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Nähe und Fremdheit, Klarheit und Ruhe

Lübeck Nähe und Fremdheit, Klarheit und Ruhe

Zwei Künstlerinnen, zwei Wege: Andrea Neuman und Kim Reuter stellen in der Galerie Koch-Westenhoff aus.

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Galerist Stefan Westenhoff präsentiert ein Werk von Kim Reuter, das in der Ausstellung zu sehen ist.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Menschen, die in Ruderbooten unterwegs sind oder zu Fuß — scheinbar in einem großen Nichts. Die Malerin Andrea Neuman hat die Umgebung, den Central Park, in ein orangefarbiges Nirwana versenkt und die Menschen isoliert. Dem Bild hat sie den Titel „Die Reise nach Jerusalem“ gegeben, es geht ihr um Einsamkeit, Individualität, Beziehungen. Es ist zu sehen in der Galerie Koch-Westenhoff in der Lübecker Altstadt, die zurzeit Bilder von Andrea Neuman und einer zweiten Künstlerin, Kim Reuter, ausstellt.

Andrea Neuman, 1963 in Bad Salzuflen geboren, arbeitet in Serien. Grundlage ihrer Bilder sind Fotos, die sie auf Aluminiumplatten klebt. Mit Ölfarbe übermalt sie große Teile des Fotos. So entstehen Inseln. Menschen, die allein oder zu zweit unterwegs sind. Manchmal durch Linien verbunden, die aber eher zu trennen scheinen. In „Moma“ hat Neuman aus einem Foto Menschen isoliert, die auf Bänken sitzen, andere wenden sich ihnen zu oder von ihnen ab. „Hier geht es mir um Nähe und Fremdheit, um Liebe und den ewigen Versuch des großen Glücks“, sagt die Künstlerin.

Gestochen scharf bis stark verschwommen — wie die Dinge erscheinen, hängt von der Vergrößerung des Fotos ab. Um große Themen aber geht es auch in kleinen Formaten. Zum Beispiel in einer Serie über das Meer und Lampedusa. Man denkt unwillkürlich an Flüchtlingsdramen. Und liegt damit wohl gar nicht so falsch. Nichts als Himmel, Wellen und Meer? Doch. Ein Zaun!

Galerist Stefan Westenhoff hat die Bilder Neumans streng von denen Kim Reuters getrennt. Weil sie sich sonst gegenseitig gestört hätten, wie er meint.

Reuters Porträts, Straßenszenen, Landschaftsbilder beanspruchen deshalb eine eigene Wand. Die Malerin, 1971 in der englischen Grafschaft Essex geboren, verwendet sehr altes Material: Eitempera, selbst hergestellt. Die Farbe wird aus Eigelb, Leinöl, Wasser und Pigmenten gemischt und besitzt eine besonders hohe Leucht- und Deckkraft. Kim Reuter trägt die Farbe zum Teil flächig auf und erzielt damit feine Wirkungen. Zum Beispiel Schatten auf einer Straße, die wohl von Häusern geworfen werden. Außerdem Klarheit und Ruhe. Einige ihrer Bilder scheinen den Regeln der Fotografie zu folgen, etwa wenn sie einen Jungen am Bildrand rechts auf ein Dorf und eine Landschaft blicken lässt, auf Häuser und Hügel, die leicht verschwommen sind.

Anders als bei Andrea Neuman müssen Reuters Bilder ganz für sich selbst sprechen. Titel, die etwas über sie verraten könnten, gibt sie ihnen nicht, sondern sechsstellige Nummern.

Ausstellung bis 9. Januar, Lübeck, Hüxstraße 29

Liliane Jolitz

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