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Ratzeburg Neue alte Morde aus Hamburg

Boris Meyn lebt im Lauenburgischen und schreibt historische Bestseller-Krimis — Jetzt kommt ein neuer.

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Ratzeburg. Kreis Herzogtum Lauenburg. Da war Blut an den Wänden, Schmauchspuren, auf einem Stuhl in der Mitte des Raumes saß ein gefesselter Mann. Er bewegte sich nicht, keine Spur. Und er machte keinen Mucks. Aber wie soll das auch gehen ohne Kopf?

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Boris Meyn lebt im Lauenburgischen und schreibt historische Bestseller-Krimis — Jetzt kommt ein neuer.

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„Elbtöter“ heißt das neue Buch von Boris Meyn (54), ein Kriminalroman, der am 22. April erscheint. Es geht wieder einigermaßen blutig zu. Und es nimmt wieder ein Mann die Ermittlungen auf, der mit der Polizei eigentlich wenig zu tun hat. Sören Bischop ist Anwalt, ein älterer Herr, aber mit guten Kontakten und einem guten Kriminalistengespür. Es wird wohl sein letzter Fall sein, er ist in die Jahre gekommen. Aber zu Ende ist die Geschichte damit noch lange nicht.

„Elbtöter“ ist Meyns zwölfter Krimi. Alle veröffentlicht bei Rowohlt, einem der großen deutschen Verlage, was keine Selbstverständlichkeit ist. Und es ist der siebte einer Reihe, die in Hamburg spielt. Im Hamburg einer vergangenen Zeit, neunzehntes und frühes zwanzigstes Jahrhundert, und wenn in den Büchern immer auch ein paar Seiten mit alten Fotos auftauchen, ist das ebenfalls kein Zufall.

Boris Meyn schreibt historische Krimis, und Krimis sind es eigentlich auch nicht, sondern „Geschichtsbücher“, sagt er. Das kommt nicht von ungefähr. Er hat neben Medizin Kunstgeschichte studiert, sich dabei viel mit Architektur befasst und über die Entwicklungsgeschichte des Hamburger Schulbaus promoviert. Er kennt sich aus in der Stadt. Er kann die Augen schließen, einen geistigen Stadtplan abfahren und sagen, wo wann welches Gebäude gestanden hat und ab wann nicht mehr. Außerdem kommt er aus Hamburg, hat dort als Student — mit seiner Autorenkollegin Karen Duve — Taxi gefahren und in der Stadt lange gelebt. Er ist also ein ziemlicher Hamburg-Experte.

Seit fünfzehn Jahren aber lebt er auf dem Land, in einem Dorf im Lauenburgischen. Er ist dort mit seiner Frau und seinem Sohn hingezogen, sie haben eine alte Kate restauriert, jedes Jahr ein Zimmer, und wenn man sich gleich links hinter der Eingangstür in einen länglichen Raum begibt, steht man in seiner Schreibstube.

Alte Holzdielen, Regalreihen an den Wänden, Bücher darin, diverse Kameras, Aktenordner, alte Stereoanlagen, am Ende ein großer Tisch und darauf ein großer Monitor. Hier sitzt er und arbeitet an seinen Büchern. Das dauert mal länger, mal weniger lang, aber im Schnitt braucht er ein Dreivierteljahr für die Recherche, ein halbes Jahr fürs Schreiben, und dann ist wieder ein Krimi fertig.

Er hat schon früher geschrieben, Fachbücher, Literatur für Bauexperten. Und es tauchten dabei immer wieder Fragen auf, die kein Archiv und keine Quelle beantworten konnten. Er hat diese Fragen gesammelt, und als sie immer mehr wurden und der Zettelkasten überlief, hat er sie sich selbst beantwortet und einen Krimi daraus gemacht.

Er hatte ein Manuskript von sechzig Seiten und gab sie ein paar Freunden und Bekannten zum Lesen. Und als eine Kollegin seiner Frau davon hörte, die eine Lektorin bei Rowohlt kannte, kamen die Dinge ins Laufen. Der Verlag suchte damals Autoren historischer Krimis, zwei Wochen später klingelte bei Meyn das Telefon, und eine Stimme sagte: „Machen wir.“ Aber er musste noch einiges lernen. „Ich konnte Fußnoten, aber keine Dialoge“, sagt er. Also stellten sie ihm ein Lektorat an die Seite, er machte aus den sechzig Seiten ein richtiges Buch, und beim zweiten war vieles schon selbstverständlicher.

Meyn hat auch Krimis übers Lauenburgische geschrieben, vor zwei Jahren mit „Der Kuss“ einen im Osburg-Verlag erschienenen Roman. Bekannt aber ist er vor allem als Autor seiner Hamburg-Krimis, in denen erst Hendrik Bischop ermittelt hat, dann dessen Sohn Sören und im nächsten wahrscheinlich Sörens Tochter Ilka.

Meyn bastelt dabei in tatsächlich stattgefundene Geschichte einen Kriminalfall hinein. Er geht aus von historisch verbürgten Realitäten, bedient sich auch bei historisch verbürgten Personen, reichert das Ganze aber an mit fiktivem Mord und Totschlag und mit fiktivem Personal. Und er ist dabei sehr penibel. Er geht ins Staatsarchiv, in die Staatsbibliothek, sichtet private Nachlässe, arbeitet sich durch alte Zeitungsbestände und schaut, wie viel damals ein Bier gekostet hat, wie das Wetter war, worüber die Leute sprachen, welche Technik vorhanden war, was man trug.

Er hat so die Zeit nach dem großen Hamburger Brand von 1845 zu einem Krimi verarbeitet, den Ausbau des Hafens, den Bau der Speicherstadt, die Cholera-Epidemie, Reedereigeschichte von Hapag- Lloyd und den Bau der Ringbahn. Er hat sich chronologisch durch die Jahrzehnte gearbeitet und ist mit seinem neuen Buch beim Ende des Ersten Weltkriegs und der jungen Weimarer Republik angekommen. Und danach ist ja auch noch einiges passiert.

„Der Tote im Fleet“ war der Auftakt seiner Hamburg-Krimis. Das Buch erlebte im ersten Jahr fünf Auflagen, es kamen etwa ein Dutzend hinzu. Inzwischen ist es mehr als 70000 Mal verkauft, und die Auflage insgesamt liegt irgendwo zwischen einer Viertel- und einer halben Million. Einen neuen Krimi hat er schon in Arbeit, jedenfalls sitzt er bei der Vorrecherche. Weihnachten 2017 soll er erscheinen.

Am 2. Juni liest Boris Meyn in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) in der Buchhandlung „Lesezeit“ aus dem „Elbtöter“, am 4. Juni in Hamburg.

„In zwei, drei Tagen durchlesen“

„Elbtöter“ heißt Boris Meyns neuer Krimi, der bislang zwölfte und der siebte seiner historischen Hamburg-Reihe. Er spielt im Winter 1918, als der Erste Weltkrieg gerade zu Ende gegangen und die Weimarer Republik dabei ist, sich zu formen. Es sind wirre Zeiten, und in diese Zeiten hinein wird ein angesehener Hamburger Kaufmann ermordet. Das Buch erscheint wieder im Rowohlt-Verlag, hat 240 Seiten und kostet 9,99 Euro. Mehr als 300 Seiten sollen seine Krimis nicht haben, sagt Meyn. „Dann ist es kein Taschenbuch mehr, und einen Krimi muss man in zwei, drei Tagen durchlesen können.“ Etwa achtzig Prozent seiner Bücher werden im Norden verkauft, sagt der Autor, der auch im Literaturbeirat der Stiftung Herzogtum Lauenburg sitzt.

Von Peter Intelmann

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