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Kultur im Norden Morde in Weimarer Zeit
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18:10 27.04.2018
Lübeck

In der Stadt kennt sich Meyn aus. Er kommt dort her, hat dort lange gelebt und über die Entwicklungsgeschichte des Hamburger Schulbaus promoviert. Wenn daher auch im neuen Buch immer wieder Ausflüge in Architektur und Stadtplanung unternommen oder „gebrannte Majoliken“ am Chilehaus beschrieben werden, kommt das nicht von ungefähr.

Der Vorgängerroman „Elbtöter“ (2016) spielte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. In „Fememord“ versucht die Weimarer Republik gerade, Boden unter die Füße zu bekommen. Aber das ist im Zeichen des Versailler Vertrages schwer genug. Das Abkommen bildet denn auch die Folie, vor der Meyn seine Geschichte entwickelt.

Sie führt hinein in Machenschaften um die im Verborgenen existierende Schwarze Reichswehr. Es geht um geheime Geschäfte und neueste Technik, um Dunkelmänner, Erpressung, um Morde. Und es geht um Erotik und penible Beschreibungen der damaligen Zeit, die Meyn sehr am Herzen liegen. Auch begegnet man dem Personal von damals, Gustaf Gründgens etwa, dem Hamburger Baumeister Fritz Schumacher, Bürgermeister Max Brauer.

Ilka Bischop heißt die Heldin der Geschichte, eine Journalistin aus Berlin, die Meyn-Lesern aber schon kennen. In „Totenwall“ (2011) ist sie die Tochter eines Anwalts, der eine Mordserie aufzuklären hat. Jetzt ermittelt sie selbst, und auch andere Figuren aus früheren Büchern tauchen wieder auf.

Die Geschichte ist verwinkelt, aber spannend. Schade, dass manches hölzern daherkommt, auch in den Dialogen. „Ich werde mit Gusti an der Hand durch den Irrwald der nächtlichen Inszenierungen laufen“, sagt vermutlich kein Mensch. Nicht mal Klaus Mann. int

Info: Boris Meyn, „Fememord“, Rowohlt, 240 Seiten, 9,99 Euro

LN

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