Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Musikalische Perlen aus Frankreich
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Musikalische Perlen aus Frankreich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:12 03.07.2017
Thomas Hengelbrock dirigierte das NDR Elbphilharmonieorchester bei der Eröffnung des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
Anzeige
Lübeck

So wenig Vorbereitungszeit wie Daniel Günther für die Rede beim Eröffnungskonzert des Festivals hatte noch kein schleswig-holsteinischer Ministerpräsident. Der neue Landesvater absolvierte seine MuK-Premiere mit Anstand und nannte sogar den anwesenden Schauspieler Armin Mueller-Stahl beim richtigen Namen – bei Heide Simonis hatte er noch Armin Mueller-Westernhagen geheißen.

Aber das waren alles nur Nebendinge bei der Eröffnung des musikalischen Sommers. Thomas Hengelbrock und sein NDR Elbphilharmonie Orchester brachten musikalische Perlen der jüngeren französischen Musikgeschichte zum Klingen – ein würdiger Beginn zum Konzert-Marathon.

Zum Auftakt Ballettmusik der feinsten impressionistischen Art. Maurice Ravels Suite Nr. 2 aus „Daphnis et Chloé“ nahm Hengelbrock in ziemlich raschem Tempo, dennoch gelang es, die flirrende Farbigkeit der Musik in all ihrer Breite darzustellen. Ravel schrieb die Ballett-Musik 1912 auf dem Höhepunkt seiner frühen impressionistischen Schaffensphase, neben dem „Boléro“ sind die Suiten aus „Daphnis et Chloé“ die bekanntesten und beliebtesten Kompositionen des Franzosen. Goethe schrieb über die antike Textvorlage für das Ballett „... die herrliche Landschaft, immer der blaueste Himmel, die anmutigste Luft und keine Spur von trüben Tagen!“ So klang es dann auch, was Thomas Hengelbrock und sein Orchester in bewundernswerter Präzision und mit großartiger Differenzierung der Klänge spielten. Ein Hauch von Unbeschwertheit wehte durch den frisch renovierten Konzertsaal der MuK – in dieser Qualität und in solch mitreißender Frische hört man die Suite nicht oft.

Ravels Klavierkonzert in G-Dur entstand zwischen 1929 und 1931 – die Welt hatte sich seit dem antiken Idyll radikal verändert, ebenso Maurice Ravels musikalischer Stil. Das Klavierkonzert ist in den Ecksätzen rau und eckig, scharf rhythmisiert und greift zudem auf Stilmittel von Jazz und Blues zurück. Diese Musikrichtungen schätzte Ravel besonders, nachdem er sie bei einer USA-Tournee 1928 intensiv studiert hatte. Mit Hélène Grimaud hatten die Festivalmacher eine Ausnahmepianistin engagiert. Die in der Schweiz lebende Französin spielte die Ecksätze mit rhythmischer und technischer Präzision, immer behutsam begleitet vom Orchester, das Thomas Hengelbrock erneut zu einer großen Leistung führte. Der langsame Mittelsatz des Konzertes beeindruckte durch das Stilgefühl und die gestalterische Kraft der Pianistin. Schon der Auftakt zu diesem Adagio war von berückender Schönheit, der Dialog mit dem Englischhorn ebenso. Hier zeigte Hélène Grimaud ihr ganzes Können. Schade nur, dass sie ihr eigenes Instrument aus der Schweiz nach Lübeck hatte bringen lassen. Dem Flügel war die Reise offenkundig nicht bekommen, in der Höhe klang er hart und wenig brillant, in der Tiefe etwas ausdruckslos. Das war aber auch das einzige, was man gegen den Auftritt von Hélène Grimaud einwenden konnte, das Publikum applaudierte begeistert.

Nach der Pause dann die Sinfonie d-Moll von César Franck, Breitwandmusik aus dem späten 19. Jahrhundert. Hengelbrock zelebrierte dieses vielfarbige Tableau mit Geschmack und stilistischer Sicherheit.

Immer wieder waren es die Orchestersolisten, die Glanzpunkte setzten, vor allem Hörner und Holzbläser konnten sich auszeichnen. Hengelbrock arbeitete die sehr spezielle Architektur dieser Sinfonie heraus, die gelegentlich fast wie französisch eingefärbter Bruckner klingt, dessen Komplexität jedoch nicht erreicht. Wie die Elbphilharmoniker die Interpretation ihres Chefdirigenten umsetzten, war von wenigen klappernden Einsätzen abgesehen allerhöchstes musikalisches Niveau. Der wärmere und außerdem transparentere Klang im „neuen“ MuK-Saal trug seinen Teil dazu bei, dass Francks spätromantische Sinfonie ein großer Erfolg wurde. Das Publikum war begeistert von diesem in Deutschland nicht oft gespielten Werk und bejubelte das Orchester und den Dirigenten.

Auftritte in dieser Woche

Die Konzerte des SHMF in der Hamburger Elbphilharmonie sind allesamt ausverkauft. Karten gibt es noch für den Auftritt von Jazz-Trompeter Till Brönner heute in der Lübecker MuK, für „Avital meets Avital“ heute in der Reithalle Wotersen

sowie für den Trio- Abend „Notturno“ mit Frank Braley (Klavier), Renaud Capuçon (Violine) und Gautier Capuçon (Cello) morgen im Kuhstall von Pronstorf. Auch für „Martin Grubingers ultimative Percussionshow XXL“ am Donnerstag in der Sparkassen-Arena Kiel sind noch Karten zu haben.

Jürgen Feldhoff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Revue der Musikhochschule mit einem Streifzug durch die Gründerjahre der Rockmusik.

03.07.2017

. Der Österreicher Björn Treber ist mit 25 Jahren der jüngste Teilnehmer des diesjährigen Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis und war ein begnadeter Tennisspieler.

03.07.2017

Die Hamburger Schriftstellerin Brigitte Kronauer (76) erhält in diesem Jahr den Thomas- Mann-Preis.

03.07.2017
Anzeige