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Kultur im Norden Neues Album von Schiller
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16:17 19.03.2019
Christopher von Deylen alias Schiller bei einem Konzert im September 2013 in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Quelle: foto: Olaf Malzahn
Hamburg

Seit mehr als 20 Jahren steht Schiller für rhythmische Elektrosounds mit sphärischen Melodien und Texten voller Poesie. Mehr als einmal hat der Norddeutsche Christopher von Deylen mit dieser Musikmischung die Charts erobert. Sieben Millionen Alben hat er nach eigenen Angaben bereits verkauft. Viele davon standen ganz oben in den Charts. Nun bringt der 48-Jährige sein zehntes Studioalbum heraus. Für „Morgenstund“ hat er wieder zahlreiche internationale Künstler ins Boot geholt – darunter den früheren Genesis-Bassisten und -Gitarristen Mike Rutherford, Nena und die britische Sängerin Rebecca Ferguson.

Vor 20 Jahren noch war Schiller ein Musikprojekt von Deylens mit Mirko von Schlieffen. Seit 2003 ist er allein. „Das Glockenspiel“ war der erste kommerzielle Erfolg. Seitdem hat der aus Visselhövede im Kreis Rotenburg/Wümme stammende Musiker seine Elektropop-Welt immer wieder mit Kollegen aus ganz unterschiedlichen Genres vermischt.

Im Mai auf Tournee

Morgenstund heißt das neue Album, bei dem Christopher von Deylen neben Mike Rutherford (Genesis) auch mit dem Produzenten Giorgio Moroder und den Elektronik-Pionieren Tangerine Dream zusammengearbeitet hat. Im Mai geht er auf Tournee: 15. in Hannover, 23. in Bremen, 24. in Hamburg.

So arbeitete er mit Peter Heppner (Wolfsheim) und Midge Ure (Ultravox), mit Mike Oldfield und dem Rapper Thomas D, mit den klassischen Künstlern Lang Lang, Hélène Grimaud und Anna Netrebko sowie vielen anderen. „Zeitlich begrenzte Liaisons“ nennt er das. Er könne nicht langfristig mit einer Band zusammenarbeiten. „Das ist mir viel zu viel Abstimmung, viel zu viel Diskutieren, viel zu viel von allem.“ Um als Schiller kreativ zu sein, brauche er enorm viel Freiheit – künstlerisch, musikalisch und im Leben ohnehin. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht übrigens Neil Tennant von den Pet Shop Boys. Er lade ihn seit zehn Jahren immer wieder ein, und Tennant schreibe regelmäßig Absagen, hat er erzählt. Die aber seien sehr charmant.

Von Deylen lässt sich nicht nur von seinen Kurzzeit-Partnern inspirieren, er trägt – natürlich – auch seine Umwelt und Erfahrungen in die Songs. Ob eine Reise auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ zur Arktis oder wie für das aktuelle Album die Eindrücke aus der Zeit im Iran – außergewöhnliche Orte beeinflussen ihn in seinem Schaffen. Im Iran hat er Ende 2017 auch selbst gespielt, es war das erste westliche Popkonzert seit der Islamischen Revolution vor jetzt 40 Jahren. An fünf Abenden kamen insgesamt 15 000 Zuschauer.

Kein festes Zuhause

Wegen seiner Reiselust lebt von Deylen seit Jahren nur noch aus zwei Koffern. Er hat kein festes Zuhause und sieht sich spontan die Welt an. Er ist ein bisschen wie seine Musik. Zurückhaltend, aber auf den Punkt. Inspirierend und nach Freiheit strebend. So als hätte er sein Lebenskonzept längst seiner Musik angepasst.

Mit „Morgenstund“ hat von Deylen ein Album produziert, das den klassischen Schiller-Sound mitbringt und trotzdem neue Wege geht. Auf der Platte findet sich erstmals ein Gitarren-Solo (von Scott McKeon), und es sind orientalische Einflüsse zu hören. Dafür hat von Deylen mit dem Santur-Meister Pouya Sarai zusammengearbeitet. Klänge des persischen Hackbretts finden sich in den Liedern „Das Goldene Tor“ und „Berlin Tehran“ wieder. Das Titellied „Morgenstund“ hat er mit Nena aufgenommen, die er als „wunderbare Traumwelten-Bürgerin“ beschreibt. Träumen, Sehnsucht, Romantik, Freiheit, Ankommen – die 16 Songs des neuen Albums seien eine Hommage an das Leben, so von Deylen.

Immer wieder Newcomer beim Komponieren

Ein Geheimrezept für die Mischungen habe er nicht, sagt der Mann, dessen Plattenfirma ihn als „Soundvisionär“ bezeichnet. Im Gegenteil: Er lasse sich dabei immer wieder neu auf die Lieder ein. Oft sei ihm am Anfang noch unklar, in welche Richtung der nächste Song gehen wird. „Dem künstlerischen Ergebnis liegt keine kreative Beschlusslage zugrunde“, sagt er. Vielmehr sei er jedes Mal wieder beim Komponieren ein Newcomer. Deshalb ähnelten sich die Stücke natürlich auch. „Die musikalische DNA entspricht ja eins zu eins meiner eigenen. Deswegen gibt es Elemente und gewisse Stilmittel, die mir dann wieder passieren und die dem entsprechen, was Schiller ausmacht.“

Konkret benennen kann er seinen Musikstil nicht. Das sollten besser andere tun. Dem Online-Musikmagazin „laut.de“ zufolge zeichnen Vielseitigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedensten Genres den Christopher-von-Deylen-Style besonders aus. Schiller-Songs erinnerten oft an „mit Pastellfarben aufgetragene Klanggemälde in Cinemascope“. Das ist ein Bild, das von Deylen gefallen dürfte. Er selbst wählt ähnliche Worte, wenn er sich doch auf eine Beschreibung seiner Musik einlässt: „Ich würde sagen, dass es Filmmusik für den eigenen Film im Kopf ist.“

Christiane Bosch

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