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Musikhochschule im Ausnahmezustand

Musikhochschule im Ausnahmezustand

Professor Rico Gubler über die gemeinsame Arbeit von Studierenden und Lehrenden beim Brahms-Festival.

Unser Brahms-Festival ist im regelmäßigen Veranstaltungsangebot der Musikhochschule Lübeck ein bedeutender Höhepunkt. Es ist aber nicht nur eine große Veranstaltung für ein interessiertes Publikum, es bedient auch mehrere für eine Musikhochschule spezifische Aspekte.

Planen, Üben, Proben und Konzertieren: Es ist für Studierende eine einzigartige Erfahrung, diese Schritte gemeinsam mit ihren Dozierenden zu erleben. Die Tatsache, dass die Lehrenden nicht nur miteinander in den Gremien arbeiten und Studieninhalte diskutieren, sondern gemeinsam auf der Bühne stehen, ist bemerkenswert und wichtig. Mit neuer Akzentuierung beziehen wir aktuelle Konzepte der Musikpädagogik ein, so wie zum Beispiel im Vermittlungsprojekt zu einem Haydn-Streichquartett mit Studierenden und Schülern. Mit der Aktion „Wer hat da gelacht?“ zeigen die Schülerinnen und Schüler einer dritten Klasse der Kahlhorstschule im Rahmen des Wandelkonzertes am 30. April ihre Arbeitsergebnisse.

Das kammermusikalische Proben und Konzertieren, die gemeinsam entworfenen Programmkonzeptionen und das Nachdenken über Musik sind zentral für das jährlich wiederkehrende Brahms-Festival. In den Konzert- und Vermittlungsformaten finden sich die Lehrinhalte des Studienalltags wieder und spiegelt sich die Berufsrealität unserer Studierenden. In zehn ereignisreichen Tagen präsentiert das diesjährige Festival Dozentenkonzerte, Studierendenkonzerte und gemeinsame Ensembles, Orchesterkonzerte, moderierte Konzerte, Vermittlungsprojekte, eine Vesper, Installationen und ein vielfältiges Wandelkonzert mit langer Brahms-Nacht.

Eine Musikhochschule versetzt sich in den Ausnahmezustand. Die MHL fügt dadurch nicht nur die verschiedenen Ensembles und Kammermusikgruppen zu einem Ganzen zusammen, sie vernetzt auch die einzelnen Studienbereiche zu einer klingenden Gesamtheit und gewährt Einblick in die Lehre.

Musikalische Interpretation ist eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem Notentext, mit dem historischen, kulturellen und sozialen Kontext und allen am Schaffens- und Aufführungsprozess beteiligten Menschen. Praktische und theoretische Ausbildungselemente finden im Interpretationsprozess genauso ihren Niederschlag wie der zwischenmenschliche Diskurs und die Auseinandersetzung mit unserer kulturellen Vergangenheit und Gegenwart.

Johannes Brahms sind in jedem Festivaljahr zahlreiche Kompositionen gewidmet, aber er steht darüber hinaus sinnbildlich als Pate für das kammermusikalische Denken, Musizieren und Lernen. Auch für mich als Komponist hat Brahms eine große Bedeutung, vor allem in Hinsicht auf seine grandiose Verarbeitung von Motiven.

LN

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