Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Neugierig, aber ein wenig befangen
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Neugierig, aber ein wenig befangen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 15.12.2017
Der Lübecker Augenarzt und Kunstsammler Dr. Max Linde war mit Edvard Munch befreundet und ließ seine Kinder malen.
Anzeige
Lübeck

Denkt man an Edvard Munch, so fällt einem zuerst „Der Schrei“ ein, von dem der norwegische Künstler zwischen 1893 und 1895 drei Versionen schuf. Auch Werke wie „Das kranke Kinde“, „Angst“

oder „Melancholie“ mag man vor Augen haben. Und dann steht man im Behnhaus vor den Söhnen des Dr. Max Linde und ist überrascht über die vier eindrucksvollen Charakterstudien der Lübecker Jungen und über dieses positiv gestimmte Kinderbild, das Lebensfreude und Glück ausstrahlt.

Klicken Sie hier, um die Top10 der beliebtesten Bilder des Behnhauses zu sehen - mit Erläuterungen der Kunstwerke!

Munch ist fünf Jahre alt, als seine Mutter an Tuberkulose stirbt, beim frühen Tod seiner Schwester ist er dreizehn. „In meinem Elternhaus hausten Krankheit und Tod. Ich habe wohl nie das Unglück von dort überwunden“, erinnert er sich später. Bevor er im November 1902 erstmals nach Lübeck reist, um bei dem Sammler Dr. Max Linde zu arbeiten, trennt er sich im Sommer in Norwegen von seiner Lebensgefährtin Tulla Larsen. Dabei soll er sich zwei Glieder des Mittelfingers seiner linken Hand abgeschossen haben.

Und dann kommt er nach Lübeck in die Obhut Lindes, der Augenarzt ist und Munch neben einem familiären Umfeld auch medizinische Betreuung bieten kann. „Ich habe Munch noch nie so innerlich befriedigt gesehen“, schreibt der gemeinsame Kunstfreund Albert Kollmann später. Vor allem fördert Linde Munchs Kunst und beauftragt ihn im Frühjahr 1903, die vier Söhne Hermann, Theodor, Helmuth und Lothar zu malen. Es wird das Hauptwerk dieser bis 1907 dauernden engen Verbindung von Künstler und Sammler.

In seiner Monografie zu dem Bild berichtet der ehemalige Direktor des Behnhauses Carl Georg Heise, was Linde ihm zur Entstehung des Gemäldes erzählte: „Die Kinder wurden vom Spiel im Park hereingerufen, um den ausländischen Gast zu begrüßen. Neugierig, aber ein wenig befangen, stellten sie sich vor die weiße Flügeltür des Gartensaales, und gleich beschloß der Künstler, sie so auf der Leinwand festzuhalten, wie sie ihm zuerst begegnet waren.“ Trotz aller Spontaneität schuf Munch ein klar komponiertes Gruppenbild. Dabei gelang es ihm, in seiner ganz individuellen Handschrift die äußere Erscheinung der Jungen überzeugend wiederzugeben und zugleich das innere Wesen der Kinder an die Bildoberfläche zu kehren: Links steht Hermann, der Älteste, ganz verträumt an den Türrahmen gelehnt, davor Lothar, der Jüngste, der kaum stillhalten kann, und ganz rechts, fast die ganze Bildseite ausfüllend, Theodor, selbstbewusst, in Gedanken, aber mit klarem Ziel vor Augen. In der Mitte ist Helmuth zu sehen, dessen Blick ganz mutig und neugierig dem Maler gilt und der so auch den Bezug zum Betrachter herstellt.

Als Max Linde in den 1920er Jahren sein Vermögen verliert, muss er sich von seiner Sammlung trennen. Carl Georg Heise kann „Die Söhne des Dr. Max Linde“ 1926 für das Behnhaus erwerben.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige