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Kultur im Norden Musical „Oliver!“: Kinder die Hauptrolle
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22:46 18.11.2017
„Komm, fühle dich ganz zuhaus“: Duett von Oliver (Leander Härtel, vorne links) und Artful Dodger (Paul Schiffner, vorne rechts).
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Lübeck

Es ist düster auf der Bühne, eine schwangere Frau wird von einer anderen gestützt. In der nächsten Szene stürmen Kinder in grauer Kluft auf die Bühne.

Unser Fotograf Olaf Malzahn hat prächtige Fotos vom Musical "Oliver" gemacht!

Die Waisenkinder müssen unter der Fuchtel von Aufsehern schuften und auf Befehl ihren Brei aus Blechnäpfen herunterschlucken. Ein Junge steht auf, fordert mehr Brot: Oliver Twist.

Das Musical

Lionel Bart, ein Londoner Musical- und Songkomponist, landete mit der Musicaladaption von Charles Dickens’ „Oliver Twist“ seinen größten Erfolg. Nach der Uraufführung 1960 in London erlebte das Stück eine Serie von 2600 Aufführungen,

anschließend lief es knapp 800 Mal am Broadway und wurde 1968 von Carol Reed verfilmt.

So beginnt die Geschichte des Waisenjungen, der nach seinem „Aufstand“ vom Leiter der Anstalt an einen Leichenbestatter verkauft wird, von dort nach London flieht und bei einer Bande von Taschendieben Unterschlupf findet. Schon von den ersten Sekunden an nehmen die Kinder die Zuschauer mit ihrer Bühnenpräsenz für sich ein. 20 Mädchen und Jungen zwischen elf und 15 Jahren stehen auf der Bühne – sie singen, tanzen und spielen, dass es eine wahre Freude ist. Die Titelrolle bei der Premiere spielt der 13-jährige Leander Härtel. Glaubhaft und wandelbar verkörpert er den einsamen, herzensguten Waisenjungen, der sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Mit viel Gefühl singt er im hellen Knabentenor von der Sehnsucht nach seiner Mutter, gewinnt an Lockerheit und Selbstbewusstsein, als er sich mit dem Taschendieb Artful Dodger anfreundet. Der wird bei der Premiere von Paul Schiffner dargestellt – er gibt einen sehr coolen Typen, lässig und geschmeidig. Zu den Highlights des Abends gehört ihr Duett „Komm, fühle dich ganz zuhaus“, in das Sänger und Tänzer einstimmen. Auch wenn den Jungs am Ende der rasanten Nummer etwas die Puste ausgeht – das ist charmant und tut der Wirkung absolut keinen Abbruch.

Nun ist „Oliver!“ keine Kinderinszenierung, die Schauspieler, Sänger und Tänzer des Theaters Lübecks sind die tragenden Säulen dieser Aufführung. Aber auch für sie ist die Zusammenarbeit mit Laiendarstellern eine Herausforderung, die alle glänzend meistern. Zwei seien herausgehoben: Chris Murray als Hehler Fagin und Femke Soetenga als Prostituierte Nancy. Fagin als Chef der Taschendiebe ist einer der Sympathieträger. Murray verleiht Fagin viele Facetten, seine stimmgewaltigen Gesangspartien und sein Spiel mit gestohlenem Schmuck haben Comedy-Qualität. Femke Soetenga stellt die verschiedenen Seiten von Nancys Persönlichkeit glaubhaft dar und brilliert gesanglich.

Die düstere Atmosphäre des Waisenhauses und des Londoner Armenviertels unterstützt das sparsame Bühnenbild. Die Kostüme passen in die Zeit, bunte Accessoires peppen die Streetwear des 19.

Jahrhunderts auf (Ausstattung: Katja Lebelt).

So ernst die Geschichte des kleinen Oliver auch ist – mit Humor und ein wenig Melancholie erzählt sie von der Kraft der einfachen Leute. Diese Energie, die von Lionel Barts Musical auch heute noch ausgeht, setzen Laien und Profis auf der Bühne um: mitreißend und anrührend zugleich. Dass dieses Zusammenspiel gelungen ist und die Kinder in nur zwei Monaten intensiver Proben so eine Leistung vollbringen, ist dem Regisseur Wolf Widder zu danken. Er hat die Kinder geführt, ohne sie zu dressieren, so dass sie mit ihrer natürlich Ausstrahlung die Herzen der Zuschauer gewinnen. Ein Familienstück im besten Sinne.

Premierenfeeling wird es auch bei den nächsten Aufführungen geben, wenn die Zweit- und Drittbesetzungen der Kinder auf der Bühne stehen: 24. 11. und 1. 12.

Mehr Fotos auf www.ln-online.de

 Von Petra Haase

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