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Kultur im Norden Nordische Filmtage: Lübeck als Sprungbrett
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13:00 02.11.2018
Hille Norden zeigt ihre Dokumentation „Khello Brüder“ über zwei syrische Flüchtlinge in Deutschland bei den 60. Nordischen Filmtagen. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Mit 16 hat Hille Norden bei den Young Nordic Filmmakers erste Filmerfahrungen gesammelt. Jetzt, mit 20, kehrt sie als Regisseurin zu den Nordischen Filmtagen Lübeck zurück. Am Freitag zeigt sie ihre Dokumentation „Khello Brüder“ über zwei syrische Flüchtlinge in Deutschland.

Der Film begleitet zwei Männer, die aus Aleppo stammen. Der eine, Tarek, ist Journalist. 2013 kam er mit seiner Frau und den beiden Töchtern als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Ganz legal mit dem Flugzeug. Sein Bruder Zakwan, Künstler von Beruf, floh 2015. Er erreichte Deutschland über die Türkei auf dem beschwerlichen und gefährlichen Landweg. „Wir hatten viel Angst, überfallen, gefoltert oder entführt zu werden“, sagt er in der Doku.

Gelungene Integration syrischer Flüchtlinge

Tarek Khello sprach schnell gut Deutsch und arbeitet wieder in seinem Beruf. Zakwan Khellos Weg aus dem Kriegsland in sein neues Leben war holpriger. Aber auch er hatte Glück. Er konnte die Asylunterkunft bald verlassen, weil eine Familie ihn bei sich aufnahm. Dann fand er sogar eine eigene Wohnung.

Wegen des Krieges in seinem Heimatland konnte Zakwan aber nicht viel mehr als seine Haut retten. Die meisten seiner Bilder sind in Aleppo verbrannt. 17 seiner Werke konnten jedoch nach Deutschland geschmuggelt werden und waren in einer Ausstellung in Leipzig zu sehen. Tarek und Zakwan Khello stehen für Hille Norden für gelungene Integration. Das sei kein Zufall, sondern „harte Arbeit auf beiden Seiten“, wie sie sagt.

Die 76 Minuten lange Dokumentation ist nicht ihr erster Film. Für den Spielfiilm „Jola“ (2016) schrieb sie das Drehbuch und spielte darin die Hauptrolle. Außerdem ist sie ein Mehrfachtalent, malt und hat zudem ein Fernstudium begonnen. In welchem Bereich sieht sie ihre Zukunft? „Jeden Tag anders“, sagt die Kielerin. „Filmproduktion kann süchtig machen.“ Oft wisse man nicht, ob man ein Projekt durchbringt oder ob es scheitert. „Es ist ein ständiges Auf und Ab.“

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Neuer Film über früheren Kindersoldaten in Kambodscha

Eines ihrer neuen Projekte ist ein Film über einen früheren Kindersoldaten in Kambodscha. Lange habe sie nicht gewusst, wie sie ihm begegnen solle, sagt Hille Norden. Nun möchte sie aus acht Stunden Recherchematerial ein Road Movie machen. Es soll ein Film über Versöhnung werden, darüber, wie ein Land befriedet werden kann, wenn der Krieg vorüber ist. Zuerst aber müssen Geldgeber gefunden werden.

Wieder hat sie sich nicht gerade ein leichtes Thema ausgesucht. Was treibt sie dazu? „Ich interessiere mich für Menschen“,sagt Hille Norden.„Durch Dokus lerne ich viel über die Welt - und auch viel über mich.“

„Khello Brüder“, 2. November, 10.15 Uhr, Cinestar-Kino 7

Liliane Jolitz

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-im-Norden/Die-besten-Bilder-der-60.-Nordischen-Filmtage-Luebeck

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