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Kultur im Norden Neue Bilder von Armin Mueller-Stahl
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16:14 01.12.2018
Armin Mueller-Stahl und die Leiterin des Ostholstein-Museums Eutin, Julia Hümme, führten durch die Ausstellung. Kraftvoll und farbintensiv laden die Bilder zu einem Spaziergang durch das Gedicht ein. Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Eutin

„Manchmal träumte er er könnte... Fliegen durch den Himmel sacht Und er flöge wie ein Falke Durch den Tag und durch die Nacht.“

Dies ist der Anfang eines Gedichtes, das Armin Mueller-Stahl vor 50 Jahren geschrieben hat. 1968 war er in der DDR ein Schauspiel-Star, aber bereits damals auch ein wortgewandter Dichter und als Geiger international auf Konzertreisen. Der Schauspielerei hat Mueller-Stahl – inzwischen ein Weltstar – den Rücken gekehrt, der 87-Jährige widmet sich aber nach wie vor mit Leidenschaft dem Schreiben, der Musik und vor allem der Malerei.

Davon zeugt sein neues Buch „Der wien Vogel fliegen kann“, in dem er das Gedicht von 1968, eine Metapher für das Leben hinter der Mauer, um einen zweiten Teil erweitert und zu jeder Zeile ein Ölbild gemalt hat. Die Bilder werden ab heute erstmals ausgestellt. Im Dachgeschoss des Ostholsteinmuseums in Eutin ziehen die farbintensiven, impulsiven, oft mit dickem Pinselstrich aufgetragenen Ölbilder die Blicke auf sich.

Es seien keine Illustrationen zu dem Gedicht, betont der in Sierksdorf lebende Künstler, der gestern zur Vorbesichtigung gekommen war. In jedem Bild habe er seine Emotionen und Assoziationen ausgedrückt. „Sie zeigen meine Gefühle, wenn ich sehe, wie die ganze Welt außer Rand und Band gerät.“

Zwar durch einen Infekt leicht angeschlagen, aber äußerst vital und gewohnt eloquent beschreibt er, was ihn zum Schreiben und Malen gebracht hat. Unter den Zwängen der DDR-Diktatur hatte er 1968 die Verse über einen Mann verfasst, dem die Staatsmacht das Fliegen verbietet – Mueller-Stahl stand selbst im Fokus der Staatssicherheit. Vor zwei Jahren drängte es ihn, dieses Gedicht weiterzuschreiben. „Die Welt ist ungemütlich geworden, überall wachsen die Autokraten und Populisten wie Pilze aus dem Boden.“ Sein aktueller Kommentar zur Weltlage ist kraftvoll, zuweilen düster, immer blitzt aber auch Ironie durch. Julia Hümme, Leiterin des Ostholsteinmuseums, ist stolz darauf, dass die Bilder hier erstmals zu sehen sind. Die gelungene Präsentation auf in Winkeln gestellten Stellwänden wird zu einer Zeitreise durch 50 Jahre – am Ende gibt’s über Kopfhörer die vom Künstler gelesenen Verse.

Nach dem Gedicht „Die Blaue Kuh“ ist dies das zweite Werk aus DDR-Zeiten, das Mueller-Stahl aktualisiert und mit Bildern versehen hat. „Die Vergangenheit lässt mich nicht los, sie ist ein Teil von mir.“

Die Ausstellung läuft bis zum 30. Dezember. Geöffnet (außer montags) von 11 bis 17 Uhr, Eintritt 5 Euro

Das Buch: „Der wien Vogel fliegen kann“, herausgegeben von Frank-Thomas Gaulin, Vorwort von Herwig Guratzsch, 96 Seiten, Verlag Hatje Cantz, 28 Euro

Petra Haase

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