Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Nächster Halt: Kleinkunst

Travemünde Nächster Halt: Kleinkunst

Der Hafenbahnhof in Travemünde hat sich zur gefragten Station für Kultur und Kabarett im Norden entwickelt — Ein Freundeskreis betreibt diese Bühne auf eigenes Risiko.

Voriger Artikel
„Entdeckungsreise auf vertrauten Pfaden“
Nächster Artikel
Kunst, die jeder begreifen kann

Wolfgang Hovestädt auf der Empore. Der Saal wird für die Silvestergala vorbereitet.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Travemünde. Aus dem Fernsehen ist es ja inzwischen fast ganz verschwunden, das gute alte Kabarett, verdrängt von seiner hibbeligen, dauerpubertierenden Schwester Comedy.

Politisches Kabarett indes tut abseits der TV-Kameras seinen öffentlichen Dienst auf den Bühnen des Landes, zum Beispiel in Travemünde. Schwarze Grütze, Magdeburger Zwickmühle, Distel, Leipziger Pfeffermühle — sie alle spielten schon auf der Kulturbühne und stehen auch in dieser Saison wieder auf dem Spielplan.

„Die Leute wollen das“, sagt Wolfgang Hovestädt, Initiator, Manager, Programmdirektor und Hausmeister der Kulturbühne. Einer jener kleinen Kulturbetriebe im Land, die den Beweis erbringen, dass mit qualitativ hochwertigen Programmen Saal und Kassen gefüllt werden können. Vier Veranstaltungen bietet die Kulturbühne pro Monat, 170 Plätze gibt es, die Preise liegen zwischen 20 und 25 Euro. „Wir tragen uns selbst“, sagt Hovestädt. Innerhalb von nur fünf Jahren hat er nicht nur einen zuverlässigen Stamm an Künstlern, sondern auch an Zuschauern von Mecklenburg bis Hamburg aufgebaut.

Die leerstehende Aula der Schule in Travemünde war 2011 der Anlass für acht Kulturbegeisterte, den „Freundeskreis Kulturbühne Travemünde“ zu gründen. Kleinkünstler und Tourneetheater traten dort auf, und als der Saal nicht mehr bespielbar war, stieß der Verein bei seiner Suche nach einer neuen Spielstätte auf den alten Hafenbahnhof. 1913 erbaut, 1996 von der Deutschen Bahn verkauft, viele Jahre als Restaurant genutzt, drei Jahre Leerstand — so sein Lebenslauf in Kurzform. Der Sanierungsbedarf war groß. „Allein durch Spenden haben wir knapp 100 000 Euro zusammengebracht und die Räume umgebaut. Die alten Stahlträger, Bleiglasfenster, der historische Erker sind erhalten geblieben.“ Investiert wurde in neue Beleuchtung, in Technik und Bestuhlung, die Akustik wurde mittels Teppichboden und Vorhängen an den Wänden verbessert, und im Sommer 2014 öffnete sich der rote Vorhang erstmals.

Ein Mix aus Kabarett, Varieté, Musik, Comedy bestimmt auch im kommenden Jahr den Spielplan. Bekannte Namen finden sich da wie Alma Hoppe, die Hamburger Klezmerband Mischpoke oder die Celtic Cowboys, dazu Kabarettisten wie Mathias Tretter, Pia Pittroff oder René Sydow. Inzwischen melden sich die Künstler selbst, Hovestädt ist immer auf der Suche nach neuen Namen. Der Studienrat a.D. ist Geschäftsführer der Kulturbühne, einer eigenständigen Tochterfirma des „Freundeskreises Kulturbühne“. „Von der Programmgestaltung über Buchführung bis zum Getränkeeinkauf“ sei er momentan Alleinunterhalter der Bühne, sagt der 72-Jährige. „Ich würde mich über aktive Mitstreiter freuen. Man weiß ja nie, wie lange man das noch so machen kann.“

Zumal demnächst vielleicht neue Herausforderungen auf den kleinen Kulturbetrieb zukommen. Am 14. Januar 2016 soll das Bahnhofsgebäude versteigert werden, und der „Freundeskreis Kulturbühne Travemünde“ würde gerne mitbieten. Das Gutachten weise einen Wert von 625 000 Euro aus. Davon müssten 50 Prozent geboten werden. Eine Hypothek der Sparkasse sei schon zugesichert, so Hovestädt, dennoch sei es unsicher, ob in drei Wochen die nötige Summe aufgetrieben werden könne. Hinzu kämen noch notwendige Sanierungen an Dach, Fenstern, Türen und Heizung.

Doch ein neuer Eigentümer würde nicht die Endstation für den Kulturbahnhof bedeuten. „Wir haben einen Mietvertrag bis 2024.“ Und so plant er bereits über nächstes Jahr hinaus und will Travemünde gerade für Kabarettisten noch attraktiver machen. „2017 loben wir die Silberne Möwe aus. Vier Kabarettisten treten auf, das Publikum kürt den Sieger, und der bekommt neben einem Geldpreis einen Soloabend.“

Aktuelle Termine
Silvestergala mit Live-Aufführung „Dinner for one“ ab 20 Uhr, dazu passendes Vier-Gang-Menü, Musik, Tanz und Feuerwerk für 120 Euro, es gibt noch Restkarten.

2. Januar: Traditioneller Jahresauftakt ab 19.30 Uhr mit den Leipziger Salon-Philharmonikern (20 Euro).

• Tickets unter www.kulturbuehne- travemuende.de oder per Telefon unter (04502) 7887150 (für Silvester nur im Vorverkauf).

Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden