Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Mussolini, Metternich und Ibn Battuta

Mussolini, Metternich und Ibn Battuta

Er gehörte zu den bestimmenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Benito Mussolini gründete in Italien das erste faschistische Regime. Lange Zeit galt der „Duce“ als Hitlers harmloserer Bruder.

Er gehörte zu den bestimmenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Benito Mussolini gründete in Italien das erste faschistische Regime. Lange Zeit galt der „Duce“ als Hitlers harmloserer Bruder. Doch stimmt das wirklich? In seinem Buch „Mussolini. Der erste Faschist“ beleuchtet der Münchner Historiker Hans Woller das Phänomen Mussolini unter verschiedenen Gesichtspunkten, etwa als totalitären Sozialisten, als Imperialisten, als Faschisten oder Verbündeten Hitlers. Interessant ist speziell das Kapitel, das sich mit dem Rassisten und Antisemiten Mussolini beschäftigt. So setzte der Diktator 1938 ein Gesetz zum „Schutz der italienischen Rasse“ durch, nach dem Juden nur noch Juden heiraten und Mischehen nachträglich annulliert werden sollten. So weit waren nicht einmal die Nazis gegangen. Woller beschreibt in seinem hervorragenden Buch den Diktator als einen „hemmungslosen Imperialisten“, der seine Kriege mit maßloser Brutalität führte.

„Mussolini. Der erste Faschist“ von Hans Woller. C.H. Beck Verlag, 397 Seiten, 26,95 Euro.

Der österreichische Diplomat Clemens Fürst von Metternich hat in der Geschichte keinen guten Ruf. Er steht für ein erstarrtes politisches System und die Unterdrückung jeglicher demokratischer Bewegungen. Man verbindet ihn mit der Restaurationszeit des Biedermeier, die nur oberflächlich betrachtet kuschelig war. Entsprechend haben Biografen zuletzt einen Bogen um den Politiker gemacht. Der Historiker Wolfram Siemann legt jetzt die erste große Metternich-Biografie seit Jahrzehnten vor. Und er revidiert das überkommene Bild gründlich, erkennt er doch in dem Österreicher einen Strategen und Visionär. Siemann „outet“ Metternich als Freund des britischen Parlamentarismus und Gegner des Nationalismus, den er für gefährlich hielt. Allerdings erscheint es schwierig, Metternichs repressive Politik zu beschönigen.

„Metternich. Stratege und Visionär“ von Wolfram Siemann. 983 S., 34,95 Euro.

Marco Polo gilt als der große Reisende des Mittelalters. Bei uns viel weniger bekannt, wenngleich noch faszinierender, ist Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts die islamische Welt bereiste. Der frühere „Spiegel“-Korrespondent Erich Follath hat sich auf die Spuren dieses Abenteurers begeben, der in 30 Jahren rund 110000 Kilometer zurücklegte.

Was ursprünglich nur als Pilgerfahrt nach Mekka und Medina geplant war, führte Ibn Battuta am Ende bis nach Sri Lanka, Indonesien und ins ferne China. In Follaths Buch „Jenseits der Grenzen“ lernen wir nicht nur einen schillernden und vielseitigen Mann kennen, der Reisender, Gelehrter, Kaufmann und Diplomat in einem war. Der Autor schlägt gleichzeitig einen Bogen von der hochentwickelten islamischen Welt jener Zeit in die Gegenwart.

„Jenseits aller Grenzen. Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta“ von Erich Follath. DVA.

528 S., 24,99 Euro.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden