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Kultur im Norden „Musik ist mein Herzschrittmacher“
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18:10 08.08.2018
Berlin

Der Kerl kommt gut an. Charismatisch, kernig, herausstechende Stimme. Man könnte meinen, die Schlagerpoprockwelt habe nur auf einen Sänger wie Ben Zucker (35) gewartet. Seit Monaten jedenfalls steht sein erstes Album „Na und?!“ hoch in den Charts, gerade tourte er mit Helene Fischer, ab Oktober ist der Berliner alleine unterwegs.

Ben Zucker, Sie waren gerade mit Helene Fischer auf Stadiontournee. Wie war es?

Ganz große Klasse. Stadien sind noch mal eine andere Größenordnung als das, was ich bislang gewohnt war, aber ich bin sowieso vor jedem Konzert aufgeregt und denke mir: „Warum bist du nicht Bäcker geworden?"

Bäcker? Wäre das die Alternative gewesen?

Nee, ich wollte immer Musiker sein. Musik ist mein Leben, sobald ich auf der Bühne bin, bin ich heiß, und es lief einfach toll.

Was schätzen Sie an Helene?

Das, was so ziemlich alle an ihr schätzen. Ihre Energie, ihre Leidenschaft, ihr Feuer für diesen Job und ihre Freundlichkeit. Der Kontakt kam über Florian zustande (Florian Silbereisen, Anmerk. der Redaktion), ich war mit ihm einen Monat lang auf Tour, und in Berlin besuchte sie ihn und hat dann auch meine Show gesehen. Ein paar Wochen später rief mich ihr Plattenboss an und sagte mir, Helene wünsche sich, dass ich das Vorprogramm bei der Stadiontournee spiele. Ich habe erst mal einen Schnaps getrunken, mich sehr gefreut und war auch ein bisschen stolz.

Vor einem Jahr wusste kaum jemand, wer Ben Zucker ist, und jetzt steht Ihr Album „Na und?!“ seit Ewigkeiten unter den ersten Zehn in Deutschland. Wie nehmen Sie den Rummel wahr?

So locker wie möglich. Aber ich bin auch sehr ehrgeizig. Ich habe mir alles nach und nach erarbeitet und will meinen Job natürlich so geil wie möglich machen. Musik ist mein Herzschrittmacher, ich bin auch einfach tierisch glücklich, dass jetzt alles so gut funktioniert. Heute Morgen kam der Postbote und wollte ein Selfie mit mir machen. Ich bekomme schon mit, dass die Gesamterscheinung „Ben Zucker“ immer größer wird.

An welchem Punkt wussten Sie, dass Sie kein kleiner Sänger mehr sind?

Tatsächlich mit dem Angebot, die Helene-Fischer-Tour zu machen. Der Welpenschutz des Kloputzers, der nebenbei Musik macht, ist seitdem vorbei. Nun muss ich das durchziehen und beweisen, dass ich zu Recht da oben stehe. Ich muss abliefern.

Stimmt die Legende mit dem Kloputzer wirklich?

Doch, das ist wirklich wahr. Ich war mir für nichts zu schade, habe aber schon geguckt, dass ich mir diese Jobs innerhalb der Musikwelt suche. Ich habe also lange als Backstage-Betreuer in der Arena Treptow in Berlin gearbeitet, da fanden früher Konzerte statt mit Coldplay, Avril Lavigne oder Bob Dylan. Ich habe die Räumlichkeiten sauber gehalten, darunter auch das Klo, und habe darauf geachtet, dass die Künstler alles haben. Wenn ich die Halle nach dem Konzert ausgefegt hatte, habe ich mich oft mit meiner Gitarre auf die Bühne gesetzt und mir vorgestellt, wie es ist, dort zu spielen. Ich wollte es schaffen. Mir die Großen anzugucken, hat mich enorm angespornt.

Hat Sie diese Arbeit geerdet?

Ich bin so oder so ein erdiger Typ. Ich mache mir nichts aus Prominenz. Ich könnte jetzt im Urlaub auch auf die Malediven fliegen, aber ich fahre lieber an die Ostsee. Ich bin in Ueckermünde geboren, und fühle mich an der Küste in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer perfekt aufgehoben. Strandkorb, Bierchen in der Hand, meine Jungs um mich herum, das ist das Allerschönste.

In Ihrem Hit „Na und?!“ geht es allerdings um eine Frau, mit der Sie zusammen waren, letztlich scheiterte die Beziehung aber. Woran?

Am Geld. Ich war damals der kleine Musiker, der sich durchschlug und von 3,50 Euro die Stunde lebte, und sie ist eine Unternehmerin in meinem Alter mit ganz vielen Angestellten. Überhaupt: Ohne Kohle eine Frau zu erobern, ist schon eine Mammutaufgabe und mit viel Stress verbunden. Und auch wenn es anfangs zwischenmenschlich super harmonierte, ließen die Spannungen nicht auf sich warten. Sie war es gewohnt, chic essen zu gehen, ich war eher der Typ Fertigpizza. Und dann die Außenwirkung: Erfolgreiche Unternehmerin mit komischem Musiker, den kein Schwein kennt. Das hat uns aufgefressen, und schließlich ist die Liebe daran gescheitert. Wir haben beide gelitten und es nicht begreifen können, dass das Geld unsere Liebe zerstört.

Inzwischen dürften Sie finanziell auf Augenhöhe sein. Wollen Sie es nicht noch mal versuchen?

Kann sein, dass ich jetzt sogar der Besserverdienende wäre. Wir haben uns mal wiedergetroffen, aber ich habe gemerkt, dass meine Emotionen für sie abgestorben sind. Ich habe das verarbeitet, mein Herz ist weitergezogen, das Thema ist durch.

Sind Sie auch neu verliebt?

Nö. Ich bin Single.

Sie haben gesagt, Sie verlieben sich ständig. Kann sich das also morgen wieder ändern?

Ich habe sagen wollen, dass ich schnell von einer Frau begeistert bin. Zum Verlieben gehört aber noch einiges mehr. Wenn ich ein Mädel kennenlerne, dann spinne ich mir die schönsten Traumphantasien zusammen, und ich kann die Zweisamkeit auch echt genießen. Aber es ebbt bei mir auch schnell wieder ab.

Hört sich aber nicht so schön an.

Ich sehne mich nach der Liebe, das ist wahr. Andererseits bin ich momentan so eingebunden und so auf meine Karriere fokussiert, dass es eh schwierig würde.

Interessieren sich die Frauen allgemein stärker für Sie, seitdem Sie bekannt sind?

Och, das ist kein so großer Unterschied. Ich war auch vorher schon entspannt mit den Mädels.

Ihre Musik ist irgendwo zwischen Schlager, Pop und Rock, wobei Ihre markante, raue Stimme eine Besonderheit ist. Wie sehen Sie sich selbst, als Schlagersänger oder eher als so eine Art junger Peter Maffay?

Das ist mir völlig egal. Dieses Bild nach außen, ob ich jetzt Rockschlager oder Schlagerrock oder was auch immer mache, das interessiert mich nicht so. Ich mache Musik für mein Publikum, und das ist ziemlich bunt gemischt. Ich habe das Rad nicht neu erfunden und freue mich einfach, dass die Leute mittlerweile Geld bezahlen, um mich zu hören und meine Lieder mitzusingen.

Hätte Ihrer aktuellen Single „Der Sonne entgegen“ etwas Besseres passieren können als unser Supersommer gerade?

(lacht) Nee. Die Botschaft des Songs ist ja sowieso extrem schlicht. Einfach mal rausfahren, ausbrechen aus dem Alltag, irgendwas Tolles erleben, das eine Leben, das man hat, nutzen. Das geht zu jeder Jahreszeit, aber im Sommer bei 30 Grad ist das einfach nur die Wucht.

Interview: Steffen Rüth

LN

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