Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Nils Landgren: Der Mann der roten Posaune

Lübeck Nils Landgren: Der Mann der roten Posaune

Nils Landgren, Leiter des Festivals Jazz Baltica, ist ein vielseitiger Musiker, ein erfolgreicher Manager und ein begnadeter Kommunikator. Am Montag wird er 60.

Voriger Artikel
Die Schatztruhe der Museumsfreunde
Nächster Artikel
Luther in Bildern

Lübeck. Es ist Sommer, und am Hafen von Niendorf läuft das Festival Jazz Baltica. Ein Mann mit etwas zerknautschtem, aber jugendlichem Gesicht, Ohrring, graublonden Stoppeln auf dem kahlen Kopf, gekleidet meistens in Jeans und offenes weißes Hemd, läuft über das Gelände. Jeder kennt ihn, viele sprechen ihn an. Vor jedem Konzert steht er auf der Bühne und kündigt es an: „Das ist eine supergeile Band, das werdet ihr schon hören“, solche Sätze sagt er dann mit schwedischem Akzent. Manchmal springt er während eines Konzerts, meist gegen Ende, mit einer roten Posaune in der Hand auf die Bühne, spielt ein Solo, und das Publikum jubelt ihm zu.

Als Musiker muss er niemandem mehr etwas beweisen

Als der schwedische Posaunist Nils Landgren 2012 neuer künstlerischer Leiter von Jazz Baltica wurde, war niemand überrascht. Es war nur zu folgerichtig: Landgren war seit 20 Jahren Stammgast des Festivals; er hatte Erfahrung als Leiter des Jazzfests Berlin; er war bestens vernetzt im europäischen und amerikanischen Jazz, und er war beim Publikum beliebt.
Schon in der ersten Saison seiner Amtszeit krempelte Nils Landgren das Festival, das erstmals in Niendorf/Ostsee stattfand, komplett um. Die amerikanischen Stars, die über viele Jahre das Publikum begeistert hatten, verschwanden aus dem Programm. Das hatte zunächst vor allem wirtschaftliche Gründe, denn die Gagen der Amerikaner waren hoch. Aber es war auch künstlerisches Programm. Nils Landgren machte Jazz Baltica wieder zu dem, was es in seinen Anfangsjahren gewesen war: ein Festival des europäischen Jazz mit Schwerpunkt auf Deutschland und Skandinavien.

Und das Beste war: Das Publikum zog mit. Seit Jazz Baltica mit dem neuen Profil in Niendorf stattfindet, sind die Besucherzahlen gegenüber dem alten Standort Salzau (Kreis Plön) deutlich gestiegen. Das ist nicht allein Nils Landgrens Verdienst, aber er hat daran seinen Anteil. Der Musiker bewies sich als Manager.

Aber wer glaubt, da hätte einer die Seiten gewechselt, der irrt. Nils Landgren ist immer Musiker geblieben. Das beweist er stets aufs Neue mit seinen Auftritten beim eigenen Festival. Da ist nichts zu merken von Ermüdung. Mit immer wieder erstaunlicher Leichtigkeit handhabt er die Posaune, dieses etwas altertümliche, vermeintlich schwerfällige Instrument. Wenn er mit seiner Band Nils Landgren Funk Unit spielt, dann verbindet er den kräftigen Klang des Instruments mit Beweglichkeit und Virtuosität. Er hat aber auch eine weiche, lyrische Seite. Man kann sie zum Beispiel hören, wenn er mit Viktoria Tolstoy im Duo eine Ballade singt und dann ein gefühlvolles Solo auf der Posaune spielt – oder auch auf seinem neuen Album mit Leonard-Bernstein-Songs, in der er ganz zart die Ballade „One Man, One Heart“ spielt.

Nicht, dass er als Musiker noch jemandem etwas beweisen müsste. Nils Landgren blickt auf eine beeindruckende künstlerische Karriere zurück. In den 80er Jahren arbeitete er unter anderem mit Thad Jones, Herbie Hancock, den Crusaders und – er ist schließlich Schwede – Abba zusammen. Aus dieser Zeit stammt sein Markenzeichen, die rote Posaune, mit der ihn die Firma Yamaha sponserte. In den 90ern wurde er unter seinem eigenen Namen berühmt, vor allem mit seiner Funk Unit, die bis heute Bestand hat. Mit diesem Ensemble spielt er eine Musik, die bei vielen Anklang findet, die nicht zum engeren Kreis der Jazzhörer zählen.

„Kommunikation ist der Schlüssel“

Wenn man genau hinsieht, gibt es bei Nils Landgren gar keinen Gegensatz zwischen dem Musiker und dem Musikmanager. Das verbindende Element ist die Kommunikation, und in diesem Element bewegt Nils Landgren sich wie ein Fisch im Wasser. Mit seinem Charme, seiner Offenheit und seinem Charisma bringt er Menschen und Musik zueinander. Den Beruf des Musikers versteht er auch als den eines Vermittlers. „Man muss nicht zum Clown werden“, sagte Landgren 2012 im LN-Interview, „aber Kommunikation, vielleicht auch mit Worten, ist der Schlüssel. Dann kann man auch Leute erreichen, die von dieser Musik überhaupt keine Ahnung haben.“

Eines muss man bei Nils Landgren nicht befürchten: dass er in Routine erstarrt. „Jazz ist eine Kunstform in ständiger Bewegung“, sagte er in demselben Interview: „Als Musiker weiß man selbst nie, was aus der Musik werden wird.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel