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Neuer Glanz für große Kunst

Hamburg Neuer Glanz für große Kunst

Die Hamburger Kunsthalle wird an diesem Wochenende wiedereröffnet.

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Die Eingangshalle von 1869 ist endlich wieder das neue Foyer: Nach 17 Monaten steht die Hamburger Kunsthalle mit ihren Kunstschätzen aus 700 Jahren nach einer umfangreichen Modernisierung wieder für Besucher offen.

Quelle: Fotos: Lukas Schulze/dpa

Hamburg. Der Museumsdirektor spricht aus langjähriger Erfahrung: „50 Prozent der Menschen gehen in ein Museum, weil es sich nie verändert — es erinnert sie an ihre Kindheit, ein zuverlässiger Begleiter. Und 50 Prozent der Menschen gehen nie in ein Museum, weil es immer dasselbe ist.“ Hubertus Gaßner, Chef der Hamburger Kunsthalle, sagt diese Sätze gestern während eines Rundgangs durch sein generalüberholtes Haus. 17 Monate war der Komplex am Hamburger Hauptbahnhof nur beschränkt zugänglich, etwa 22 Millionen Euro wurden verbaut, ab morgen ist „das größte Museum in Nordeuropa neben der Eremitage in St. Petersburg“, wie Gaßner bemerkt, mit seiner Sammlung von Kunst aus 700 Jahren wieder öffentlich zugänglich.

LN-Bild

Die Hamburger Kunsthalle wird an diesem Wochenende wiedereröffnet.

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Tatsächlich glänzen die Räume nun auch innen. Insbesondere einige der Hochkaräter wurden neu in Szene gesetzt: Caspar David Friedrichs Naturerkundungen „Wanderer über dem Nebelmeer“, „Das Eismeer“

oder „Meeresufer im Mondschein“ werden in einem speziell dem Romantiker gewidmeten Raum vor grüngrauem Hintergrund wirkungsvoll von LED-Leuchten erhellt. Auch seinem Zeitgenossen Philipp Otto Runge ist ein eigener Saal vorbehalten, die pausbäckig-süßlichen „Hülsenbeckschen Kinder“ von 1805 toben sich hier possierlich aus.

Ansonsten sind Gemälde und Skulpturen chronologisch geordnet, zudem haben die einzelnen Räume Überschriften wie „Poesie der Landschaft“ oder „Kunst und Konfession“.

Anders ist besser, hatten bereits frühere Erneuerer der Kunsthalle gemeint. Das Museum hat eine lange Tradition von Anbau, Umbau, Neubau hinter sich. Der ursprüngliche Backsteinbau wurde 1869 eingeweiht, finanziert von Hamburger Großbürgern. Die erste Umgestaltung folgte 1888. Der legendäre Direktor Alfred Lichtwark konnte 1919 einen kolossalen Anbau einweihen. Die Galerie der Gegenwart kam 1996 dazu, in deren ehemaligem Foyer („Neuland“) soll nun der Ort für zeitgenössische und Avantgarde-Kunst sein. Die in Berlin lebende Südkoreanerin Haegue Yang darf hier als erste ihren Gemischtwarenladen zeigen.

Die augenfälligste architektonische Veränderung ist die Verlegung des Haupteingangs. Der war ursprünglich auf der Alsterseite, 1919 wurde er zur Bahnhofseite verlegt. Nun begrüßt die Besucher wieder ein einladendes Portal zwischen dem sogenannten Gründungsbau und dem Kubus der Galerie der Gegenwart. Der Bau habe eine Pirouette hingelegt, bemerkt der Direktor.

Und Gaßner beteuert: „Unser Ziel war es, das Museum für die Besucher überschaubar zu machen.“ Das Verwunschene hat die Kunsthalle abgeschüttelt, allerdings kann man sich nach wie vor in dem vielgestaltigen Komplex verlaufen. Und den Alten Meistern kann man, anders als früher, nicht mehr ausweichen, wenn man nur an Klassischer Moderne interessiert ist.

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister sonnte sich gestern im neuen Glanz. „Wir haben die Kunsthalle aus einer Nische ins Zentrum der Stadt geholt“, sagte er und deutete an, froh darüber zu sein, kein zweites Elbphilharmonie-Desaster erlebt zu haben: Beim Projekt Kunsthalle wurde sowohl der Zeit- als auch der Finanzplan eingehalten.

Einen bedeutenden Anteil daran hat der Unternehmer Alexander Otto, jüngster Sohn des Versandhausgründers Werner Otto. Er und seine Frau Dorit haben über eine Stiftung eine sogenannte Sachspende von 15 Millionen Euro beigetragen. Was heißt: Ottos Firma ECE Projektmanagement übernahm große Teile der Bauarbeiten. Die Stadt hat sich ideell revanchiert: Ein neu eingerichteter Veranstaltungssaal trägt nun den Namen von Ottos Vater, dem Gründer von ECE.

Fest und Gratis-Eintritt

Mit einem großen Fest wird die Kunsthalle an diesem Sonnabend und Sonntag eröffnet. Für die Besucher gibt es stündlich Führungen zur Modernisierung des Museums und den Highlights der Sammlung. Konzerte, Performances und Filme runden das kostenlose Programm ab. Beteiligt sind unter anderem das Bundesjugendballett, das Schauspielhaus, die Hochschule für Musik und Theater, das Thalia Theater und Musiker wie Charlie Cunningham, Arianna Savall und Ulita Knaus.

Am Eröffnungswochenende und im Mai ist der Eintritt für alle Besucher gratis.

Von Michael Berger

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