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„Moby Dick“: Zwischen Walfang und Wahnsinn

Lübeck „Moby Dick“: Zwischen Walfang und Wahnsinn

Hass kann ansteckend sein. „Tod dem Moby Dick“, verkündet Kapitän Ahab, und sein Matrose Ismael stimmt ein: „Tod dem Moby Dick!“ Starbuck, der Steuermann, ruft nur „Tod“.

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Auf der Jagd nach „Moby Dick“: Starbuck (v.l., Thomas Schreyer), Ahab (Katrin Aebischer), Ismael (Matthias Hermann).

Quelle: Thorsten Wulff

Lübeck. Hass kann ansteckend sein. „Tod dem Moby Dick“, verkündet Kapitän Ahab, und sein Matrose Ismael stimmt ein: „Tod dem Moby Dick!“ Starbuck, der Steuermann, ruft nur „Tod“. „Tod“ und wieder „Tod“. Regisseur Gernot Grünewald hat die Geschichte von Kapitän Ahab, dem der weiße Wal ein Bein abgerissen hat und der nun Rache nehmen will, im Studio des Theaters Lübeck inszeniert.

Es ist keine Vergnügungsreise, die die Mannschaft der „Pequod“ angetreten hat. Weiße Planen umspannen den größeren Teil des Raumes, der die Bühne bildet und kaum beleuchtet ist. Taschenlampen erhellen bisweilen die Gesichter der Protagonisten, lassen sie wie Gespenster aussehen. Geräusche begleiten ihr Reden und ihr Handeln: Rascheln, Plätschern, Gluckern und das Tok-Tok-Tok, das Ahabs Holzbein produziert.

Grünewald hat den dicken Roman von Herman Melville, 1851 erschienen, auf eine Bühnenfassung von 75 Minuten Dauer verdichtet. Dazu gibt es — nicht ganz unerwartet — Informationen über die weitere Entwicklung des Walfangs und auch ein bisschen Walkunde.

In seiner Inszenierung, die zum Teil hörspielartig aufgebaut ist, arbeitet der Regisseur mit einfachen Mitteln. Auf der Bühne stehen viele verschiedenfarbige Plastikeimer, die es erlauben, nicht nur Wasser, sondern auch Blut spritzen zu lassen. Ein Wal wird zerlegt — die drei Figuren dreschen wie von Sinnen auf Kohlköpfe ein. Die Bestialität des Walfangs, die skrupellose Ausbeutung der Natur, Ahabs Wahn, der sich auf die anderen überträgt: „Moby Dick“ ist ein Stück, das Zuschauern einiges abverlangt. Es erfordert Konzentration, denn die Schauspieler sind, weil sie sich gegen die Hintergrundgeräusche behaupten müssen, teilweise schwer zu verstehen. Aber Katrin Aebischer als Ahab, Thomas Schreyer als Starbuck und Matthias Hermann als Ismael geben alles, und so gelingt es ihnen, das Publikum mitzunehmen auf ihrer Reise ins Verderben, die finster ist, hoffnungs- und aussichtslos.

Weitere Vorstellung: morgen, 18.30 Uhr, Junges Studio

Liliane Jolitz

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