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Kultur im Norden Noldes Welt und eine gestreifte Ziege
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22:18 27.02.2015
Farbrausch und nordfriesische Landschaften: Blick in die neue Ausstellung im Nolde-Museum in Seebüll. Quelle: Fotos: Carsten Rehder/dpa
Seebüll

Es beginnt mit einer Überraschung. Kein Landschaftsbild, keine Blumen und kein religiöses Motiv am Anfang der Jahresausstellung im Nolde-Museum in Seebüll, sondern das „Stilleben mit gestreifter Ziege“, das Emil Nolde 1920 malte. Stolz präsentiert die Nolde-Stiftung diesen ersten Ankauf seit 20 Jahren. Das Bild stammt aus dem Nachlass von Noldes zweiter Ehefrau. „Ein koloristisches Meisterwerk“, sagt Stiftungs-Direktor Christian Ring.

Rund 140 Werke aus unterschiedlichen Werkbereichen und Schaffensphasen sind von heute an in Noldes ehemaligem Wohnhaus in Seebüll zu sehen: Gemälde, Aquarelle, Graphiken. „Die Kunst selbst ist meine Sprache“ lautet der Titel, der sich auf einen Ausspruch des Malers (1867-1956) bezieht: „Ich würde so gern in Worten meine Kunst etwas näher erklären, aber die Kunst selbst ist eben meine Sprache, in der nur ich vollends das sagen kann, was mich treibt und bewegt.“

Neben der Neuerwerbung werden sieben weitere Gemälde erstmalig in Seebüll ausgestellt: „Beschwörung“ (1916), „Steuermann“ (1919), „Seltsame Wanderer“ (1923), „Plastik und lumen“ (1928) sowie „Der Seemann“ (1946). Von den religiösen Bildern werden in Noldes ehemaligem Atelier „Saemann und Teufel“ (1915) und „Heilige in der Hölle“ (1931) zum ersten Mal gezeigt.

Auch „Ungemalte Bilder“ werden wieder gezeigt. So nannte Emil Nolde die kleinformatigen Aquarelle, die er zwischen etwa 1938 bis 1945 heimlich in Seebüll schuf. Als vor knapp einem Jahr das Frankfurter Städel-Museum eine große Retrospektive des norddeutschen Expressionisten zeigte, flammte die Diskussion über die Verstrickung des Malers während der NS-Zeit wieder auf. Denn zumindest zeitweise hatte sich Nolde zum Nationalsozialismus bekannt. Gleichwohl gehörte er zu den verfemten Künstlern. Seine „Ungemalten Bilder“ entstanden in der Zeit nach 1941. 1000 Bilder Noldes waren beschlagnahmt worden, er selbst aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen und mit Berufsverbot belegt worden.

Die 59. Jahresausstellung habe als Kernpunkt „das aktive Sehen, das Einfühlen in Noldes Welt“, sagte Ring. Wem dafür das nötige Hintergrundwissen fehlt, dem helfen Informationen auf Deutsch und Dänisch auf die Sprünge. In den einzelnen Kabinetten finden sich erstmals begleitende Wandtexte mit Informationen für die Besucher.

Die Nolde-Stiftung sucht nach weiteren Wegen, wieder mehr Besucher anzulocken. 2014 wurde zwar nur ein leichter Rückgang verzeichnet. Über die Jahre gesehen habe sich die Zahl auf nunmehr etwa 58

000 Besuchern allerdings halbiert, räumte Ring ein. „Für die Generation Deutschstunde ist der Weg oft zu beschwerlich geworden“, sagte Ring — im gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz (1968) diente Emil Nolde als Vorbild für die Figur des Malers Nansen. Nun soll in Seebüll eine neue Generation angesprochen werden, etwa durch ein Kinderbuch, dessen Veröffentlichung für Mai geplant ist.

Die Stiftung will außerdem die Modernität Noldes hervorheben. Viele Werke seien „so frech vom Pinselstrich her“, sagte Ring. Zusätzlich wird künftig eine Familienkarte angeboten, die günstigeren Eintritt ermöglicht.

Bis 30. November, www.nolde-stiftung.de

Voller Humor und Hintersinn
Das neue Gemälde „Stilleben mit gestreifter Ziege“, mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder angekauft, mag ungewöhnlich für Nolde wirken. Es entstamme aber „einem Kernbereich Noldescher Kunst“, merkt Karsten Müller, Leiter des Ernst Barlach Hauses in Hamburg und 2012 Kurator der Ausstellung „Emil Nolde. Puppen, Masken und Idole“, in einer Expertise an.
Zwischen 1911 und 1929 habe Nolde mehr als 100 Ölgemälde geschaffen, in denen er Masken, Figuren, Textilien und andere kunstgewerbliche Gegenstände abbildete. „Er entfaltete in seinen Figurenstillleben eine interkulturelle Kombinatorik voller Vitalität, Humor und Hintersinn. Mit besonderer Vorliebe führte er Disparates, ja Dissonantes zusammen.“

LN

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