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Kultur im Norden Musical-Klassiker in neuem Gewand
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20:27 13.08.2015
Der Einzug in Jerusalem am Palmsonntag: Jesus (Glenn Carter, Mitte) und seine Jünger stehen bereits unter Beobachtung. Quelle: dpa

Diese Show ist ein Ereignis. „Jesus Christ Superstar“, das Erstlingswerk von Andrew Lloyd Webber und seinem Librettisten Tom Rice, hat seit der Uraufführung zu Beginn der 1970er Jahre nichts an Schwung und Bedeutung verloren. Die Version von Bob Tomson, die seit Mittwoch an der Hamburgischen Staatsoper gezeigt wird, ist fantastisch gelungen.

Das liegt nicht nur an den vorzüglichen Darstellern, die der britische Routinier für seine Tournee angeheuert hat. Es ist vor allem sein Regiekonzept, das die Figuren scharf zeichnet und somit den Intentionen von Lloyd Webber und Rice sehr nahe kommt. Judas ist nicht nur der korrupte Bösewicht, der Jesus für 30 Silberlinge der Staatsmacht ausliefert. In dieser Inszenierung ist Judas ein Mensch, der weiß, dass er ein Werkzeug des göttlichen Willens ist und deshalb seinen Freund verraten muss — und daran schließlich zerbricht.

Jesus ist ein von Zweifeln und Selbstzweifeln geplagter Heilsbringer, der sich seiner Rolle im göttlichen Spiel alles andere als sicher ist und deshalb sehr menschlich wirkt. Maria Magdalenas Persönlichkeit wird einerseits durch ihre Liebe zum Mann Jesus bestimmt; auf der anderen Seite aber ist sie die erste, die die spirituelle Kraft und Sendung Jesu wahrnimmt und respektiert. Menschen sind hier auf der Bühne zu sehen, das ist der Trumpf von „Jesus Christ Superstar“.

Bei Tournee-Musicals ist der technische Aufwand notgedrungen kleiner als bei stationären Produktionen. Bob Tomas und seinen Kollegen ist es dennoch gelungen, ein eindrucksvolles und dennoch leicht zu transportierendes Bühnenbild zu schaffen. In diesem lässt Tomas die Handlung mit großer Geschwindigkeit ablaufen — die sieben letzten Tage Christi erzählt er in netto knapp zwei Stunden. Aber das ist optisch wie akustisch außerordentlich gut gemacht.

Hauptdarsteller Glenn Carter ist weltweit der derzeit gefragteste Jesus, er singt und spielt seine Partie herausragend. Vor allem in der in ihrer Brutalität kaum zu ertragenden Kreuzigungsszene leidet man mit diesem Mann mit, Glenn Carter schafft es, das Publikum zu berühren. Ebenso Tim Rodgers als Judas, der mit größtem Engagement singt und agiert. Ihm nimmt man die Zerrissenheit ebenso ab wie tiefste Verzweiflung kurz vor seinem Selbstmord. Die erst 23-jährige Rachel Adedeji ist eine wunderbar zurückhaltend spielende Maria Magdalena mit warm timbrierter Stimme, dieser jungen Sängerin steht die Zukunft offen. In den Nebenrollen beeindruckte Cavin Cornwall mit abgrundtiefem, dunkel glühendem Bass und sehenswerter Bewegungskunst.

Das Publikum in der ausverkauften Staatsoper war begeistert, es gab Ovationen im Stehen für die Darsteller. So gelungen kann Musical sein. Jürgen Feldhoff

Vorstellungen täglich bis zum 23. August außer montags, www.hamburgische-staatsoper.de

LN

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