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Kultur im Norden Neue Klänge in einer alten Kirche
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19:15 18.08.2015
Die 24-jährige niederländische Cellistin Harriet Krijgh begeisterte bei ihrem Auftritt mit dem Signum Saxophone Quartet. Quelle: Nickolaus
Burg auf Fehmarn

Das Saxofon als Instrument der Kunstmusik hat eine überschaubare Karriere hinter sich. Aber immer wieder in seiner gut 150-jährigen Geschichte haben sich Komponisten gefunden, die für das von Adolphe Sax erfundene Holzblasinstrument aus Blech geschrieben haben. Besonders beliebt waren und sind Saxofon-Quartette in der Besetzung Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxofon. Ein solches Ensemble, das Signum Saxophone Quartet, gestaltete die Festival-Premiere in der St. Nikolai-Kirche in Burg auf Fehmarn gemeinsam mit der Cellistin Harriet Krijgh.

Ein wunderbarer neuer Spielort für das Festival ist die Burger Kirche, akustisch optimal geeignet für Kammer-Formationen dieses Typs. Und das Signum Quartet reizte die akustischen Möglichkeiten des Raumes gleich mit dem ersten Werk des Abends gründlich aus. Alexander Glasunows Saxofonquartett B-Dur, gesetzt in der Art eines Streichquartettes, spielten die vier Signum-Musiker in sehr schnellem Tempo mit höchster Präzision in Sachen Intonation und Zusammenspiel. Ein großartiger Auftakt, dem zwei Schostakowitsch- Bearbeitungen folgten. Hier zeigte das Quartett die klanglichen Möglichkeiten des Saxofons: Es kann singen, lachen, weinen, auch röhren, sogar grunzen — all das war in diesen kurzen Stücken zu erleben.

In den Tschaikowsky-Bearbeitungen, darunter mit dem Andante cantabile aus dem ersten Streichquartett ein Festival-Dauerbrenner, wirkte dann die junge niederländische Cellistin Harriet Krijgh mit. 24 Jahre zählt sie erst, steht aber bereits an der Schwelle zum Ruhm. Ihr Spiel beglückt durch Engagement und emotionale Tiefe, hinzu kommt, dass ihr barockes Cello aus dem Jahr 1620 ganz einfach wunderbar klingt. Cello und Saxofone harmonierten bewundernswert, die Klänge der Instrumente mischten sich in dem nur wenig halligen Kirchenraum zu einem filigranen und transparenten akustischen Bild.

Das gelang vor allem in der Bearbeitung des „Grand Tango“ von Astor Piazzolla für Violoncello und Saxofonquartett. Hier konnte man erleben, dass Harriet Krijgh technisch unglaublich weit fortgeschritten ist, ihre gestalterischen Möglichkeiten sind bereits in diesem jugendlichen Alter immens. Immer wieder andere Schattierungen brachte sie in ihr Spiel ein, die ganze emotionale Bandbreite von Piazzollas Werk wurde deutlich. Das Signum Quartet war dabei ein ebenbürtiger Partner, der weit mehr zu leisten hatte, als ein rhythmisches und harmonisches Grundgerüst unter das Cello-Solo zu legen. Die fünf Musiker musizierten miteinander, niemand spielte sich bei dieser schnörkellosen und doch berührenden Darbietung in den Vordergrund — ein Höhepunkt des Abends, der vom Publikum begeistert beklatscht wurde.

Als Zugabe bot das Signum Quartet dann zwei Stücke aus ihrer neuen CD „Balkanication“ — bei diesem Balkan-Punk erbebte die ehrwürdige Burger Kirche in ihren Grundfesten. Jürgen Feldhoff

LN

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