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Kultur im Norden Neubeginn am Kriegsende
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20:39 25.03.2015
Volker Scherliess, gerade 70 geworden, hat häufig über Beziehungen zwischen Musik und bildender Kunst geschrieben. Quelle: Hollinde
Lübeck

Volker Scherliess ist einer der Großen der deutschen Musikwissenschaft. Der Autor vieler wissenschaftlicher Bücher, von 1991 bis 2010 Inhaber des Lehrstuhls für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Lübeck, ist vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden. Jetzt ist im Bärenreiter Verlag ein von Scherliess herausgegebener Band zum Thema „Stunde Null. Zur Musik um 1945“ erschienen — eine wahre Fundgrube.

Der Band ist aus den Beiträgen zu einer Tagung der Gesellschaft für Musikforschung an der Musikhochschule Lübeck im Jahre 2003 entstanden. Zwölf Jahre sind seitdem vergangen — grundsätzlich neue Einschätzungen der musikalischen Szene in Ost und West in jenen entscheidenden Tagen der Zeitenwende am Kriegsende sind seitdem nicht zu vermelden. Nicht aktuell, aber immer noch berührend in diesem Band sind zum Beispiel die Erinnerungen von Peter Wapnewski an die Stunde Null. Beginn des Studiums unter schwierigsten Bedingungen im halb zerstörten Hamburg, Briketts oder Lebensmittel, zur Not auch Zigaretten als Eintritt zu den ersten Konzerten und Theateraufführungen, denen man entgegenfieberte: Umstände, die man heute kaum noch nachvollziehen kann.

Ganz wunderbar in diesem Band ist die Wiedergabe eines Gesprächs zwischen Volker Scherliess und Walter Levin, dem Primarius des LaSalle Quartetts, über dessen Kindheit in Deutschland und den späteren Lebensweg. Glänzend geschrieben ist auch Scherliess‘ Beitrag über den Pianisten und Komponisten Eduard Erdmann. Ein Neutöner, über dessen Werk ein Aufführungsverbot verhängt wurde, als er 1935 als Dozent an der Kölner Hochschule für Musik gegen die Repressalien gegenüber seinen jüdischen Kollegen protestierte. 1937 trat Erdmann in die NSDAP ein, war aber bis 1945 nur noch als Pianist tätig.

Die musikalische Szene in Deutschland bei Kriegsende war ausgesprochen vielfältig, so heterogen, wie man es kaum erwartet hätte: Paul Hindemith mischte aus seinem amerikanischen Exil bereits wieder im musikalischen Betrieb mit, Henze schrieb seine erste Sinfonie — all das erfährt man aus den Beiträgen dieses Tagungsbandes.

Auch die Situation der Musik in der DDR wird thematisiert. Der Spagat zwischen künstlerischer Freiheit und von der Regierung verordnetem „sozialistischem Realismus“ war für viele Komponisten und Interpreten in Ostdeutschland nur unter größten Schierigkeiten zu schaffen — von Wendehälsen einmal abgesehen. Die gab es schon immer, es wird sie auch immer geben. Fel

„Stunde Null. Zur Musik um 1945“, herausgegeben von Volker Scherliess, Bärenreiter, 249 Seiten, 39,95 Euro.

LN

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