Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden „Nicht mehr die ,Generation Rock‘“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Nicht mehr die ,Generation Rock‘“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 15.08.2015
„Unglaublich stimmungsvolle Momente“: Revolverheld bei den MTV-Aufnahmen in der Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg-Harburg. Quelle: Sony/tim Kramer

Hamburg — Für die Hamburger Band Revolverheld könnte es kaum besser laufen. 2014 heimste das Quartett den European Music Award als „Best German Act“ ein und gewann den Bundesvision Song Contest mit „Lass uns gehn“. In diesem Jahr folgte der „Echo“ als „Beste Band national“. Nun wurden die Deutschrocker in den erlauchten Kreis derer aufgenommen, die ein MTV-unplugged-Album aufnehmen durften. Die LN sprachen mit den Gitarristen Niels Grötsch und Kristoffer Hünecke.

Lübecker Nachrichten: Das Angebot von MTV, ein Unplugged- Album aufzunehmen, wird gemeinhin als Ritterschlag für eine Band angesehen. Immerhin tritt man die Nachfolge von Leuten wie Paul McCartney oder Eric Clapton an.

Kristoffer Hünecke: Absolut, das war eine große Ehre für uns! Wir sind ja in den 90ern mit den internationalen MTV-unplugged-Alben von Clapton, Pearl Jam und Co. aufgewachsen. Wir überlegten nur kurz, ob wir uns das zutrauen, haben dann aber sofort zugesagt.

LN: Die Aufnahmen fanden in der Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg- Harburg mit vielen Gastmusikern statt. Gibt es bestimmte Rituale bei einer solchen Produktion?

Niels Groetsch: Ein Unplugged-Konzert wird in der Regel an zwei Abenden aufgenommen, da man exzellente Bilder für die Veröffentlichung der DVD haben möchte. Es waren unglaublich stimmungsvolle Momente dabei. Wir haben nur an zwei Stellen unterbrechen müssen. Einmal war eine Gitarre nicht richtig gestimmt. Einmal hatte jemand im Publikum seiner Angebeteten beim Song „Ich lass für dich das Licht an“ einen Heiratsantrag machen wollen. Wir wollten aber, dass diese Aktion einmalig bleibt und haben die Szene deshalb herausgeschnitten.

LN: Gäste wie Rea Garvey, Mark Foster, Heinz Strunk und Annett Louisan waren eingeladen. „Sommer in Schweden“ an der Seite von Johannes Oerding wird die Vorabsingle sein. Ist es schwieriger, solch ein eher schnelles Stück in eine akustische Version zu transponieren als Balladen?

Groetsch: Gute Frage! Wir haben bei jedem Song zusammen mit zwei Arrangeuren überlegt: Was kann man anders machen, wie kann man die musikalischen Grenzen einreißen? Es wäre uns auf jeden Fall zu langweilig gewesen, einfach nochmal unsere Hits in akustischer Version zu spielen. Annett Louisan hatte die Idee, aus dem eher energiegeladenen „Spinner“ eine sehr melancholische Version zu machen.

Darauf haben wir uns gern eingelassen.

LN: Wie ist das Unplugged-Konzert aufgebaut?

Hünecke: Es gibt drei Akte mit entsprechend gestalteten Bühnenbildern. Der erste Akt heißt „In der Kneipe an der Ecke“ — nach der Zeile aus unserem Song „Das kann uns keiner nehmen“. Im letzten Akt steht das Meer im Vordergrund. Aber wir wollen noch nicht alles verraten.

LN: Die Band ist seit fast eineinhalb Jahren unterwegs und spielt zum Finale der Tour am 19. August auf der Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg vor ein paar Tausend Leuten. Zum ersten Hamburger RevolverheldKonzert kamen vor über zehn Jahren gerade mal 60 Leute . . .

Groetsch: Der Adrenalinspiegel ist natürlich nochmal um einiges höher, wenn man in der Heimatstadt spielt. Da kommen auch viele Freunde. Hätte uns vor zwei Jahren jemand gesagt, dass wir mal auf der ehrwürdigen Trabrennbahn spielen, hätten wir demjenigen den Vogel gezeigt. Wir werden uns auf jeden Fall einige Besonderheiten ausdenken, und einen Vorgeschmack auf das Unplugged-Album wird es auch geben.

LN: Sie haben Ihre Karriere 2002 unter den Namen Manga und Tsunamikiller gestartet, erhielten dann ein 18-monatiges Coaching der Popakademie Baden-Württemberg. Wie hat sich das auf Ihre Auftritte ausgewirkt?

Hünecke: Wir haben wahnsinnig viel erlebt in der Zeit, das hat uns natürlich geprägt. Wir lassen es definitiv nicht mehr so krachen nach den Konzerten wie früher und leben gesünder. Wenn unser Sänger Johannes Strate sich zum Beispiel eine Erkältung einfängt, hört man es sofort an der Stimme, das kann man den Fans gegenüber nicht verantworten.

LN: In den Texten blicken Sie, obwohl gerade mal Mitte 30, oft nostalgisch zurück: Rotweinabende an der Seite der ersten Liebe, wehmütige Erinnerungen an die Jugend . . .

Hünecke: Das entspricht unseren Empfindungen, jeder von uns steuert ja Ideen zu den Texten bei. Ich finde, jeder ist immer die Summe seiner Erfahrungen. Wir sind nicht mehr die Jungs von unserer Debutsingle „Generation Rock“, die unbedingt mit dem Kopf durch die Wand wollten. Ein Blick zurück, vielleicht auch mal in Melancholie, ist in Ordnung. Aber dann muss man auch immer wieder nach vorne schauen!

2002 gründen Johannes Strate (Gesang), Kristoffer Hünecke (Gitarre, Gesang), Niels Grötsch (Gitarre, Gesang) und Jakob Sinn (Schlagzeug) ihre Band, die sie nach einigen Metamorphosen ab Herbst 2004 Revolverheld nennen. „Generation Rock“, die erste Single, erscheint im Juni 2005 und erreicht Platz 48 in den Charts.
Das MTV-unplugged-Album kommt am 9. Oktober auf den Markt, zuvor erscheint die Single „Sommer in Schweden“. Im Rahmen des Hamburger Kultursommers spielt die Gruppe am 19. August auf der Trabrennbahn Bahrenfeld.
„Wir lassen es nicht mehr so krachen nach den Konzerten wie früher und leben gesünder.“
Kristoffer Hünecke

Interview: Alexander Bösch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mirna Funk wird für ihren Debütroman „Winternähe“ mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet.

15.08.2015

Über die Qualität der Romane von Ernest Hemingway (1899-1961) kann man sich trefflich streiten — über die seiner Kurzgeschichten und Novellen jedoch kaum.

15.08.2015

Heute geht in Pronstorf das letzte von fünf Musikfesten dieser Festivalsaison zuende

15.08.2015
Anzeige