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„Musik ist für mich ein Jungbrunnen“

Interview mit Gustav Peter Wöhler „Musik ist für mich ein Jungbrunnen“

Gustav Peter Wöhler kommt mit seiner Band und einem Programm aus den heiligen Hits der Rock- und Pop-Geschichte nach Lübeck.

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Ein Vielseitiger: Gustav Peter Wöhler ist Schauspieler, Sänger und Hörspielsprecher. Mit seiner Band ist er seit zehn Tagen auf Tour. Am kommenden Sonntag macht er Station in Lübeck und präsentiert sein neues Programm „Shake a Little“.

Quelle: Archiv, hfr, AFP

Wir müssen Sie mit einer kleinen Liste des Grauens konfrontieren: Ulrich Tukur, Axel Prahl, Burghart Klaußner, Jan Josef Liefers — und Gustav Peter Wöhler. Was haben diese Herren gemeinsam?

Gustav Peter Wöhler: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen — alles Schauspieler, die auch als Sänger auftreten. Die können es nicht lassen, die müssen auf allen Bühnen tanzen.

Was ist da los?

Wöhler: Singen gehört für uns natürlich zum Geschäft. Wir Schauspieler arbeiten mit unseren Stimmen und einige können eben auch ganz gut singen und wollen sich damit auch auf der Bühne ausdrücken. Und wenn Sie mich fragen: Singen macht einfach einen Riesenspaß und bedeutet auch eine Entlastung von den Mühen des Theaters und des Films.

Wenn Sie als Sänger auf der Bühne stehen, erkennt man auch den Schauspieler Gustav Peter Wöhler. Sie stellen die Songs geradezu szenisch dar.

Wöhler: Lieder sind ja Komödien oder Dramen. Texter und Komponisten versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Vielleicht fällt es uns Schauspielern leichter, diese Geschichten auch zu bebildern. Manchmal ist mir das auch nach dem Auftritt ein wenig peinlich, ich frage mich, ob ich mich nicht zu sehr entblößt habe.

Die anfangs genannten Schauspieler haben noch gemeinsam, dass sie in den reiferen Jahren mit dem Singen großen Erfolg haben — bis auf Tukur, der macht das schon immer. Wie ist das bei Ihnen?

Wöhler: Ich mache das seit 20 Jahren. Ach was, seit meiner Jugend, da hatte ich bereits eine Band, die aber eher im Verborgenen wirkte. Damals, etwa 1978, haben wir Rock‘n‘Roll auf dem Dorf gemacht.

Wo war dieses Dorf?

Wöhler: Eickum bei Herford.

Knapp 2000 Einwohner, kein ganz kleines Dorf mehr...

Wöhler: Doch, im Vergleich zu Hamburg schon.

Jetzt sind Sie wieder beim Rock‘n‘Roll angekommen. Auf Ihrem neuen Album „Shake a Little“ sind viele heilige Preziosen der Pop-Geschichte zu hören. „Mother‘s Little Helper“ von den Stones ebenso wie „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel oder Randy Newmans „I‘ll be Home“. Wie kam die Auswahl zustande?

Wöhler: Wie immer. Ich setze mich mit meiner Band zusammen. Jeder hat seine Lieblingsmusik, die er einbringt, dann wird gesiebt und gesiebt. Zuletzt kommt eine Liste mit Stücken heraus, auf die wir uns alle einigen können.

Ihre Band ist also eine demokratische Institution?

Wöhler: Absolut. Es geht da sogar basisdemokratisch zu. Es sollen ja alle vier Mitglieder Spaß haben an den Songs.

Herausgekommen ist diesmal ein breites Spektrum von Rock, Pop und etwas älterer deutscher Welle. Ist das die Bandbreite, die Sie lieben und können?

Wöhler: Ob ich das tatsächlich kann, das muss das Publikum entscheiden. Aber alle diese Songs repräsentieren das, was ich im Laufe der Jahrzehnte gerne gehört habe. Wenn ich sie heute wieder höre, habe ich immer noch Freude daran. Und noch mehr, wenn ich sie selbst singen darf.

Sie werden im Sommer 60 Jahre alt. Wenn man Sie aber auf der Bühne sieht, verjüngen Sie sich um Jahrzehnte. Da steht dann plötzlich ein attraktiver Mann von 30 Jahren vor der Band. Wie machen Sie das?

Wöhler: Vielleicht sind es die Gene. Wahrscheinlicher ist, dass die Musik für mich ein Jungbrunnen ist. Die Lust, die Laune, das Publikum... Allerdings fühle ich mich inzwischen älter, ich habe Arthrose, damit bewegt man sich nicht mehr ganz so elastisch. Aber ich tue mein Bestes.

Man vermisst Sie auf der Theaterbühne. Zuletzt waren Sie im Hamburger Schauspielhaus in Karin Beiers Antiken-Stück „Die Rasenden“ von 2014 zu sehen. Woran liegt das?

Wöhler: Wenn ich mit der Band auf Tour bin wie jetzt, kann ich nicht gleichzeitig Theater spielen. Aber ab Oktober bin ich am Tipi-Theater in Berlin. Ich mache da eine Operette mit den Geschwistern Pfistern und einigen anderen Kollegen — „Frau Luna“ von Paul Lincke. Und auch im St. Pauli-Theater in Hamburg werde ich wieder gastieren.

Interview: Michael Berger

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