Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Musik zur Unterhaltung, als Protest und Jugendkultur

Frankfurt am Main Musik zur Unterhaltung, als Protest und Jugendkultur

„Oh Yeah!“: 90 Jahre Popmusik sind im Frankfurter Museum für Kommunikation zu hören und erleben.

Frankfurt am Main. „Popmusik ist Massenkultur.“ Dieser Satz steht wie in Stein gemeißelt am Anfang einer Ausstellung, die keinen Zweifel lässt an der Omnipräsenz der U-Musik von den 1920er Jahren bis heute. Und weil Schlager, Beat und Rock eine vereinigende Komponente haben, hat sich in Frankfurt das Museum für Kommunikation für zuständig erklärt, die Schau „Oh Yeah!“ zu präsentieren.

Der Titel klingt nach Krach, doch in den Räumen ist es ruhig: Die Besucher müssen sich Kopfhörer überstülpen an Hörstationen, an denen die Kunst von 140 Interpreten deutscher Musikgeschichte abgehört werden kann. Es gibt klangliche Jugenderinnerungen für jede Generation.

Vielleicht nicht ganz für jede – für den Charleston der 1920er Jahre gibt es kaum noch Zeitzeugen, wohl aber für die Protestballaden der 68er und späterer Pop-Konsumenten.

Ob Pete Seegers eingedeutschter Song „Sag mir, wo die Blumen sind“, gesungen zuerst von Marlene Dietrich und dann von vielen anderen, oder die Toten Hosen mit dem Lied „Sascha“, das sich 1992 gegen Rechtsradikale richtete („Der Sascha, der ist Deutscher / Und deutsch sein, das ist schwer“) – im Pop artikuliert sich häufig auch Protest. Doch die Musik war nicht immer rebellisch: Bei Heintjes Schmachtsong „Mama“ bekamen einst Mütter und Großmütter Tränen in die Augen.

Die Helden von Kurator Jan Christoph Greim sieht man auf Schwarz-Weiß-Fotos der 1930er Jahre: Swing-Kids und Edelweißpiraten. „Für mich sind das die ersten Punks“, sagt er. Als im nationalsozialistischen Deutschland Jugendliche im Gleichschritt zu marschieren hatten, sind sie im Jazz-Rhythmus ausgeschert und wurden verfolgt. Als „subversiv“ hat Greim auch die Beatniks und Punks in der DDR in Erinnerung. Der geteilten Musik im geteilten Deutschland sind mehrere Kapitel der Ausstellung gewidmet, die sich ansonsten wie eine fast endlose Radiosendung erkunden lässt: Zwei Moderatoren führen durch die Pop-Historie, sie kommentieren an den Stationen 25 Zeitabschnitte.

Und wer es anschaulicher mag: Zu den Exponaten zählen auch der erste Walkman, Sebastian Krumbiegels beschrifteter Prinzen-Anzug und ein paar goldene Schallplatten von Elvis Presley.

mib

Museum für Kommunikation, Frankfurt am Main, Schaumainkai 53, bis 25. Februar 2018

LN

Voriger Artikel
Mehr aus Kultur im Norden