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Kultur im Norden Nordische Filmtage: Die Favoriten der LN-Redaktion
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13:12 02.11.2018
Eine Szene aus dem Film: "Ditte & Louise" Quelle: Christian Geisnës
Lübeck

Ditte & Louise (Dänemark)

Als Comedy-Duo ziehen Ditte und Louise auf der Bühne noch eine große Show ab. Im realen Leben sind die beiden Mittvierzigerinnen schleichend unsichtbar geworden. Das ändert sich schlagartig, als Ditte nach einem demütigenden Vorsprechen für eine Nebenrolle in einem Kinofilm beim nächsten Casting als Ditlev auftritt. Ditte/Ditlev hat, zack!, die Rolle im Sack, durchschlagenden Erfolg, schulterklopfende Kumpels, verdient pro Tag 400 Kronen mehr als die Hauptdarstellerin. Auch als Sexualpartner ist Ditte/Ditlev plötzlich wieder eine heiße Nummer, während „seine“ neuen Freunde Louise keines Blickes würdigen: „Die ist doch alt.“ „Louise ist so alt wie wir.“ „Eben!“ „Ditte & Louise“ ist eine herrlich böse Komödie über Sexismus, Geschlechterrollen und den Zynismus der Filmbranche und basiert auf einer gleichnamigen Serie des dänischen Comedy-Duos von Ditte Hansen und Louise Mieritz. Preisverdächtig!

Von Regine Ley

Die kleine Genossin (Estland)

"Die Kleine Genossin" (Seltsimees laps / The Little Comrade) aus Estland eröffnet das Festival Quelle: 35 mm

Der Eröffnungsfilm des Festivals erzählt von einer Zeit, in der die Esten vom stalinistischen Terror besonders stark heimgesucht wurden: von den 1950er Jahren. Bespitzelung und Verfolgung bestimmen das Leben.

Alltag und Repression werden aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt, dessen Mutter nach Sibirien verschleppt wurde. „Wenn du ein gutes Kind bist, komme ich bald zurück“, sagt die Mutter. Ein Versprechen, das nicht einzuhalten ist.

Von Michael Berger

Summer Survivors (Litauen)

"Summer Survivors", Film NFL 2018 Quelle: M-Films

Das etwas andere Road-Movie: Indre ist angehende Psychologin und soll den bipolar gestörten Paulius und Juste, die gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat, zu einem Arzt an die litauische Ostseeküste bringen. Auf der Fahrt begegnen ihnen einige Probleme, die sie gemeinsam lösen, dabei kommen sie sich näher.

Humorvoll und mit viel Respekt widmet sich die Komödie dem Thema psychische Erkrankungen und der Frage, wie in der Gesellschaft damit umgegangen wird. Dabei entstehen sehr emotionale Porträts von psychisch kranken und gesunden Menschen. Die Dialoge im Auto sind so schonungslos ehrlich, dass einem das Lachen hin und wieder im Halse stecken bleibt.

Nicht zuletzt wegen der tollen schauspielerischen Leistungen ist der Film absolut empfehlenswert.

Von Hannes Lintschnig

Nina (Dänemark/Färör)

„Nina“ Quelle: Toka Film

Alles scheint perfekt: Nina und William sind verliebt. Sie sind begeistert von ihrer neuen Heimat, einer kleinen Färörer Insel, der Natur, dem Haus, in dem das Paar wohnen wird. In ihrem Spielfilmdebüt entfächert die dänische Regisseurin Maria Winther Olsen in langsamen, ruhigen, oft düsteren, gefühlsbetonten Einstellungen eindrucksvoll das Seelenchaos ihrer Protagonistin. Die schwangere Nina will schreiben, ihr Lebensgefährte ist Arzt, zum Arbeiten fährt er Tag für Tag mit der Fähre in die Klinik in die Stadt.

Nina ist tagsüber einsam, verstrickt sich in ihre Gedankenwelt: Was ist wahr, was bildet sie sich ein? Die junge Autorin trifft den jungen Pastor der Insel, der ihr von einem Mythos erzählt, der sie in ihren Bann zieht. Die Geschichte ist eine Parabel für die seelische Not Ninas: Die junge Frau ist hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit in einer Ehe und ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit.

Von Dorothea Kurz-Kohnert

Christian IV- Die letzte Reise (Dänemark)

"Christian IV": Kirsten Munk (Karen-Lise Mynster), Christian IV (Baard Owe) Quelle: Good Company Films

Es ist das Jahr 1648 – und das letzte Lebensjahr des dänischen Königs Christian IV. Der schwerkranke Herrscher möchte mit der Pferdekutsche nach Kopenhagen fahren – mit dem Wunsch, noch ein Mal die Hauptstadt zu sehen und seine Frau Kirsten dabei mitnehmen, um sie mit letzten Fragen zu konfrontieren. Kirsten, für die der König den gesamten Film über einen Brief in der Hand hält, steht eigentlich unter Hausarrest, weil sie den König betrogen hatte und dieser deshalb das letzte der insgesamt zehn gemeinsamen Kinder mit Kirsten nicht als seines akzeptieren kann.

Eine bewegende Geschichte, hauptsächlich in der Kutsche gedreht, mit Zeitsprüngen in die Vergangenheit, um die tiefgehenden Fragen nach Liebe, Hass und Eifersucht zu beantworten. Mit einem König, der schwer leidet – und einem dramaturgisch überraschenden Ende, großartig gespielt von den Darstellern. Ganz großes Kino!

Von Schabnam Tafazoli

Lass mich fallen (Island)

Eine Szene aus "Lass mich fallen" Quelle: The Icelandic Film Company

Magnea ist eine gute Schülerin, wächst behütet auf – und rutscht mit 15 Jahren durch ihre Freundin Stella in die Party- und Drogenszene, wird kriminell. Man sieht die Mädchen im freien Fall. Stella findet den Weg zurück in ein bürgerliches Leben, Magnea landet trotz vieler Hilfsangebote ganz unten.

Erschütternd zu sehen, wie junge Menschen ihr Leben zerstören. Kristín Þóra Haraldsdóttir zeigt die erwachsene Magnea herzzerreißend – völlig am Ende ihrer Kräfte und jeder Würde beraubt. Das geht ans Herz.

Von Petra Haase

Gegen den Strom (Island)

Nordische Filmtage Wettbewerbsfilm "Gegen den Strom" mit Halldóra Geirhardsdóttir Quelle: Slot Machine / Gulldrengurinn

Halla (Halldóra Geirhardsdóttir) ist eine bemerkenswerte Frau. Sie ist Chorleiterin – und heimliche Umweltaktivistin, die ihren Beitrag zur Rettung der Welt im Alleingang leistet, indem sie Stromleitungen kappt. Und dann möchte die 49-Jährige auch noch ein Kind adoptieren. Benedikt Erlingsson („Von Menschen und Pferden“) bringt in seinem warmherzigen, witzigen und skurrilen Film Schweres zum Schweben. Dazu gibt es grandiose Landschaftsbilder.

Von Liliane Jolitz

Phönix (Norwegen)

"Phönix" Quelle: www.lukaspictures.com

Jill ist 13, ein junges Mädchen, aber mit Sorgen, die für ein ganzes Leben reichen. Ihre Mutter Astrid kann sich nur schwer aus ihrer Schlafzimmerhöhle schälen. Ihr ist alles zu viel, vor allem das Leben. Sie ist Künstlerin, depressiv, eine Trinkerin, und als sie einen Job in Aussicht hat, ist sie auch davon überfordert. Jill findet sie erhängt im Keller, sagt aber niemandem etwas und trägt so die Lüge ihrer Mutter weiter.

In ihrem Gesicht spiegelt sich alles: Hoffnung, Trauer, Leere, Enttäuschung. Das ganze Entsetzen, das im Gesicht eines 13-jährigen Mädchens nichts zu suchen hat. Und als ihr Vater auftaucht, ein Jazztrompeter im weißen Anzug, schlägt die Freude nur in noch größere Enttäuschung um. Er ist ein Händler des faulen Zaubers, der sich einzig um sich selber dreht.

Camilla Strøm Henriksens „Phönix“ ist ein leiser Film über die Tragödien des Alltags mit einer großartigen Hauptdarstellerin Ylva Bjørkaas Thedin.ill ist 13, ein junges Mädchen, aber mit Sorgen, die für ein ganzes Leben reichen. Ihre Mutter Astrid kann sich nur schwer aus ihrer Schlafzimmerhöhle schälen. Ihr ist alles zu viel, vor allem das Leben. Sie ist Künstlerin, depressiv, eine Trinkerin, und als sie einen Job in Aussicht hat, ist sie auch davon überfordert. Jill findet sie erhängt im Keller, sagt aber niemandem etwas und trägt so die Lüge ihrer Mutter weiter.

Von Peter Intelmann

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„Atme ganz normal“ (Island)

Zwei Frauen, zwei unterschiedliche Formen von Not: Die alleinerziehende Mutter Lara und die aus Guinea-Bissau geflohene Adja treffen auf schicksalhafte Art aufeinander. Lara lebt mit ihrem Sohn Eldar in einer tristen Siedlung und versucht mit einem Job in der Zollkontrolle am Flughafen, ihren Geldsorgen zu entkommen.

Als Adja versucht, mit einem gefälschten Pass nach Kanada weiterzureisen, lässt Lara sie auffliegen. Adja muss für 30 Tage ins Gefängnis und wird dann in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Aber nachdem Lara ihre Wohnung verliert ist es ausgerechnet Adja, die ihr dabei hilft, in der Flüchtlingsunterkunft unterzukommen.

Island wirkt im Film karg und kalt – was die Sorgen der Frauen noch spürbarer macht. Umso wärmer erscheinen die Gesten der Menschlichkeit, die hier immer wieder die Tristesse aufbrechen. Sehr realistisch, sehr eindringlich, sehr nahegehend.

von Schabnam Tafazoli

„Breathing into Marble“ (Litauen/Lettland/Kroatien)

Dass es nach der Adoption des sechsjährigen Ilja, der in der Mittelklassefamilie von Izabel, Liudas und ihrem an Epilepsie leidenden Sohn Gailius nie richtig ankommt, zu einer Katastrophe führen muss, ist schnell klar.

Die sehr gut gespielte Figur des Ilja gibt dem Zuschauer durch seine großen Augen und seinen leeren Blick von Anfang an ein sehr beklemmendes Gefühl. Düsterer Psychothriller – nichts für schwache Nerven.

von Hannes Lintschnig

„Wendepunkt“ (Finnland/Schweden)

Spannende Figuren, tragische Schicksale und überraschende Wendungen: In einem Nachtzug treffen der Geflüchtete Francis, der Kampfsportler Jere und Aleksi, der gerade aus der Psychiatrie geflohen ist, aufeinander. Nach einer Auseinandersetzung stirbt Aleksi auf der Fahrt, Francis und Jere verstecken die Leiche, vereinbaren Stillschweigen und gehen getrennte Wege.

Doch unabhängig voneinander treffen sie auf Vera, die Ex-Frau von Aleksi. Dann beginnt ein Spiel aus Lügen, Verantwortung und persönlichen Träumen, gefühlvoll, menschlich und zum Teil mitreißend erzählt.

von Hannes Lintschnig

„Ein unbekannter Meister“ (Finnland)

Das Leben war für den Kunsthändler Olavi ein langer, ruhiger Fluss, und so unaufgeregt ist auch der Film von Klaus Härö.

Dass Olavis minderjähriger Enkel Otto in sein Leben tritt, beschleunigt die Geschichte zumindest ein wenig – und erhöht beim Publikum die Spannung, ob es dem Alten im Zusammenwirken mit dem Jungen gelingt, die Provenienz eines – vielleicht – wertvollen Bildes zu bestimmen und einen letzten großen Deal zu machen.

von Michael Berger

taf

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