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Kultur im Norden Carsten Jenß – der neue Chefdramaturg für Musiktheater in Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Carsten Jenß – der neue Chefdramaturg für Musiktheater in Lübeck
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17:32 09.04.2019
Seit der Spielzeit 2018/19 ist Carsten Jenß Leitender Dramaturg für Musiktheater und Konzert am Theater Lübeck. Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Lübeck

Er denkt in großen Zusammenhängen und ist kein Mann der einfachen Antworten, seine Arbeitsplatzbeschreibung aber bringt Carsten Jenß dann doch fix auf den Punkt: schreiben, schreiben, schreiben, reden, reden, reden. Das heißt, um sein Aufgabengebiet dann doch etwas ausführlicher zu umreißen: Jenß ist vom Erstellen des Spielplans über strategische Planung bis zur konkreten Werkentwicklung an allen Prozessen beteiligt, er ist Vordenker, Vermittler und Brückenbauer („Kunst muss zwangsläufig im Team entstehen“).

„Enorme Teamfähigkeit, großer Enthusiasmus“

Bereits in der vergangenen Spielzeit machte er mit dem Lübecker Theater Bekanntschaft bei der Inszenierung von „Luci mie traditrici“ (Die tödliche Blume) zusammen mit Regisseurin Sandra Leupold, „einer wichtigen Weggefährtin meiner Mainzer Zeit“. Die erste Begegnung mit den Lübecker Kollegen hat ihn beeindruckt. „Ich habe ein Haus kennengelernt, das mich von Anfang an begeistert hat: die enorme Teamfähigkeit, der große Enthusiasmus.“ Und so gab es kein langes Nachdenken, dem Ruf der Lübecker Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein zu folgen.

Wegweiser Christoph Schlingensief

Vielfältige Erfahrungen bringt der 1979 in Wolfsburg geborene Theatermann mit. Die Bühne habe ihn schon als Schüler gereizt. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation, Neuere deutsche Literatur und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin folgten prägende Stationen: Leitender Dramaturg und stellvertretender Operndirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Staatstheater Mainz und an der Deutschen Oper Berlin. Freischaffende Tätigkeit etwa für die Bayreuther Festspiele und De Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent und die Entwicklung neuer Bühnen- und Diskussionsformate mit Vordenkern aus Kunst, Politik und Wissenschaft. Vor allem die Berliner Zeit, sagt er, habe ihn geprägt. Die Zusammenarbeit etwa mit dem 2010 verstorbenen Regisseur Christoph Schlingensief. „Sein Denken, seine Ästhetik waren für mich wegweisend.“ Aber auch Gisela May als Brecht-Interpretin habe ihn geprägt wie die Sängerinnen Hildegard Kneef, Marian Faithfull, Maria Callas oder auch Jessie Norman.

Eine große Bandbreite ist für Jenß essenziell in der Theaterarbeit. Künstlerische Radikalität, Freiheit der Kunst, Perspektivwechsel, ständiges Hinterfragen sind Punkte, auf die er immer wieder zu sprechen kommt. „Theater darf sich auf gar keinen Fall geschlagen geben, keine falschen Kompromisse machen.“ Man könne nicht „an einem unmittelbaren Zuspruch oder einer unmittelbaren Ablehnung oder einer Auslastungsquote“ ablesen, welche Bedeutung ein künstlerischer Prozess gesellschaftlich in einer Stadt wie Lübeck habe.

Zusammenarbeit & Dialog

Die Aufführung des „Freischütz“ in dieser Saison sei für ihn die „erste Begegnung mit dem Lübecker Buh“, gewesen. „Das war mir in dieser Form neu, und es hat mich bestärkt, Kunst als Prozess zu sehen unter möglichst großer Beteiligung aller Menschen, die daran partizipieren.“ So wurden Gespräche angeboten, auch in Zusammenarbeit mit anderen Lübecker Institutionen. Nach einer „Freischütz“-Aufführung sprach Jenß mit der Leiterin der Kunsthalle, Antje-Britt Mählmann, über Bilderwelten und das Bildermachen, bei der Eröffnung der Selfie-Ausstellung in der Kunsthalle wirkten Theaterleute mit. Diese Zusammenarbeit etwa mit den Museen der Stadt will Carsten Jenß ausbauen. Will mit Lübeckern ins Gespräch kommen, Debatten anregen, um Theatergeschichte lebendig fortzuschreiben.

Petra Haase

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