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Monotone Arbeit – und in der Freizeit Körperkultur

Hamburg Monotone Arbeit – und in der Freizeit Körperkultur

Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zeigt historische Fotos zum Thema.

Hamburg. Dass wir begannen, zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden, ist noch gar nicht lange her. Erst im 19. Jahrhundert, einhergehend mit der Vermehrung industrieller Arbeitsplätze, entwickelte sich ein Bewusstsein dafür, dass man der Belastung von Körper und Geist mit der bewussten Entlastung jenseits des Arbeitsalltags begegnen muss. Sportvereinen kam die Aufgabe zu, die monotone Tätigkeit von Arbeiterinnen und Arbeitern mit Spiel und Muskeltraining zu kompensieren.

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Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zeigt historische Fotos zum Thema.

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Der Hamburger Fotograf Johann Hamann (1859-1935), einer der Pioniere seiner Zunft, dokumentierte das Thema in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Museum für Kunst und Gewebe hat jetzt 45 Abzüge zu einer Ausstellung zusammengestellt. „Arbeit/Freizeit“ ist der Titel, auf sepiafarbenen Bildern zeigt die Schau Kinderarbeit in der Landwirtschaft – ein Mädchen trägt ein Bündel Zuckerrüben –, Szenen aus dem Schlachthof, den Kontoren oder auch deutsche Wirtschaftsflüchtlinge in den Auswandererhallen auf der Veddel. Zum Thema Freizeit gibt es Bilder von Turnvereinen: Frauen in Pluderhosen beim Handstand und bei anderen Übungen, Männer beim Bock- und Stabhochsprung.

Johann Hamann eröffnete 1889 im Hamburger Armeleutequartier Gängeviertel sein erstes Tageslicht-Atelier, das er von 1900 an gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich (1883-1975) betrieb. 2400 Fotoabzüge aus dem Nachlass der beiden befinden sich seit den 1990er Jahren in den Beständen des Museums, große Teile davon wurden erst jetzt inventarisiert und sind in der Sammlung online zugänglich.

Teresa Gruber und Esther Ruelfs, Kuratoren der Ausstellung, zitieren Theodor W. Adorno zu ihrem Thema Arbeit und Erholung: Der Philosoph betrachtete Freizeit „als Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie (die Arbeiter) in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten“. Am 18. September wird im Begleitprogramm (15

Uhr) Bernd Wedemeyer-Kolwe, Sporthistoriker und Wissenschaftlicher Leiter des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte, zum Thema „Turnen, Sport und Körperkultur um 1900“ sprechen.

mib

„Arbeit/Freizeit bei J. Hamann“, bis 6. November, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz

Fotos im Internet: http://sammlungonline.mkg-hamburg.de/de

LN

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