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Kultur im Norden Mit der „Johannespassion“ nach China
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12:48 18.02.2016
Die Internationale Chorakademie Lübeck bei ihrem Auftritt 2014 im Dom der Hansestadt. In diesem Jahr wird sie in St. Jakobi und in der Musikhochschule auftreten. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Ard, Afp

„Am Sonntag beginnen die Proben zu Händels ,The Messiah‘, ich bin sehr gespannt darauf, wie der fast völlig neu zusammengesetzte Chor klingt“, sagt Rolf Beck. 2002 hatte er als Intendant die Chorakademie als dritte pädagogische Säule des Musik-Festivals gegründet, nach seinem Ausscheiden 2013 wollte er das erfolgreiche Konzept, junge hochbegabte Sänger und Sängerinnen aus aller Welt zu einem Chor zusammenzustellen, weiterführen. Die Internationale Chorakademie trägt seitdem den Namen Lübecks in alle Welt, denn zu den Auftritten in Lübeck und Umgebung kommen Konzerte unter anderem in China, Korea und Brasilien.

„In diesem Jahr führen wir den ,Messiah‘ am 27. Februar in der Jakobikirche auf“, sagt Beck, der das Konzert auch dirigieren wird. „Unser Ehrgeiz ist es, alle Solopartien aus dem Chor zu besetzen.

Das ist gewagt, aber ich bin zuversichtlich, dass die Qualität der jungen Sänger dazu ausreicht. Begleiten wird uns das Elbipolis Barockorchester aus Hamburg.“ In einer zweiten Phase wird das Leipziger Calmus Ensemble, ein weltbekanntes Vokal-Quintett, einen Workshop für die Mitglieder der Chorakademie mit Musik der Renaissance und des Barock geben.

Das Abschlusskonzert findet am 3. März um 19.30 Uhr in St. Jakobi statt. Zum Abschluss leitet die niederländische Sopranistin Margreet Honig einen Workshop für die Solisten der Akademie. Im Abschlusskonzert am 9. März um 19.30 Uhr im Großen Saal der Musikhochschule Lübeck werden die Ergebnisse des Workshops dann präsentiert. Auf dem Programm stehen bei dem Konzert die „Petite Messe solennelle“ von Rossini und das „Spanische Liederspiel“ von Robert Schumann. Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger von den Pianisten Neil Beardmor und Volker Kraft sowie Michael Meyer am Harmonium. Die Proben und Workshops finden in diesem Jahr im Nordkolleg Rendsburg statt.

Der Kalender der Chorakademie ist für das Jahr 2016 gut gefüllt. Rolf Beck wird mit seinem Chor unter anderem wieder Tourneen nach Brasilien und nach China unternehmen. Neben den Auditions für neue Sängerinnen und Sänger in Europa, Brasilien und China wird Rolf Beck vom kommenden Jahr an auch in Korea hochbegabten Sänger-Nachwuchs casten. „In diesem Jahr hatten wir mehr als 300 Bewerber, 38 haben wir eingeladen“, sagt Rolf Beck, der sich vor allem auf die Konzerte in China freut. „Wir dürfen zum ersten Mal in China geistliche Musik aufführen, das war bislang strikt untersagt. Jetzt gibt es ein Festival mit dem Titel ,Bach in China‘, an dem wir uns beteiligen. Wir führen Bachs ,Johannespassion‘ auf und die ,Water Passion‘ von Tan Dung, eine Version der Matthäuspassion, die noch nie in China gespielt wurde. Mit diesem Werk hatten wir in Lübeck im vergangenen Jahr großen Erfolg bei einem Konzert in St. Jakobi.“

Ein Problem der Chorakademie ist und bleibt die Finanzierung. „Die Lübecker Projekte werden von der Possehl-Stiftung unterstützt“, sagt Beck. „Außerdem sind wir sehr glücklich, dass wir die Firma Euroimmun als Sponsor gewinnen konnten — das erleichtert unsere Arbeit beträchtlich.“ Das Suchen nach Sponsoren ist in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, deshalb will sich Rolf Beck verstärkt um überregionale Sponsoren bemühen. „Für 2016 stehen wir finanziell auf der sicheren Seite“, sagt er. „Ob wir das Projekt Chorakademie in den kommenden Jahren weiterführen können, wird sich zeigen. Aber auch, wenn es scheitern sollte, können wir zumindest sagen: Wir haben es versucht.“

Musik in allen Facetten

Rolf Beck wurde 1945 in Michelstadt im Odenwald geboren. Er studierte Jura in Marburg und Lausanne, an der Musikhochschule Frankfurt absolvierte er die Dirigentenklasse von Helmuth Rilling. Ab 1981 war er Intendant der Bamberger Symphoniker, wo er 1983 den Chor der Bamberger Symphoniker und das Instrumentalensemble Concerto Bamberg gründete.

Ab 1996 war er Leiter des Bereichs Orchester und Chor beim NDR. 1998 wurde er Direktor des Schleswig-Holstein Musik Festivals, dessen Intendant er von 1999 bis 2013 war. 1989 erhielt Beck das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2008 wurde er vom damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen „in Anerkennung und Würdigung seines künstlerischen Wirkens sowie um die Entwicklung des Schleswig-Holstein Musik Festivals“ mit der Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Jürgen Feldhoff

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