Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 3 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Neben Raps und Weizen sprießt Kunst

Ratzeburg Neben Raps und Weizen sprießt Kunst

22 Gemeinden im Lauenburgischen und in Westmecklenburg beteiligen sich an der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ im August und September - mehr als 100 Kunstschaffende präsentieren ihre Werke. Ein Besuch bei einem Bildhauer aus Klein Rünz.

„Bitte berühren – Skulpturen zum Befassen“ steht unter den Holzobjekten des Bildhauers Walter Green aus Klein Rünz.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Ratzeburg. Die Wege des Herrn sind unergründlich, und so kann aus einem Donnerbalken schon mal ein Engel werden. Jedenfalls wenn Walter Green das viele Jahrhunderte alte Holz einer ehemaligen Kloake in Lübeck in die Hände bekommt. Der im mecklenburgischen Klein Rünz lebende Bildhauer, dessen mannshohe Holzskulpturen in Kirchen in ganz Deutschland und im Ostseeraum zu sehen sind, stellt seinen Engel aus besagtem Balken vom 14. August an in der Petrikirche in Demern aus. Der kleine Ort in der nördlichen Schaalseeregion ist eine von 22 Gemeinden im Lauenburgischen und in Westmecklenburg, die sich an der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ beteiligen. Mehr als 100 Kunstschaffende präsentieren ihre Werke.

LN-Bild

„Dörfer zeigen Kunst“ im August und September im Lauenburgischen und in Mecklenburg.

Zur Bildergalerie

Demern, Albsfelde, Pogeez, Einhaus, Sterley, Thandorf oder Salem – die Ortsnamen kennt man bestenfalls von gelben Hinweisschildern an den Hauptstraßen. An den kommenden Wochenenden lohnt es sich, tatsächlich einmal abzubiegen und sich die oft verträumten Dörfer anzuschauen, die mit ihren Ausstellungen dokumentieren, dass auf norddeutschem Boden neben Raps, Weizen und Windrädern auch reichlich Kreativität sprießt.

2005 rief das Amt Lauenburgische Seen erstmals die kulturelle Landpartie aus. Mehr Touristen in die Region um die Ratzeburger Seen und die Schaalseelandschaft zu holen, war die Intention. „Es fing an mit elf Gemeinden und 23 Künstlern und war von Beginn an grenzübergreifend. Der Erfolg war überwältigend, so dass die Gemeinden es wiederholen wollten“, sagt Susanne Raben-Johns, Standesbeamtin im Amt und Koordinatorin der Dorfkunst-Aktion.

Ein weiteres Anliegen sei, den Kunstschaffenden auf dem Lande ein Podium zu geben. Dabei sind gestandene Künstler wie der Bildhauer Walter Green und große Namen wie Günter Grass – in Behlendorf sind auch nach dem Tod des Nobelpreisträgers noch Werke von ihm zu sehen. Aber auch Menschen, die sich in ihrer Freizeit oder nach dem Berufsleben mit Kunst auseinandersetzen, finden hier Platz, sich zu präsentieren. „Es gibt kein Kuratorium, es geht um die Gemeinschaft. Wie wir in den Orten mit unseren unterschiedlichen Begabungen leben, soll sich in den Ausstellungen widerspiegeln“, erklärt Susanne Raben-Johns.

Die Gemeinden organisieren ihre Ausstellungen selbst, inzwischen haben sich in vielen Orten Künstlerkreise gebildet. Auch in Groß Grönau treffen sich die Kreativen mehrmals im Jahr und planen die Ausstellung, die sie in diesem Jahr unter das Motto „Komplementär“ stellen. Die pensionierte Lehrerin Gisela Andres entdeckte 2004 ihre Liebe zur Malerei, experimentierte mit Gouache, Bleistift, Tinte, Seidenpapier und Pastellkreide, Aquarelltechnik und malt mit Acryl. Ihre aktuellen Arbeiten für die Ausstellung leben durch die Spannung zwischen Bewegung und Starre.

Siegfried Bausch bastelt im großen Atelier in Groß Grönau noch an seinen Installationen. „Mathematik und Malerei“ hätten ihn schon immer fasziniert, sagt der 67-Jährige, der in der Materialprüfanstalt Schleswig-Holstein unter anderem als Programmierer gearbeitet hat. Starke Farbkontraste und geografische Formen bestimmen seine Bilder, in seinen Installationen beweist er Humor.

Fast fertig sind seine „Himmelsleiter“ aus Sperrholzkästchen („Sie führt nach oben und nach unten“) und seine „mobile lyrik“ – ein Mobile aus Messingdraht, Plastikkugeln und Papptafeln, auf deren Rückseiten er noch Selbstgedichtetes kleben will.

In seinen Texten kommt manchmal der Programmierer durch. Sie sind knapp und zeigen, wie ein einziges Zeichen den Sinn ins Gegenteil verkehren kann, etwa in der „Betriebsanweisung Wäscherei“: „Schwarze nicht, weiße Wäsche waschen. Schwarze, nicht weiße Wäsche waschen.“

Auch seine Frau Ulrike Bausch stellt aus und schafft mit ihren farbenfrohen, zumeist vom Naturerleben angeregten Grenzgängen zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei einen Kontrast zu den Werken ihres Mannes. „Mit dem Malen will ich mir selbst eine Freude machen“, sagt sie. „Umso besser, wenn es auch anderen gefällt.“ Das wird an den kommenden Wochenenden zu testen sein.

Drei Wochen Kunst und Kultur

Eröffnet wird „Dörfer zeigen Kunst“ am Freitag, 12. August, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule“ in Schmilau bei Mölln. Zu sehen bis 4. September.

Die Ausstellungen sind zeitgleich geöffnet: sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr (Ausnahmen sind in den Flyern gekennzeichnet).

Begleitprogramm: Eine umfangreiche Zahl von Veranstaltungen flankiert die Ausstellungen, so gibt es einen Workshop „kleines Ledermäppchen“, Lesungen, Konzerte, Gottesdienste, Speckstein-Gestaltung, Freiluftkino und geführte Radtouren zu den Ausstellungsorten.

• Infos im Internet: www.doerfer-zeigen-kunst.de

 Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel

LIVE: Reden Sie über Ihren Kultur-Abend

Wie war die Theaterpremiere? Wie ist die Stimmung bei der 90er Party? Wie hat Ihnen das Konzert gefallen? Hier unterhält sich Lübeck und die Region über Kultur und Szene!

Bitte beachten Sie: Dieser Chat wird nicht regelmäßig moderiert. Bitte verhalten Sie sich daher so, wie Sie es auch im persönlichen Gespräch tun würden. Schreiben Sie uns eine Mail, wenn Ihnen Inhalte auffallen, die hier nicht stehen sollten.