einer verlassenen Raststation ein seltsamer Kombi, der zwar ähnlich aussieht wie ein Chevy oder ein Ford, aber eben nur ähnlich. Und der vor allem jeden verschlingt, der sich ihm nähert — das ist eine ganz neue Art von Gefahr im Straßenverkehr. Dann erzählt ein zum Tode verurteilter Mann, der einen kleinen Jungen erschossen hat, in der Nacht vor der Hinrichtung seinem Anwalt, warum er in der Todeszelle gelandet ist. Der Junge ist der Leibhaftige — und nach der Exekution taucht er wieder auf und nimmt den Anwalt aufs Korn.

Dann ist da noch der junge Mann in New York, der nach einem Journalistikstudium mit ganz vielen Rosinen im Kopf einen Job sucht und schließlich bei einer obskuren Internet-Plattform landet, die sich Klatsch der übelsten Sorte widmet. Dort ist er für verleumderische Nachrufe zuständig — und als er anfängt, Nachrufe über Lebende zu schreiben, sterben die prompt. Samt ihren Namensvettern.

Aber es geht auch anders zu in diesem Buch. Es gibt ganz normale Kriminalfälle. Etwa den des Killers, der ein kleines Mädchen wegen eines Silberdollars tötet. Er wird zum Tode verurteilt und gehängt, obwohl man die Münze nicht bei ihm findet — der Sheriff bekommt ein schlechtes Gewissen. Aber dann taucht die Münze auf . . .

Ein glänzend geschriebener, wunderbar abwechslungsreicher Themenmix, unterhaltsam einerseits und ebenso formal überzeugend. Stephen King zeigt sich in Hochform auf diesen mehr als 700 Seiten. Mal heiter, mal tödlich, mal klassisch gruselig und mal ironisch-lässig. Er kann eben etwas, dieser Schriftsteller, der mit intelligentem Horror bekannt geworden ist, dieses Genre noch immer beherrscht wie kein zweiter und dennoch weit darüber hinausgewachsen ist. Und der mittlerweile auch philosophische Überlegungen anstellt. Der leidenschaftliche Biker King beschreibt, wie ein Mann mit seiner Harley „Fat Bob“ die Antwort auf das Ende der Welt findet — aufrecht und in edler Manier.

„Basar der bösen Träume“ von Stephen King, Heyne Verlag, 766 Seiten, 22,99 Euro.

400 Millionen verkaufte Bücher in aller Welt
Stephen King gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Gegenwart. Der 1947 in Portland (US-Bundesstaat Maine) geborene Autor hat mehr als 400 Millionen Bücher verkauft, die in 40 Sprachen übersetzt wurden. Dabei begann seine literarische Karriere alles andere als vielversprechend. Vor seinem ersten Erfolgsroman „Carrie“ arbeitete King als Englischlehrer und schrieb nebenbei Kurzgeschichten, von denen er nur wenige verkaufen konnte. „Carrie“ brachte 1973 den Durchbruch, allein für die Taschenbuchrechte erhielt King 400000 Dollar.
Mit dem kommerziellen Erfolg begannen Kings Drogen- und Alkoholprobleme. 1987 begab er sich in eine Entzugsklinik und überwand die Süchte. Insgesamt hat Stephen King bisher über 40 Romane, mehr als 100 Kurzgeschichten, etliche Novellen und einige Drehbücher veröffentlicht. Hinzu kommen noch Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher. King hat außerdem eigene Romane verfilmt.

Jürgen Feldhoff

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