Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Neue Hoffnung für Schloss Divitz

Divitz Neue Hoffnung für Schloss Divitz

Der Renaissancebau in Vorpommern ist in die Liste der gefährdetsten Denkmale Europas aufgenommen worden.

Voriger Artikel
„Für Nazi-Relikte sind wir der Kampfmittelräumdienst“
Nächster Artikel
Dat musst du sehn hebben*

So prächtig war das Schloss einmal, so schön soll es wieder werden: Divitz auf einem alten Druck der Berliner Verlagsanstalt Duncker. Der frühe Renaissancegiebel dürfte im Norden in seiner Form einmalig sein.

Divitz. Die Ritter von Divitz bauten ihren Turmhügel am Ufer der Barthe. Der Verteidigungsbau war ein Meilenstein, vermutlich der erste Schritt zur Kolonisation der sumpfigen Gegend bei Barth. Damals im frühen Mittelalter.

„Der Turm ist immer noch da. Er verbirgt sich unter dem Hauptgebäude aus der Renaissancezeit. Die Mauern sind 3,50 Meter dick. Und im Inneren befinden sich gotische Kreuzgewölbe“, schwärmt Gerd Albrecht (52). Der Leiter des Barther Vineta-Museums ist mal wieder rausgefahren vor die Tore der Kleinstadt am Bodden, dorthin, wo das alte Gemäuer der Wasserburg steht. Heute ist der Putz abgebröckelt, die Fensterhöhlen sind leer. Wind und Wetter nagen an dem einst prächtigen Schloss im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Denkmal von

nationaler Bedeutung

Seit Jahren kämpft Albrecht mit dem örtlichen Förderverein um die Rettung von Schloss Divitz. „Dass es ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung ist, war länger klar“, sagt er. Doch jetzt hat er einen besonderen Erfolg zu verbuchen: „Divitz wurde letzte Woche von Europa Nostra in die Liste der 14 gefährdetsten europäischen Denkmalstätten aufgenommen worden.“ Damit steht Divitz in einer Reihe mit Orten wie dem Brüsseler Justizpalast oder der Lagune von Venedig.

Ein Zeichen der Anerkennung, mit dem der Weg frei werden könnte für einen neuen Rettungsplan. Dank der Zusammenarbeit von Europa Nostra mit der Europäischen Investitionsbank hofft der Förderverein auf EU-Fördermittel.

„Wir gehen davon aus, dass alleine die Notsicherung 1,2 Millionen Euro kosten wird“, so Vereinsvorsitzender Erich Kaufhold (72). Insgesamt dürfte die Rettung des Schlosses und des zugehörigen Landschaftsparks sieben bis zehn Millionen Euro verschlingen.

Der erste Schritt ist bereits gemacht. „Der Förderverein hat Schloss Divitz von zwei Eigentümern aus Schleswig-Holstein erwerben können“, so Kaufhold. „Jetzt warten wir nur noch auf die Eintragung ins Grundbuch.“

Um den seit Jahrzehnten andauernden Verfall endlich zu stoppen, müsste allerdings auch Ingolf S., der derzeitige Bewohner des Schloss-Grundstückes, die Ruine endlich räumen. Er war vor Jahren als Käufer aufgetreten. Außer Müllbergen hat er jedoch nicht viel zu einer Veränderung des Zustands beigetragen. Bemooste Wohnwagen, halb eingestürzte Wellblechhütten unterstreichen das Bild der Verwahrlosung. „Gegen Herrn S. läuft eine Räumungsklage“, informiert Kaufhold. „Den Kaufpreis hat er nie bezahlt.“

Bei einem Hamburger Architekturbüro hat das Amt Barth bereits ein Sanierungskonzept für das Schloss in Auftrag gegeben. „Wir als Verein wollen das Gebäude nicht behalten“, so Albrecht. „Geplant ist, dass der Kreis es erwirbt.“

Alte Sichtachsen im Park

sollen rekonstruiert werden

Im Renaissance-Teil könne ein Museum entstehen, so Albrecht. In den barocken Schloss-Flügeln sollen Naturausstellungen zu sehen sein. Ins Wirtschaftsgebäude soll ein Ausflugslokal. Und auf der Burginsel und im Schlosshof könnten Konzerte stattfinden.

Wesentlich ist für Albrecht als gelerntem Biologen die Rekonstruktion des Landschaftsparks. „Er wurde von dem Gartenarchitekten Johann Heinrich Meyer geschaffen, einem Schüler des berühmten Peter Joseph Lenné.“ Meyer (1816- 1877) gilt als der Schöpfer der ersten Berliner Volksparks, so dem Treptower Park und dem Kleinen Tiergarten.

Albrecht weist auf uralte Hude- Eichen vor dem Schloss, zeigt einen künstlich angelegten Teich, erklärt vom Zahn der Zeit beschädigte Sichtachsen. „Die alten Blickpunkte müssen wieder hergestellt werden“, sagt er. „Allein das würde Divitz zu einem lohnenden Ausflugsziel machen.“ Die Chancen, dass es klappt, sind diesmal gut. Es wäre Divitz zu wünschen.

Marcus Stöcklin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Verbotszonen für Kite-Surfer
Von Oliver Vogt

Werden Seevögel von den Kite-Surfern beeinträchtigt? Vielleicht. So richtig weiß man es nicht. Die Antwort hängt auch stark davon ab, wen man gerade fragt .

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kultur im Norden