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Kultur im Norden Musik-Erlebnis im alten Schuppen
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13:57 20.02.2017
Konzert für den Frieden: Gabriele Pott und ihre kleinen Künstler im vergangenen Jahr beim Oratorium „The Peacemakers“ des Briten Karl Jenkins. Quelle: Fotos: Christoffer Greiss
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Lübeck

Die künstlerische Leiterin greift auch mal zum Besen. „Ich bin mir nicht dafür zu schade, am Schluss den Hafenschuppen auszufegen, damit er sauber übergeben wird“, sagt Gabriele Pott lachend. Als wenn sie, Gründerin des Musikfestivals Kunst am Kai, nicht genug anderes zu tun hätte. Konzepte entwickeln, musikalische Einstudierung, Chor leiten, Dirigieren, jedes Jahr eine Oper komponieren, zusehen, dass die Organisation stimmt – und dann auch noch den Überblick behalten.

Die künstlerische Leiterin greift auch mal zum Besen. „Ich bin mir nicht dafür zu schade, am Schluss den Hafenschuppen auszufegen, damit er sauber übergeben wird“, sagt Gabriele Pott lachend.

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Selbst ein Multitalent wie sie kann sich nicht um alles kümmern. Nach dem Festival-Debüt wurde ein Förderverein gegründet, der am Gelingen mitwirkt. „Der Kassenwart ist unser Finanzminister“, sagt Gabriele Pott. Außerdem stehen ihr künstlerische Spezialisten zur Seite. Auch ohne finanzielle Hilfen von Stiftungen und Sponsoren ginge es nicht.

Dass das Festival so schnell zur Institution werden würde, darauf hat sie am Anfang nicht zu hoffen gewagt. Als Gabriele Pott es vor drei Jahren ins Leben rief, hatte sie eine Idee, einen großen alten Hafenschuppen und jede Menge Begeisterung. In diesem Jahr gibt es nun schon zum vierten Mal Kunst am Kai. „Ein Sommernachtstraum“ wird das Festival im Juli eröffnen. Herzstücke sind wie in den vergangenen Jahren eine eigens komponierte Oper und ein großes Chorkonzert. Die Oper stellt Martin Luther in den Mittelpunkt. Das zweite Herzstück ist das Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy zum Mitsingen. Bis September werden wieder etliche weitere Angebote gemacht. Es darf auch ein bisschen verrückt sein. So wie das Schlafkonzert, das – im wahrsten Sinne des Wortes – Musik zum Träumen bietet. Beim Konzert im Liegen – womit die Besucher gemeint sind, nicht die Musiker – spielen zwei Pianistinnen und zwei Schlagzeuger von 22 Uhr bis 7 Uhr morgens Klänge zur Nacht. Das soll schlaffördernd sein.

2016 gab es erstmals ein Schlafkonzert in Lübeck. Innovativ zu sein, gehört zum Wesen des Festivals. Gleichzeitig ist es traditionsbewusst, knüpft an unseren kulturellen Wurzeln an. Außerdem erhebt es den Anspruch, dass es nah dran ist, dass es um aktuelle Themen geht, die mit dem Leben der Besucher zu tun haben.

Das Thema Flüchtlinge stand im vergangenen Jahr im Mittelpunkt. Im Luther-Jahr nun ist die Oper dem Reformator gewidmet. „Ich habe mich intensiv mit dem Menschen Martin Luther beschäftigt“, sagt Gabriele Pott. Ihr imponiert, dass er für seine Überzeugung sein Leben riskiert hat. Woran glauben wir? Welche Bedeutung hat das für das Leben des einzelnen? Mit ihrer Luther-Oper möchte Gabriele Pott solche Themen anstoßen.

Ganz wesentlich wird das Festival auch von dem Ort geprägt, an dem es stattfindet. Dem alten Hafenschuppen C, der früher Lager war, sieht man die alte Nutzung noch ganz und gar an. Dank des Festivals aber steckt er mitten in einer zweiten Karriere als Konzertsaal. Anders als Räume, die eigens für kulturelle Zwecke gebaut worden sind, ordnet er sich nicht unter, sondern stellt vielmehr hohe Ansprüche. Platz gibt es reichlich, aber nicht die technischen Möglichkeiten wie in einem Theater- oder Konzertsaal. „Wir arbeiten mit eingeschränkten Möglichkeiten“, sagt Gabriele Pott. Was ein Segen ist für das Festival. Denn auch der alte Schuppen trägt zur Unverwechselbarkeit bei.

Kunst am Kai ist auch eine Ermunterung für Menschen, die sich von klassischer Musik sonst nicht besonders angesprochen fühlen. Niemand wird überfordert. Teure Abendgarderobe wird nicht gebraucht. Die Eintrittspreise – von fünf Euro für Kinder bis 25 oder 30 Euro für die großen Produktionen – sind moderat. So ist das Festival seit seinem Start kräftig gewachsen. Im ersten Jahr gab es 2400 Besucher, 2016 waren es über 5000. Wo soll das noch hinführen? Sie freue sich immer über ein volles Haus, sagt die künstlerische Leiterin. Rekordzahlen aber seien nicht das Ziel.

 Liliane Jolitz

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